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Schlussbericht Sarah

Ich habīs so lange aufgeschoben wie ich konnte. Ich wollte diesen Bericht auf keinen Fall schreiben, weil ich mein Jahr damit entgülltig abschließe. Jetzt wird ich alles noch mal durchgehen, darüber nachdenken und es verarbeiten. Ich wollte nicht das es vorbei ist, Wie man vielleicht schon hört war mein Jahr genial, super und ich würde es sofort noch mal machen. Es hat mir soviel gebracht, ich hab soviel gelernt und fast all meine Erwartungen haben sich erfüllt. Ich muss grad über mich selbst lachen, denn jetzt am Ende bin ich so euphorisch, dabei war es am Anfang schon schwer. Doch noch schwerer ist es jetzt.

Aber vielleicht sollte ich erstmal schreiben, wo ich war und was ich gemacht hab. Mein Projekt war in einem Jugendzentrum in Jönköping Südschweden. Der Jugendclub war nachmittags (zwei- fünf Uhr) nur für Kinder von zehn bis zwölf geöffnet. Ab sechs Uhr dann für alle jugendlichen bis etwa 19 Jahren. Außerdem gab es am Nachmittag noch eine Gruppe mit Behinderten( 14-19 Jahre). Dort konnten die die dann x-Box, Computer, Fußball, Billiarde, Tischtennis oder so spielen. Für die zehn bis 12 jährigen gabīs um 3 Uhr auch noch für 5 Kronen (50 Cent) eine Zwischenmahlzeit. Am Anfang war das meine Lieblingsbeschäftigung, ich konnte kein schwedisch die Kinder konnten sich seht gut allein beschäftigen, oder sie wollten mit jemandem reden. Beim Essen machen konnte ich wenigstens nichts falsch machen und hatte etwas zu tun. Jeden zweiten Donnerstag haben wir außerdem eine Ausflug gemacht. meistens etwas typisch Schwedisches (fischen, Pilze sammeln, Krabben fischen, oder schwimmen und Sauna). Jaaaa, SAUNA ich liebe es, am besten jeden Tag wenn es kalt ist am Anfang hab ich es sooooo gehasst. Es ist warm, man kann fast nicht atmen und das erste Mal hab ich auch keine 5 Minuten ausgehalten. Außerdem bestand mein erster Arbeitstag darin, dass ich mit all meinen weiblichen Arbeitskollegen in die Sauna gegangen bin. Das war mehr als seltsam, obwohl ich später auch das geliebt hab. In Schweden ist in der Beziehung eh alles anders. Selbst das Studentenwohnheim, in dem ich gewohnt habe, hatte eine Sauna. Die Sauna ist der Soziale Ort und man muss es einfach mal gemacht haben. Es ist sehr anders, als hier in Deutschland.
OK, weiter im Text. Montags wurde meistens gebacken. Auch etwas was ich gut kann und liebe. Mein Lieblingsgebäck und das was auch oft für Ausflüge Gebacken haben und welches zu den bekanntesten schwedischen Delikatessen gehört, sind Kanelbullar (Zimtwecken). Die Leibspeise aller Schweden. Und Picknick Gebäck aller Astrid Lindgren Geschichten.

Kanelbullar:
75g smör
2dl mjölk
25g jäst
ž tsk salt
― dl socker
1 ägg
9 dl vetemjöl
1tsk Kardamumn
75g Butter
100ml Milch
25g Hefe
ž Tl Salz
45g Zucker
1 Ei
ca. 500g Mehl
1 TL Kardamom
Milch und Butter auf etwa 37 grad erhitzen. Dann alles zu einem weichen , glatten Teig verkneten. Aufgehen lassen. Dann den Teig ausrollen mit weicher Butter verstreichen mit Zimt und Zucker bestreuen und aufrollen.
(Eier, Hagelzucker, Butter, Zucker, Zimt)

 
2 Zentimeter dicke Scheiben abschneiden mit Ei bestreichen und Hagelzucker darauf streuen. Nochmals aufgehen lassen und dann, bei 200Grad, Zehn Minuten backen.
Mit Kaffe essen und schon hat man eine typische schwedische Ficka (Kaffeepause). Ficka ist typisch schwedisch und wird ständig und überall und zu jeder Zeit veranstaltet. Ständig Kaffe und das für mich als erklärter nicht Kaffe Trinker.

