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Schlussbericht Jessica

Der Anfang
Nach einigen Bewerbungen hatte ich eine Stelle im Ausland gefunden, doch der Beginn meines Auslandsdienstes lag noch in weiter Ferne - so dachte ich zumindest. Jedoch verging diese Ferne schnell, und schon hatte ich mich von meinen Freunden und meiner Familie verabschiedet und saß auch schon im Flugzeug nach Nordirland dem Weg zu meinem Projekt Greenhill YMCA, einem Outdoor Education Center im Osten Nordirlands. Von einem Outdoor Education Center hatte ich eine Vorstellung, da ich zuvor zweimal mit einer Jugendgruppe in zwei Outdoor Education Center Urlaub gemacht hatte. Zumindest wusste ich zu dem Zeitpunkt, dass ich mir ein Outdoor Education wie eine Jugendherberge mit verschiedenen Outdoor Aktivitäten wie Kanu fahren, Bogen schießen, Klettern usw. vorstellen musste. Durch ein paar Informationen, die mir schon zuvor geschickt wurden, hatte ich schon eine ungefähre Vorstellung von den Aktivitäten, die bei Greenhill angeboten werden. Doch es blieben eine menge Fragen: Wie sind die Menschen mit denen ich arbeiten und leben werde? Wie sieht das Haus aus in dem ich die nächste Zeit verbringen werde? Bin ich dem Beruf gewachsen? Und vor allem meine Bedenken, ob ich mit meinem Englisch zurecht komme, denn schließlich gehörte ich in der Schule immer zu denen, bei denen Englisch mit zum schlechtesten Fach gehörte und vor allem folgte ich dem Englischunterricht immer mit der Einstellung ‚mündliche Beteiligung muss ja nicht unbedingt sein'. Wie sollte gerade ich, die immer zu den Stillen gehörte nun auf einmal alleine im Stande sein mich in einer anderen Sprache zurecht zu finden und neue Leute kennen zu lernen. Diese Zweifel wuchsen im Flugzeug. Am Flughafen in Belfast angekommen, traf ich dann auf die Ersten, die mich auf der Fahrt nach Newcastle mit Fragen löcherten und ich nur die Hälfte verstand, mich mit dem Sprechen noch sehr schwer tat. Zuerst fuhren wir zum Center, wo ich einige der Freiwilligen und sonstige Mitarbeiter kennen lernte und die restlichen später in meinem zukünftigen Zuhause, dem staff house traf.

Das Haus
Als ich zum ersten Mal das Haus und mein Zimmer sah, wollte ich sofort wieder nach hause. Denn überall stand es vor Dreck und besonders die Küche war sehr unaufgeräumt. Eine menge Geschirr stand herum, eine menge Bierflaschen auf dem Küchentisch verbesserten meine Meinung auch nicht wirklich. Mein Zimmer sah ähnlich aus und bevor ich überhaupt einziehen konnte, musste ich erst mal sehr viel reinigen.
Aber nachdem man dann nach den ersten Monaten sich ein bisschen an den "Dreck" gewöhnt hatte, fing man an, dieses barackenähnliche Haus zu lieben. Denn die Größe, der Zustand und die Lage konnten auch sehr vom Vorteil genutzt werden. Zum einen hatte jeder sein eigenes Zimmer, da das Haus 14 Zimmer hatte, plus Fernsehzimmer, plus riesiger Küche, in der jeder seinen eigenen Essensschrank hatte, plus riesigem Ess- und Wohnzimmer mit Blick auf das Meer. Der nicht mehr allzu intakte Zustand des Hauses konnte für diverse Wasserschlachten und Partys vollkommen ausgenutzt werden, jedoch war es teilweise auch nicht mehr wohnlich durch Heizungsausfälle im Winter bis zu vier Wochen, tropfendes Wasser durch die Decke vom Badezimmer in die Küche und sonstige kleinere Mängel. Somit war für April 2007 ein Auszug geplant, der jedoch wegen der Reparatur einiger Mängel durch den Vermieter letztendlich doch nicht stattgefunden hat. Diese Reparaturen haben die Situation zwar verbessert, jedoch wurden die großen Schäden wie das durch die Decke tropfende Wasser nur teilweise beseitigt. Die Lage unseres "African Children´s Choir"-Haus konnte zudem überzeugen, denn es waren bis zum Center und zur City 10 min und zum nächsten Pub geschlagene 30 Sekunden war. Das Haus an sich war zwar nicht perfekt und luxuriös, aber es hat seinen Sinn vollkommen erfüllt und ich bin sehr froh in diesem Haus gelebt haben zu dürfen.

