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Schlussbericht Nico

Am 01.10.2013 kam ich nach der schlechtesten Landung, die ich in meinem Leben je erlebt hatte, am Flughafen in Antalya, Türkei an. Zum Glück gibt es zwischen Berlin und Antalya Direktflüge, weshalb ich nur so um die dreieinhalb Stunden geflogen bin. Ich war sehr aufgeregt. Gerade erst habe ich mich von meiner Familie und von Freunden am Flughafen in Berlin verabschiedet und nun stand ich alleine am Flughafen in einem anderen Land, wo es zudem ungewohnt heiß war. Ich realisierte noch nicht wirklich, dass ich mein altes Leben hinter mir gelassen habe und jetzt neun Monate hier in dieser Stadt leben würde.
Mir wurde vorher gesagt, dass ich vom Flughafen zur Akdeniz Universität mit dem Bus fahren sollte. Meine erste Erfahrung, die ich gemacht habe: Sehr viele Türken können gar kein Englisch reden. So hat es ziemlich lange gedauert, bis ich endlich die Universität gefunden habe und es wurde auch schon langsam dunkel. Anschließend musste ich mich irgendwie auf diesem riesigen Campus zurechtfinden. Natürlich wusste niemand der Studenten, wo das "International Relations Office" ist. Dort musste ich hin. So viel wurde mir gesagt. Die Security-Leute, die überall standen, konnten mir leider auch nicht weiterhelfen, da sie kein einziges Wort Englisch verstanden. Letztendlich habe ich aber doch zum Büro gefunden, jedoch war dieses schon geschlossen und man gab mir am Eingang einen Zettel, auf dem die Nummer von meinem Mitbewohner Selim stand. Ich wurde wieder woanders hingeschickt, damit die Kollegen ihn anrufen konnten und er mich endlich abholen konnte. Nach Stunden voll Suchen kam ich schließlich zu Hause an. Ich wohnte in der Nähe der Universität und in der Gegend lebten sehr viele Studenten.

Leider hatte ich ein bisschen Pech mit meiner Organisation. Ich arbeitete im Büro und hatte ganz andere Aufgaben, als mir zuvor gesagt wurde. Oft gab es auch gar nichts zu tun und es kam auch sehr häufig vor, dass sich niemand wirklich um mich gekümmert hat. Jedoch gab ich für zwei Monate Deutsch und Englisch Kurse. In der Türkei sprechen die Schüler im Unterricht die Sprache, die sie erlernen, kaum, weshalb auch sehr viele Türken schlecht bis gar nicht Englisch sprechen können. Später kamen noch zwei andere Freiwillige für zwei Monate und wir hatten zusammen ein Recycling-Projekt. Wir haben Leute darüber aufgeklärt, wie wichtig es ist, zu recyceln.
Am Anfang war ich sehr motiviert, Türkisch zu lernen und ich freute mich riesig auf meinen Sprachunterricht. Doch wurde ich leider auch hier etwas enttäuscht. Mein Türkischlehrer war Englischstudent, wusste aber gar nicht, wie er mir die Sprache näher bringen konnte. Zudem war der Unterricht recht unregelmäßig. Ich hatte beschlossen, mit meinem Koordinator zu reden und ich sollte einen neuen Lehrer bekommen. Es zog sich ziemlich in die Länge und letztendlich bekam ich keinen neuen Lehrer. Ich muss schon sagen, dass ich echt Pech hatte, was meine Organisation angeht. Jedoch hatte ich super Freunde, von denen ich die Sprache etwas lernte.

Nach drei Monaten hatte ich mein On-Arrival Training in Izmir. Wir waren etwas über 30 Freiwillige aus ganz Europa, die gerade ihren Freiwilligendienst in der Türkei machten. Es war eine echt tolle Erfahrung so viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen. Alle verstanden sich echt gut und wir wuchsen als Team zusammen. Durch dieses Training und auch durch mein zweites Training, das in Adana stattfand, habe ich so einige Freunde gewonnen. Es ist eine super Möglichkeit, Freiwillige aus anderen Städten kennenzulernen. So konnte ich zum Beispiel andere Städte besichtigen und dort bei anderen Freiwilligen schlafen. Mir wurde dann immer die Stadt gezeigt und man konnte sich über seine Erfahrungen austauschen.
Vor meinem zweiten Training reiste ich mit anderen Freiwilligen, die ich bei dem ersten Training getroffen hatte durch den Osten der Türkei. Es war für mich das erste Mal, dass ich im Osten der Türkei war. Der Osten ist so extrem anders zu dem Westen, in dem ich gelebt habe. Es war sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich ein Land sein kann. Wir fuhren per Anhalter zu fünft bzw. sieben durch ein paar Städte. Diese Reise war auf jeden Fall eine der Höhepunkte meines Aufenthalts in der Türkei. Alle anderen Freiwilligen waren sehr nett und wir verstanden uns super. Vielleicht lag es daran, dass wir uns alle für das Land interessierten und allgemein sehr offen für andere Kulturen waren.

Mit der Zeit lebte ich mich in Antalya ein und gewöhnte mich an die dortigen Gewohnheiten. Ich ging regelmäßig auf den Wochenmarkt, um ganz günstiges Obst und Gemüse zu kaufen, das direkt von den Bauern außerhalb der Stadt kam. Außerdem lernte ich mit der Zeit ein paar türkische Gerichte von meinem Mitbewohner, die ich dann auch regelmäßig selbständig kochte. Zudem genoss ich es sehr, dass ich direkt am Meer wohnte und fast jeden Tag die Sonne schien. Im Januar beispielsweise schien sie fast täglich und es waren bis zu 20°C.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich sehr glücklich darüber bin, das Jahr in der Türkei verbracht zu haben. Obwohl ich einige Schwierigkeiten hatte in meiner Organisation, habe ich sehr viel erlebt und mich weiterentwickelt. Ich habe zudem viele neue Leute kennengelernt und ich habe sehr viel von dem schönen Land gesehen. Diese Zeit werde ich so schnell nicht vergessen und sobald ich kann werde ich zurückkehren, um noch einmal alle Leute dort wiederzusehen.