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Schlussbericht Anna-Maria

Hier also der Bericht den ich schreiben muss, wenn mein EFD schon vorbei ist. Alles hat damit angefangen das ich, aufgrund des Vorbeitungsseminars in Apolda nicht pünktlich zum 1. Februar in der Bretagne am Flughafen ankommen konnte. Als dann, mit großen Kommunikationsproblemen das Problem auch gelöst war, konnte es am 9. Februar endlich losgehen. Ich flog über London, und aufgrund eines heftigen Schneesturms am Vortag habe ich den einzigen Flieger des Tages nach Frankreich verpasst und musste eine Nacht in einem Hotel verbringen.
Das ging ja schon mal gut los, denn eigentlich war geplant das ich mich in London mit einer anderen Freiwilligen aus Deutschland treffe und wir gemeinsam hinfliegen wollten. Gott sei Dank wartete auch am nächsten Tag eine große Gruppe Leute auf mich in der Empfangshalle.
So habe ich nur eine kurze Nacht in meiner neuen Heimat, einem Atelier in einem kleinen Dorf direkt am Meer, verbracht und musste gleich am nächsten Tag mit 2 anderen neuen Freiwilligen nach Macôn fahren zum Einführungsseminar.

Wir verbrachten eine aufregende Woche in einem Hotel, und unterhielten uns nur auf Englisch, da keiner der Meinung war, er spräche schon Französisch. Nach der Heimkehr kam dann erst mal das Loch.
Uff. Hier sollte ich 7 Monate verbringen? In einem kleinen Dorf mit maximal 2000 Einwohnern, die nächstgrößere Stadt 30 km entfernt und der Sprache kaum mächtig? In der Schule hatte ich zwar 5 Jahre lang Französischunterricht, aber was die Menschen dort sprachen erinnerte mich eher an Spanisch als an Französisch.

Gott sei Dank war in dieser besagten Stadt die andere deutsche Freiwillige untergebracht und wir trafen uns regelmäßig. Meine Arbeit am Anfang bestand größtenteils darin Post wegzubringen und mich gut zu unterhalten, da meine Kollegen nichts so recht mit mir anzufangen wussten. Mittwochs arbeitete ich in einem Freizeitzentrum für Kinder, so eine Art Hort, da die Schulen mittwochs geschlossen haben. Samstag vormittags arbeitete ich dann mit den "préados" den Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren in einer Theaterwerkstatt und einer Gesangsgruppe. Nachmittags ging es runter an den Strand in den Jugendclub, wo wir kickerten und Ausflüge für den Sommer planten. Den Rest der Woche verbrachte ich in einem Büro wo wir die Ferien besprachen und uns Programme ausdachten.
In den Ferien nämlich kamen die Kinder jeden Tag und wir stellten Ausflüge und Treffen mit anderen Freizeitzentren auf die Beine. Ich machte nebenbei noch ein sog. Bafa Seminar, was mich befähigte mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Man wird sozusagen in 3 Wochen zum Animateur ausgebildet. In Frankreich gilt ein Bafa sogar mehr als ein Sozialpädagogikdiplom was man in Deutschland gemacht hat.
Als wir dann wie anangs wieder zu Dritt zu dem Midtermseminar fuhren wurde mir klar, wie schnell die Zeit verflogen ist. Am Anfang zog sie sich unendlich langsam dahin, da ich auch noch keinen kannte und mir sehr verloren vorkam. Doch wenn man anfängt etwas zu genießen verfließt die Zeit geradezu. So ging das weiter bis zu den Sommerferien. Das Wetter war meistens schlecht muss ich noch anmerken.

Die Sommerferien änderten alles. Wenn ich bis dahin dachte das es relativ ruhig zuginge, hatte ich mich gewaltig geirrt. Jeden Tag wollten Kinder betreut, beachtet und beschäftigt werden und das auch gleich doppelt so viele wie an den Mittwochen. So rannte man den ganzen Tag. Die Abende und Wochenenden schaffte ich es meisten gar nicht nach draußen sondern wollte nur noch schlafen. So ging das den Juli über. Natürlich war es schön. Im Nachhinein sehe ich die vielen schönen Sachen die wir gemacht haben und wie sehr ich das eigentlich genossen habe.

Im August war ich für die Minicamps zuständig. D. h. einwöchige Camps unter bestimmten Themen. Für die meisten Kinder war das das erste Mal allein von Zuhause weg und am Anfang auch sehr schwer. Doch schon am Abend war alles vergessen wenn wir um ein Lagerfeuer herumsaßen. So war ich mit 7 bis 11 Jährigen segeln und wandern, ein andermal mit einer reinen Mädchengruppe gleichen Alters eine Woche reiten. Wir schliefen direkt an den Weiden und holten morgens mit die Pferde ein. Ein letztes Camp ging ums Abenteuer und wir kletterten in Hochseinklettergärten und Felswänden umher, fuhren Quad, machten gruselige Nachtwanderungen und bauten Buden im Wald. Das ganz im strömenden Regen.

Dann waren auch schon die letzten Tage meines Aufenthaltes angebrochen und ich genoss noch einmal in vollen Zügen das Meer, die Möwen und den stetigen stürmischen Wind.

Nun sitze ich wieder hier in Deutschland und frage mich: was ist aus der Zeit geworden? Das waren doch niemals 7 Monate!

Anna-Maria