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Zwischenbericht Julia

Ich bin nun mittlerweile seit mehr als einem halben Jahr in England, also Zeit für einen Zwischenbericht. Mein Projekt ist in Gibside, das ist im Nordosten Englands, in der Nähe von Newcastle. Ich wohne und arbeite in einem Park vom National Trust zusammen mit drei anderen Freiwilligen. Dem National Trust gehören viele alte Gebäude, Wälder und Landschaftsparks in ganz England, Gibside ist ein kleiner Teil dieser gemeinnützigen Organisation. (Als Freiwillige haben wir überall freien Eintritt, sehr gut)

Laut meiner Projektbeschreibung sollte ich eigentlich größtenteils mit Schulgruppen arbeiten, das habe ich bis jetzt aber immer noch nicht gemacht, dafür mache ich viele andere Sachen. Mein Supervisor ist die Visitor Services Managerin, die ist supernett, aber hat mit den Kinder- und Jugendlichen nichts zu tun. Die Frau, die das alles leitet ist ziemlich unkommunikativ und nicht wirklich angetan von uns Freiwilligen. Wir haben mehrmals versucht mit ihr zu arbeiten, aber nichts erreicht. Wir könnten darauf bestehen, dass unsere Projektbeschreibung genau eingehalten wird, aber auf so ein angespanntes Arbeitsverhältnis habe ich wirklich keine Lust. Und so arbeiten wir eigentlich nur im zweiten Teil unseres Projektes, also im Visitor Service, das ist wirklich gut. Wir helfen bei Hochzeiten in der Kapelle, fahren einen Golfbuggy für Besucher, die keine weiten Strecken laufen können und entwerfen Kinderaktivitäten an anderen Stellen. An den Wochenenden ist hier meistens Einiges los, aber besonders unter der Woche war während des Winters oftmals tote Hose. Deshalb helfen wir im Moment mehr und mehr draußen mit, die anderen beiden Freiwilligen arbeiten nämlich im Garten. Und nicht nur das, ich habe schon mit Anglerhosen in einem Teich gestanden, Stufen gebaut und Bäume gepflanzt. Ich hätte niemals gedacht, dass mir so was Spaß machen könnte, aber ich finde es wirklich gut. Anstatt mal wieder den dritten Tag hintereinander mit kopieren und anderer Büroarbeit zu verbringen, pflanze ich im Moment lieber Blumenzwiebeln oder grabe ein Beet um. Der Sommer wird bestimmt stressiger, dann gibt es hier viele Konzerte und Theateraufführungen. Außerdem werde ich zusammen mit der anderen Freiwilligen noch ein Sommerfest an einem anderen National Trust Gelände organisieren, schreibe Newsletter für Gibside und übersetze jede Menge Broschüren.

Insgesamt gefällt es mir wirklich gut und ich habe meine Entscheidung bis jetzt noch keine Sekunde bereut. Es ist nicht immer einfach, gerade weil wir mitten in dem Park in dem alten Stallgebäude wohnen. Bis zur nächsten Bushaltestelle müssen wir eine halbe Stunde laufen, aber Newcastle ist nicht weit und das größte Einkaufszentrum Europas ist gleich um die Ecke. Mit den drei anderen Mädels verstehe ich mich super (eine andere Deutsche, eine Holländerin und eine Französin), auch wenn Christina früher aufhört und nur noch ein paar Tage hier sein wird. Wir gehen zum College und die Chefin der anderen beiden Freiwilligen organisiert jede Menge Ausflüge für uns. Mit den Urlaubstagen wird das hier relativ locker gehandhabt, wir waren also schon viel unterwegs, aber noch lange nicht genug. Die Gegend hier ist wirklich total schön und bis nach Schottland ist es nur ein Katzensprung. Das Wetter war bis jetzt wirklich okay und zur Not gibt hier in England ja bekannterweise ausreichend Tee (aber natürlich nur mit Milch!).

Julia

 

Schlussbericht Julia

Meine Aufnahmeorganisation:
Meine Aufnahmeorganisation war der National Trust, wie der Name schon sagt eine nationale Wohltätigkeitsorganisation in Großbritannien. Der National Trust kümmert sich um mehr als 300 historische Gebäude und Gärten, aber auch große Teile der Küste und viele Waldgebiete werden vom National Trust betreut. Ich habe zusammen mit drei anderen Freiwilligen in der Nähe von Newcastle in Gibside gearbeitet. Außer uns gab es noch zwei Mädels in der Nähe von Leeds und einen Freiwilligen in den Yorkshire Dales. Wir hatten alle denselben Mentor und haben uns mehrer Male gesehen und gegenseitig besucht.

