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Schlussbericht Jenny

Let the attack begin! Staunen, Träumen, Tee mit Milch! Zweifeln, Hoffnung, Lachen, Regen, Erkenntnis, Melancholie, Jesus! Hitching Kitchen! Beer,of course! How are You? Jenny!!! Where are you going, Kilkenny? Augen zu und durch oder außen vorbei?, Kells and back, how's that impossible? Trommeln, Basteln, The imperious leader, Schreien, grau, nass...aber vor allem grün!!!

Seit nun fast zwei Monaten bin ich zurück von einem so unglaublich erlebnisreichen Jahr in Irland, von dem es so viel zu erzählen gibt. Zugegeben, ich habe mich etwas davor gedrückt, diesen Bericht zu schreiben. Seitdem ich zurück in Deutschland bin, führt die Auseinandersetzung mit diesem prägenden Jahr voller kostbarer Erfahrungen dazu, dass sich eine gewisse Sehnsucht in mir breit macht.
Oh je, dieses Fernweh...

Letztes Jahr im Juli hieß es für mich, aufzubrechen, allen Mut zusammenzunehmen, um zwölf Monate meines Lebens in einer völlig neuen Umgebung zu verbringen. In einem fremden Land, das mir vor allem durch den Nordirlandkonflikt, den eindrucksvollen Landschaften, dem Regen und den vielen Schafen zu Ohren gekommen war. Auf mein Projekt war ich vorneweg sehr gespannt. Ich lebte und arbeitete dort in einer Kommune, der Kingsriver Community. Dort auf dem Land, was von einigen auch so schön umschrieben als "the middle of nowhere" bezeichnet wurde, leben eine Familie mit fünf Kindern zusammen mit fünf Behinderten und den Freiwilligen. Zur Community gehört eine Werkstatt in der wochentags weitere zehn Männer mit Behinderungen arbeiten, um bei der Herstellung von Tischen, Stühlen und anderen Kunstwerken auszuhelfen. Außerdem gibt es dort einen großen Garten, der die Kommune mit biologisch angebauten Produkten, sowie mit viel Arbeit versorgt. Als Freiwillige/r gilt es, sich dort als Teil der Kommune zu integrieren, was sich für mich zu Beginn durchaus als Schwierigkeit herausstellte.
Nach anfänglichen Annäherungsschwierigkeiten, die größtenteils aufgrund von kleinen Sprachbarrieren (der irische Akzent kann mitunter schon gewöhnungsbedürftig sein..) entstanden, konnte ich mich doch relativ schnell einleben. Bald fühlte ich mich zugehörig zu einer großen Familie, die zu meiner Zweiten geworden ist. Die Momente, in denen diese familiäre Atmosphäre mir solch intensives Gefühl von Wohlbehagen verschaffte, werden mir immer in Erinnerung bleiben. So zum Beispiel während der Mahlzeiten, die immer gemeinsam eingenommen werden.
Mein Aufgabenbereich war sehr vielseitig. Ich konnte mit Ideen und Eigeninitiative großen Einfluss auf meine Tätigkeiten ausüben. Oft arbeitete ich im Haus, kochte und backte mit den Mitbewohnern. Manchmal half ich im Garten aus. Vordergründig jedoch versuchte ich zusammen mit den Mitarbeitern aus der Werkstatt und den Bewohnern aus dem Haus kreativ zu sein. Gemeinsam arbeiteten wir an Mosaiks, an kleinen Filzprojekten, aber auch musikalisch waren wir aktiv. Ich leitete einen drumming-workshop, der mich sehr bereicherte, vor allem an Geduld! Auch hatten wir die Gelegenheit Ausflüge in umliegende Gebieten, nach Kilkenny, der nächstgelegenen Stadt, zu unternehmen oder in unserer Freizeit gemeinsam in die berühmtberüchtigten Pubs( die gibt es in Irland immer und überall, egal wie klein ein Dorf ist) zu gehen oder ins Kino.

An meinen freien Tagen versuchte ich die grüne Insel allein oder mit anderen Freiwilligen zu erkunden. Da das öffentliche Verkehrssystem in Irland eher unzureichend ausgeprägt ist, blieb mir oft nichts anderes übrig, als mich per Anhalter fortzubewegen, was allerdings auch interessanter ist. Auf diese Weise habe ich nicht nur die wunderschöne, märchenhafte Landschaft kennen lernen können sondern auch die Mentalität der Iren. Hierbei zeichnet sich ein großer Unterschied zu den Deutschen ab. In Deutschland ist es fast unmöglich zu trampen. Generell sind die Iren sehr hilfsbereit und zuvorkommend, was dies betrifft. Sie scheinen offener aber irgendwie auch unbekümmerter zu sein- "it's gonna be alright" ist eine beliebte Redewendung. Es wirkt manchmal auf mich so, als lebe Irland in einer kleinen verträumten Blase, in der es nicht so sehr wichtig ist, was kommt oder was außerhalb dieser Blase passiert. Was zählt ist der Moment. Natürlich sind dies nur Verallgemeinerungen. Die beliebteste Einleitung von Gesprächen scheint übrigens das Thema Wetter zu sein, was für mich nach einem Jahr verständlich ist. Ja, wir hatten so einige Schlechtwetterperioden, über die man sich auch mal auslassen muss......! Gern erinnere ich mich an die Begegnungen mit so einigen Sektenmitgliedern und deren gescheiterte Versuche, mich zu missionieren. Da machte selbst eine meiner Mitfahrgelegenheiten, eine "Born-Again-Christian" nicht vor Mitteln, wie dem Weihwasser (aus einer Supermarktplastikflasche!!) halt.

Nicht zu vergessen ist natürlich das Publeben, der Inbegriff der Kultur Irlands, welches ich mit meinen Mitfreiwilligen meist in Kilkenny genoss. Dieses hat neben gutem Bier auch sehr gute Live-Musik zu bieten. Spaß ist hier vorprogrammiert...

Mein Freiwilligendienst war für mich ausgesprochen erfolgreich, auch wenn es nicht immer einfach war, ich oft an meine persönlichen Grenzen gestoßen bin, ich manchmal mit gewissen Umständen in der Kommune nicht zurechtkam. Ich habe so viel von den Menschen, mit denen ich zusammen arbeitete und lebte, gelernt. Vor allem die behinderten Bewohner haben mich so viel gelehrt und das Leben aus anderen Blickwinkeln betrachten lassen, dass ich mich oft fragte: wer hilft hier eigentlich wem? Dieses Jahr hat mich nicht nur auf zwischenmenschlicher sondern auch auf interkultureller Ebene bereichert. Es war sehr wichtig für mich einmal über den Tellerrand der eigenen Kultur zu schauen und ein Gefühl für andere Lebensstile zu bekommen...

Dies sind Gedanken, die die Sehnsucht in mir hervorrufen und mich an der Größe der Welt verzweifeln lassen...
Es gibt noch so viel zu sehen...

Vielen Dank an Rene und IFAP!!!

Jenny