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Schlussbericht Christina - "Was dich nicht umbringt, macht die Stärker"

So nun ist also schon der 23.08.2014 und (hoffentlich) sitze ich bereits in knapp einer Woche (mit einem lachendem und einem weinendem Auge) im Flieger Heim zurück nach München. Vor fast sechs Monaten am 03.03.2014 kam ich nach Kirikkale das mitten in der Türkei nahe Ankara liegt. Ich arbeitete dort in der gleichnamigen Universität der Stadt. Wo genau ich arbeitete, was genau eigentlich meine Aufgabe sein sollte oder warum diese Universität überhaupt einen Freiwilligen anwarb ist mir allerdings bis heute nicht richtig klar geworden. Meine Vereinbarung und die Ausschreibung der Universität klangen recht gut - ich sollte im Krankenhaus in der Abteilung für Physiotherapie arbeiten, dort mit den Menschen in Kontakt kommen, an ihrem täglichen Leben dort teilhaben und meine Zeit vor allem den Kindern dort mit cerebralparese widmen.

So weit so gut. Ich kam also in der Kirikkale Universität an und musste feststellen, dass das Krankenhaus in dem ich arbeiten sollte überhaupt keine Ahnung von ihrem Glück hatte mich als Freiwillige beschäftigen zu dürfen. Nun ja. Weiterhin sollte ich die Hälfte meiner Arbeitszeit (in der Vereinbarung waren es ca. 30 Stunden) damit verbringen in dem auf dem Campus gelegenen Restaurant (nur für Professoren) Kellnerin zu spielen. Jaaaa. Diese Arbeit war in der Vereinbarung allerdings nie erwähnt worden und hat meiner Meinung nach absolut nichts mit dem Europäischen Freiwilligendienst zu tun. Gut also kellnerte ich nicht sondern versuchte im Krankenhaus Fuß zu fassen. Zum Glück traf ich dort auf sehr hilfsbereite und verständige Leute mit denen ich sogar kommunizieren konnte, da sie einige der weniger waren die English sprechen konnten.

Ich traf nur auf wenige Studenten oder Angestellte die englisch beherrschten. Aber gut. Es war nicht die Aufgabe der dortigen Leute englisch zu lernen sondern meine türkisch zu lernen. Was mir allerdings nicht sonderlich leicht fiel - ich versuchte eigenständig zu lernen aber es ging eben nur langsam voran. Aber zurück zum Krankenhaus. Ok also am Ende schaffte ich es jeden Tag einige wenige Stunden im Krankenhaus zu arbeiten, wir organisierten eine Gruppe mit Kindern die unter Cerebralparese litten und ich versuchte ihnen ein wenig Englisch beizubringen sowie ihre Physiotherapeutischen Übungen mit der Gitarre zu begleiten um ihre Motivation für diese Übungen zu steigern. Des Weiteren besuchte ich für einige Wochen die Tourismusfakultät der Universität und tauschte mich dort mit den Studenten aus z.B. über Deutschland und die Türkei oder über den Europäischen Freiwilligendienst. Außerdem konnte ich auch an einigen Projekten der Universität teilnehmen z.b. renovierten wir eine Grundschule und im letzten Monat meines Projektes begleitete ich ein mobiles Jugendzentrum (genclik mobil merkezi) ausgestattet mit Sportequipment und Spielen das einmal quer durch die Türkei fuhr. Das war einer der Highlights meines EFD und ich hatte das Gefühl wirklich eine gute Sache als Freiwillige unterstützen zu können. Auf dieser Reise versuchte ich auch für den Europäischen Freiwilligendienst Werbung zu machen und Jugendliche dazu zu motivieren sich darüber zu informieren.

Trotzdem waren die letzten Monate sehr anstrengend. Viele organisatorische Dinge liefen schief angefangen vom Taschengeld über meine Unterkunft, meinen Aufenthaltstitel bis hin zu meinen Möglichkeiten jeden Tag Essen zu bekommen. Letztlich muss ich jetzt sogar noch bangen nicht mehr rechtzeitig die Türkei verlassen zu können (am 01.09 läuft mein Aufenthaltstitel aus) da meine HO bis jetzt noch keinen Flug zurück gebucht hat. Die Nationalagentur konnte mir mit meinen Problemen leider auch nur bedingt weiterhelfen. Einige Mitarbeiter besuchten mein Projekt nachdem ich ihnen während meines On-Arrival-Training von den Zuständen in meinem "Projekt" (wenn man es den so nennen kann) berichtet hatte. Sie kamen. Sie sahen. Sie sprachen und versprachen viele Dinge. Letztlich änderten sie ein paar Namen auf ein paar Blättern Papier und versuchten mir weiszumachen das nun alles gut wäre. Obwohl sich in der Realität überraschenderweise nichts geändert hatte. Davon wollten sie dann allerdings nichts mehr wissen. Sie verwiesen mich nur darauf, dass auf dem Papier nun alles anders wäre. Jaaaaaaa.

Meine Sendeorganisation war für mich in diesen letzten Monaten immer eine große Hilfe. Egal um was es ging, um mehr Informationen, darum mich nur einmal richtig abzureagieren oder um konkrete Hilfe z.B. wenn es um die Nationalagentur ging. Sie und die vielen netten und hilfsbereiten Menschen die ich in Kirikkale getroffen habe waren der Grund dafür, dass ich meinen Europäischen Freiwilligendienst nicht einfach abgebrochen habe. Ich wollte durchhalten und nicht aufgeben und sie haben mir dabei sehr geholfen. Obwohl ich eine völlig Fremde für diese Leute war (für die Mitarbeiter im Restaurant die sich wunderten wie ich zu ihnen gestoßen war, für die Mitarbeiter im Krankenhaus die sich um mich sorgten und mich unterstützen, für die Studenten mit denen ich einen Monat lang mit dem Jugendmobil durch die Türkei reiste und die obwohl viele kein English sprachen immer bemüht waren mich einzubeziehen) hatte ich nie das Gefühl völlig allein zu sein und wusste immer, dass da jemand ist der sich um mich sorgt. Das war einer der besten Erfahrungen die ich in der Türkei machen durfte. Das Land die Leute und die Kultur haben meinen EFD geprägt und ich hab mich vor allem in das türkische Essen und die wirklich nicht untertriebene Gastfreundschaft in diesem Land verliebt.

Letztlich bereue ich es nicht in die Türkei gekommen zu sein trotz der vielen Probleme und bin stolz dass ich während meines Projektes nicht aufgegeben habe. Ich habe viel über die Türkei erfahren und gelernt für Dinge zu kämpfen und für meine Rechte einzustehen. Außerdem habe ich am eigenen Leib erfahren wie schwer es ist an einer Gesellschaft teilzunehmen ohne die dortige Sprache zu sprechen und auch sonst keine Möglichkeit der Kommunikation besteht. Wie Missverständnisse und Frustration entstehen. Ich habe mich an neuen Aufgaben versucht wie einen Blog zu schreiben, als Englischlehrerin oder als Freiwillige die über den EFD informiert. Es war keine leichte Zeit aber ich will sie nicht missen.

P.S. Ich hab es noch rechtzeitig aus der Türkei geschafft ^^