Meine Arbeitsstelle:
Gibside ist ein großer Landschaftspark aus dem 18.Jahrhundert. Es gibt eine Kapelle, ein 40 Meter hohes Monument, die Ruine des Herrenhauses, ein Banqueting House, ein Stallgebäude, zwei Teiche und natürlich jede Menge Wald und Felder. Es gibt zwei Teams, einmal das Landscape Team für den Garten und den Park und dann das Visitor Services Team. Zusammen mit einer anderen Freiwilligen war ich Mitglied des Visitor Services Team, die anderen Mädels waren im anderen Team. Wir hatten zwei verschiedene Chefinnen und auch teilweise andere Arbeitszeiten, wie z.B. an den Wochenenden. Ich hatte in meinem Projekt oft nicht viel zu tun und gerade gegen Winter bekam ich oft einfach nur Büroarbeit zugewiesen oder hatte das Gefühl einfach irgendwo abgesetzt zu werden, wenn z.B. mal wieder keine Aufsicht in der Kapelle da war und ich den ganzen Tag da sitzen sollte. Größtenteils hat es aber wirklich Spaß gemacht. Ich habe Kindernachmittage geplant und ausgeführt, einen Golfbuggy gefahren, bei Events und Theateraufführungen geholfen und mich allgemein um die Besucher gekümmert. Nach einiger Zeit habe ich auch angefangen, immer mehr mit den anderen Freiwilligen zu arbeiten; wir hatten unser eigenes Gemüsebeet und ich habe jede Menge Unkraut gejätet, Blumen gepflanzt und halbe Bäume gefällt. Zu meiner eigenen Überraschung hat mir das wirklich Spaß gemacht und so konnten wir auch mal alle vier zusammen arbeiten. Die nicht so besucherstarken Wintermonate sind so auch vorübergegangen und spätestens ab Ostern war wieder viel los. Fast an jedem Wochenende gab es eine Hochzeit in der Kapelle und im Juli standen die großen Open Air Konzerte mit jeweils 4000 Besuchern auf dem Plan. Ich habe in dem Jahr unglaublich viele verschiedene Sachen gemacht, im Tearoom ausgeholfen, dann mit Anglerhosen einen Teich gereinigt, den Eingang mit Ticketverkauf übernommen oder eine Führung durch den Park geleitet. Es war einfach total abwechslungsreich, man wusste nie, was der Tag noch so bringt.

Unterkunft:
Wir vier Freiwilligen haben in einer eigenen Wohnung im renovierten Stallgebäude gewohnt. Außer uns wohnte dort noch der Warden und es gibt eine Unterkunft für Gruppen, die an den meisten Wochenenden auch belegt war. Das Gebäude stammt wie alle Gebäude in Gibside aus dem 18.Jahrhundert und es war sehr besonders dort zu wohnen zu. Natürlich gab es auch Nachteile wie die Entfernung zur nächsten Bushaltestelle (halbe Stunde), die ständige Kälte und vor allem das Problem mit unseren Zimmern. Diese befanden sich alle in einem großen Raum und waren nur durch Zwischenwände getrennt, viel Privatsphäre gab es also nicht. Der Blick aus dem Fenster in die reine Natur und die absolute Stille (außer nachts wenn Füchse, Dachse und sonstige Tiere Radau gemacht haben) hat aber für einiges entschädigt. Gerade an freien Tagen war das Leben am Arbeitsplatz aber öfters nicht so angenehm, das Müllrausbringen ging z.B. nur unter neugierigen Blicken von zahlreichen Parkbesuchern und jeder wusste immer ganz genau wo wie gerade sind.

Eigeninitiative/ andere Projekte:
Ich habe schon relativ früh gemerkt, dass in meinem Team unter der Woche nicht viel für mich zu tun war. Wir haben viel Arbeit nachgeholt, wie Inventurlisten erstellt und die Kinderangebote aktualisiert. Zum College sind wir ein- bis zweimal in der Woche gegangen und haben auch ein Diplom abgelegt. Ab Mai habe ich zusammen mit der Freiwilligen aus meinem Projekt ein Sommerfest für einen anderen National Trust Park organisiert. Dafür haben wir 800 Menschen aus Pflegeheimen eingeladen, Unterhaltung organisiert und Sponsoren geworben. Für Gibside habe ich einen deutschen Flyer entworfen und für einen anderen Park mit großem Herrenhaus sogar deren Broschüre übersetzt.

Umgebung/ Ausflüge:
Die Chefin der anderen beiden Freiwilligen hat viele Ausflüge für uns organisiert, zu Beginn haben wir fast einmal im Monat den Nordosten Englands erkundet. Da Newcastle, Durham und die Küste aber nicht weit entfernt waren, konnten wir auch alleine viel sehen. Diese Ecke Englands ist wirklich unglaublich schön. An den Geordie Akzent (auch Bergmanns Englisch genannt, einfach mal Maximo Park genau zuhören) mussten wir uns aber wirklich gewöhnen, am Anfang haben wir überhaupt nichts verstanden. In meinen letzten Wochen habe ich dann endlich auch den letzten Freiwilligen verstanden, zuvor hat der für mich echt eine andere Sprache gesprochen, das konnte niemals Englisch sein.

Fazit:
Ich hatte ein unglaublich tolles Jahr in Gibside, alle sind mir sehr ans Herz gewachsen. Aber für mich ist es auch in Ordnung, nach einem Jahr weiterzuziehen. Ich habe das Gefühl, einen vollen Kreislauf mit allen Jahreszeiten und Ereignissen mitgemacht zu haben. Wir waren die zweite Generation von EVS und gerade am Anfang waren viele Leute reserviert, wir hatten das Gefühl in zu große Fußstapfen treten zu sollen. Das hat sich dann relativ schnell gelegt, aber jetzt kommen gerade die neuen Freiwilligen an und da kommen schon gemischte Gefühle auf. Aber so ist das eben, ich hatte ein super Jahr und werde meine Zeit in Gibside nie vergessen.

Julia