Das Center
Das Center liegt am Fuße der Mourne Mountains, dem größten Gebirge Nordirlands nahe der irischen See. Es besteht aus vier verschiedenen Gebäuden, dem Hauptgebäude, den Unterkünften für die Gruppen (genannt Chalets), einem Waschblock und einem zusätzlichen Büroblock.
Es kommen die unterschiedlichsten Gruppen und sie haben meist unterschiedliche Herkunft und der Zweck ihres Kommens ist von Gruppe zu Gruppe anders. Eine Grundschulklasse zum Beispiel, möchte hauptsächlich Spaß haben, etwas zu lernen ist zweitrangig. Kirchliche Gruppen sind auch nur zum Spaß da, halten in ihrer Freizeit jedoch Seminare über ihren Glauben und Gottesdienste ab. Manche Gruppen gehören zu einem längerfristigen Projekt zur Auflösung des Konflikts in Nordirland und möchten sich in ihrem ersten Wochenende erst besser kennen lernen. Doch aus welchem Grund sie auch kommen, alle Gruppen finden auf dem Gelände die gleichen Aktivitäten vor, die je nach ihren Wünschen bereitgestellt oder angepasst werden. Wie der ARW, eine Seilbahn bei der man von einem Baumhaus auf einen Drahtseil in einem Klettergurt runter saust, ein Hochseil- sowie ein Tiefseilgarten, Bogenschießen, Team Building und Orienteering. Des weiteren bietet Greenhill noch viele Aktivitäten außerhalb des Centers an, die alle zwischen 10 bis 15 Minuten mit dem Bus erreichbar sind.
Im Center arbeiten hauptsächlich Freiwillige, die sich um die Aktivitäten, dem Wohlergehen der Gruppen und anderen kleineren Dingen kümmern. Die einzigen Festangestellten im Center sind die Mitarbeiter im Management, die selbst vor Jahren als Freiwillige angefangen hatten und denen es die Arbeit so sehr gefiel, dass sie blieben - jedoch mit anderen Aufgaben.

Die Stadt
Die Stadt in der ich gelebt habe heißt Newcastle, das im Nordosten von Nordirland an der irischen See liegt. Newcastle kann man wohl eher als Kleinstadt und typischer Touristenort beschreiben. Während der Ort im Sommer beinahe zu bersten schien vor Touristen und man keinen Schritt machen konnte ohne auf ein Kind zu treten, ergab sich das genaue Gegenteil im Winter: Die Einwohnerzahl halbierte sich und die Straßen waren wie leer gefegt. Viele Geschäfte schließen oder sind nur sehr kurz geöffnet. Meistens wenn man gerade arbeiten muss. Man sollte wegen der schönen Lage Newcastles - angrenzend am Meer und den Mourne Mountains - eigentlich annehmen, dass der Grund fürs Erscheinen der vielen Touristen die Natur sei, aber da liegt man bei den meisten falsch. Denn wie es schien kamen die meisten Touristen wegen der mindestens vier vorhandenen Spielhallen und haufenweise Fast Food Restaurants, Cafes und Pubs. An diesen Sachen mangelte es zwar nicht, jedoch konnte Newcastle an Freizeitangeboten nicht viel mehr bieten. Anstatt ihr Fast Food wenigstens draußen im Park zu essen, zwängt sich der Großteil der Leute in ihre kochend heißen Autos. Doch schön romantisch im Park zu speisen hätte sowieso nicht geklappt, da die Stadtverwaltung an besonders vollen Tagen den Park kurzerzeit zum Parkplatz erklärte und so alles voll von Autos stand und nach jedem Wochenende eine Lawine Müll noch Zeuge war, was denn passierte. Zur Freude der Umwelt…

Die Menschen
Während meines Jahres in Nordirland habe ich viele Menschen kennen- und schätzen gelernt und habe Freunde fürs Leben gefunden. Dadurch, dass wir Freiwilligen alle in einem Haus wohnten, wuchsen wir in dieser Zeit wie eine große Familie zusammen, die zueinander hielt und sich gegenseitig unterstützte. Alle Freiwilligen waren im Alter von 18-25 Jahren und kamen aus ganz verschiedenen Teilen Europas, Amerikas und Australien. Im Allgemeinen wohl das richtige Alter, um die ganze Zeit Party zu machen. Andererseits hat man jedoch auch die Verantwortung gegenüber dem Center und den Gruppen und da man mit den gleichen Leuten feiert und arbeitet, benötigt man einen gewissen Grad des Erwachsenseins, damit man nicht seine Ziele aus den Augen verliert und faul wird und Greenhill dann nie verlässt. Ich habe das einige Male beobachtet während meines Jahres und zu lange dort zu bleiben ist wahrscheinlich nicht gut, doch für ein Jahr war es absolut perfekt. Die besondere Beziehung, die durch das Jahr geschaffen wurde, kann uns nie wieder genommen werden.

Fazit
Wenn ich nun auf die ganze Zeit zurückblicke kann ich sagen, dass die anfänglichen Bedenken eigentlich überflüssig waren. Klar hat es eine Weile gedauert bis man alles verstehen konnte und sich auch vor eine Gruppe Muttersprachler gestellt hat und ihnen die Aktivitäten erklärt hat, aber letztendlich kam ich mit meinem Englisch doch sehr gut klar. Eine Auslandserfahrung würde ich jedem empfehlen, da es einem die Möglichkeit gibt sich einer neuen schönen Herausforderung zu stellen. Natürlich war nicht alles toll und super schön und es gab auch Zeiten, in denen es mir nicht so gefallen hat, aber diese Zeiten vergisst man im allgemeinen Blick auf die ganze Zeit wieder ganz schnell, da die wirklich tollen Erfahrungen einfach überwiegen.
Zu allen, die noch einen Auslandsaufenthalt vor sich haben: Viel Glück und Spaß dabei und seit nicht überrascht wenn euch am Ende der Alltag in Deutschland langweilt ;)!