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Schlussbericht Linda

Linda - Belgie, Vlaanderen, Limburg

Um es den Leuten, die in Zukunft diesen Bericht lesen, etwas einfacher zu machen, werde ich meinen Rückblick in Untergruppen nach Themen ordnen.

Land:
Belgien ist ein vergessenes Land. Man weiß zwar, wo es liegt und vielleicht auch noch, dass es 3 offizielle Landessprachen hat und es viel mit der EU zu tun hat, aber ansonsten?! Keine typischen belgischen Sachen, keine übermäßig berühmten Menschen, im Krieg keine entscheidende Rolle. Schade eigentlich, dass viele lieber andere Länder als Urlaubsort wählen; sie wissen anscheinend nicht, was für ein unheimlich schönes, faszinierendes Land es ist. Zwar meistens flach, aber trotzdem zauberhaft. Das Gute hier ist, dass alles so dicht beieinander liegt. In Maximal 2,5 h hat man hier mit dem Zug jeden Teil von Belgien erreicht. Und besonders im Sommer gibt es pro Wochenende MIN 3 Festivals. Die Leute feiern hier so viel und alles mögliche, es gibt soooooo viel Kultur und man ist gerne zusammen. Ich würde hier JEDEM zumindestens einen Urlaub empfehlen!

Gastfamilie:
Da meine Aufnahmeorganisation AFS ist, lebte ich das letzte halbe Jahr bei einer Gastfamilie. Sie sind soooo toll. Schon alleine den Respekt, den ich ihnen gegenüber habe, um einen fremden Menschen ohne Kenntnisder Sprache für 6 Monate aufzunehmen. Sie haben mit mir Dinge unternommen, mir VIEL über belgische Gewohnheiten und ihre Kultur erklärt und bei Fragen/Problemen geholfen. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sehen, dass man sich nicht wie der letzte Arsch aufführt und kommt und geht wann man will. Ein bisschen Anpassungsfähigkeit gehört schon dazu, das fängt bei den Essenszeitengewohnheiten an. Aber mit einer Gastfamilie erlebt man wirklich die Kultur eines Landes, weil sie wie gesagt dort schon zumeist ihr ganzes Leben lang wohnen. UND man muss nicht selbst kochen :P (bleibt natürlich jedem selbst überlassen).

Arbeit:
Mein Projekt hieß "De Wroeter" und ist eine biologische Früchte und Gemüsefarm mit Langzeitarbeitslosen, Freiwillige, Menschen mit leichter psychischer Störung (Depression z.B.) und anderen Ländern. Es ist wie eine Art Auffangstation für Menschen, die im normalen Leben keinen Job finden/ ihn nicht behalten können. Jetzt klingt das natürlich so, dass die meisten strunzenhohl sind oder einfach nicht arbeiten wollen oder zu faul sind. In diesem Jahr habe ich so viel über Menschen gelernt, dass es einfach nicht möglich ist alles aufzuschreiben. Natürlich sind viele nicht die Hellsten und die meisten werden nie einen normalen Job bekommen, einfach weil sie dem Druck nicht standhalten können. Aber manche haben eine Geschichte, da zerreißt es dir das Herz. Auch wenn die meisten männlich, mittleren bis gereiften Alters sind und du dir viele Male wie ne Wichsvorlage vorkommst, habe ich sie alle lieb. Viele haben zumeist keinen Kontakt zu Frauen (außer Mutter und Schwester vielleicht) und wenn da so ein junges Ding angehüpft kommt und enthusiastisch lächelnd mit ihnen drei Worte wechselt, dann denken die sofort, ich will was von ihnen (so hat es mir mein Arbeitsplatzbegleiter erklärt). Muss auch lernen einen gewissen Abstand zu halten. Tägliche Gespräche über Sex, Anspielungen darauf und was ich doch für ein hübsches, junges Mädchen bin (und ich bin KEINE Schönheit...) ignoriere ich inzwischen weitgehend oder konter provokativ zurück. Männer eben...
Tja, ansonsten habe ich die meiste Zeit bei Wind und Wetter Unkraut gejätet oder bei der größten Hitze im Gewächshaus Gurkenpflanzen gedünnt oder viel geplanzt oder viel geerntet oder viel gewaschen. Die Aufgaben waren zu vielfältig um sie hier alle beschrieben zu können. Ich habe extra kein Projekt mit Kindern oder Behinderten genommen, weil ich etwas total anderes machen wollte. Etwas was ich wahrscheinlich NIE wieder tun werde, um diese Erfahrung zu machen und meinen Kopf frei zu kriegen und mein Leben mit etwas Abstand zu betrachten. Es hat geklappt. Während der ganzen Zeit habe ich mein Leben zweimal komplett Revue passieren lassen und über jede halbwegs wichtige Person in meinem Leben nachgedacht und habe viele schöne Erinnerungen wieder gefunden. Es tut gut, habe einige Dinge für mich selbst klargestellt. Irgendwann gab es dann aber auch nichts mehr zum Nachdenken und habe ein faszinierendes Stadium erreicht: Gehirnabschaltung. Habe mal in einer Zeitung gelesen, dass Männer ihr Gehirn abschalten können...also nix denken können... War für mich früher unvorstellbar, doch inzwischen habe auch ich dieses temporäre Stadium der Leere erreicht :D. Macht mich viell enthusiastischer, um endlich beginnen zu studieren. Ich will lernen! (sehr bizarrer Satz...)

Sprache:
Ich konnte kein Flämisch... "Ja" und "Nee" konnte ich sagen, aber das war es dann auch schon:P. Zum Glück haben wir von AFS einen zureichenden Sprachkurs erhalten, wodurch zumindestens die Grundlagen geschaffen worden. Das Problem bestand darin, dass ich mit Englisch und Deutsch auch so überall zurecht kam. Man will zwar Niederländisch lernen, aber wenn man in seinem Kopf dauernd in Englisch/Deutsch denkt, wird es einfach nix! Also, habe ich nach 2 Monaten beschlossen kein Englisch/Deutsch mehr zu reden. Erst in meiner Gastfamilie. Ich aheb einfach vom einen auf den anderen Tag gestoppt (habe ihnen das natürlich gesagt). Naja, am Anfang habe ich nicht mehr viel gesagt (war schon manchmal blöd nix sagen zu können, einfach weil man keine passenden Vokablen hat). Aber in diesem einen Monat habe ich so einen riesigen Schritt nach vorn gemacht, dass ich einfach nicht mehr Englisch/Deutsch sprechen musste! Empfehle jedem so früh als möglich keine andere Sprache außer die Landespsrache zu benutzen. Man muss sich dazu zwingen und manchmal verflucht man sich selber, weil man etwas sagen will und man kann einfach nicht, aber sprachlich gesehen geht es so viel schneller voran!

Freizeit:
Macht so viel wie möglich! Ihr werdet es selbst bereuen nicht zu tun, nur weil man nicht genug Geld hat. Scheißt aufs Geld! Man lebt nur einmal, ist nur einmal jung und würde einzigartige Erfahrungen verpassen. Diese Zeit ist zu wertvoll!

Live life live

Linda
Future Word Leader