Land und Leute

Am Anfang hab ich geglaubt, dass deutsche und Schweden nicht so verschieden sind. Doch je mehr ich sie kennen gelernt habe, desto mehr hab ich festgestellt, dass ihre Traditionen und Lebensweisen ganz anders sind. Spätestens als ich am 30. April (Walpurgisnacht) um ein Hexenfeuer gehopst bin. Ich war auch schon früher einmal in Schweden gewesen, doch mein Wunsch war es wirklich schwedische Lebenskultur kennen zu lernen. Alle meine Kindheitsträume aus Astrid Lindgren haben sich bewahrheitet. Ich bin mir so vielen Vorstellungen und Bildern nach Schweden gefahren, nicht so sehr an meine Arbeit, aber an Land und Leute, doch das Bild hat sich bestätigt. Besonders während der schwedischen Sommerferien, in denen ich nicht in meinem Jugendclub gearbeitet, sondern in Feriencamps außerhalb Jönköpings (für die Schweden eine echte Großstadt) gearbeitet habe, hab ich immer wieder an meine Kinderbücher denken müssen. Im Jugendclub hatte ich vorwiegend mit Immigranten zu tun, doch die Meisten von ihnen kannten die schwedischen Traditionen auch nicht so gut und es war toll, sie mit ihnen zusammen zu erforschen. Doch viel besser war es, sie sich sozusagen von echten Experten zeigen zu lassen.
Nackte Beine sobald die Sonne schien, auch wenn es nur 15 grad waren (wie den meisten Teil meines Sommers), Barfuss durch Wiese und Wald (Und sich Unmengen von Zecken einfangen), von der Sauna direkt in den eiskalten See springen, unendlich lang im strömenden Regen auf einem Paddelboot zu sitzen und zu fischen (natürlich nichts gefangen) und wenn jemand dann doch Angler Glück hatte, den Fisch dann natürlich auch zu essen. Ich weiß selber nicht wieso ich fischen so faszinierend fand (ich hab auch mal was gefangen) hier in Deutschland hielt ich es für ziemlich langweilig. Aber ich denke durch diese wunderschöne Landschaft und das es fast jeder mach und am Wochenende fischen fährt macht es für mich zu etwas echt schwedischem und dadurch wundervollem. Außerdem kann ich mir hier gar nicht vorstellen, das zehn jährige Kinder, zwei Stunden leise und still sitzen können und quasi nichts machen.
Außerdem gibt es für Schweden kein schlechtes oder kaltes Wetter. Sobald die Sonne schien und es konnte echt eiskalt draußen sein haben die Schweden ihre T-Shirts ausgezogen und sich in die Parks gelegt und gesonnt. Ich hab mich natürlich angepasst und hab auch ständig kurze Hosen und T-Shirts getragen. Man gewöhnt sich an alles. Zum Beispiel war es in den Sommerfreizeiten so, dass obwohl die Außentemperaturen teilweise nur bei 10 grad lagen die Kinder schwimmen gehen durften (naja, das Wasser war nicht ganz so kalt). Ich bin mir sicher hier hätte man das nicht erlaubt, aber in Schweden wurden die Kinder einfach nur in Neoprenanzüge gesteckt und dann ab ins Wasser. Ich hab trotzdem gefroren wie blöd.

Vielleicht merkt man, dass ich mich voll und ganz in Land und Leute verliebt hab. Aber es gibt auch Dinge die mir besonders zu beginn Probleme bereitet haben. Es stimmt nämlich, dass die meisten Schweden so sind, wie ihr Land. Ruhig, Leise, Kalt und sehr zurückhalten. So waren alle meine Kollegen bis auf Jenny(meine Tutorin), sehr leise und zurückhalten. Wenn ich sie etwas gefragt habe, hab ich zwar eine Antwort bekommen, doch auch nie mehr. Meistens mit so einem kleinen stillen Lächeln. Sehr höfflich. Sie brauchen Zeit. Mit einem meiner Kollegen hab ich den ersten Monat überhaupt nicht geredet. Oder er nicht mit mir. Ich hatte schon gedacht, er hat wirklich etwas gegen mich., doch irgendwie fingen wir an uns zu Verstehen und dann war entgülltig alle Zurückhaltung gebrochen.
Diese Zurückhaltung, schlimmer noch als in Deutschland hab ich bei fast allen Schweden festgestellt. Ich hab es zuerst immer mit sehr offen sein und drauf-zu-gehen versucht, doch ich hab für mich festgestellt die bessere Taktik ist Zurückhaltung. Auch auf meiner Arbeit hatte ich am Anfang ein sehr großes Problem. Langeweile. Durch eine Vorschrift ist es nämlich so, dass immer zwei Erzieher anwesend sein müssen, sowohl für die nicht behinderte Gruppe als auch für die anderen Kinder. Außerdem haben einige der Behinderten, persönliche Betreuer, sodass es kam das wir manchmal acht erwachsene auf manchmal weniger Kinder waren und keiner wusste was er machen sollte. Am Anfang konnte ich außerdem eigene Ideen nicht allein umsetzen, weil meine sprachlichen Fähigkeiten dazu nicht ausgereicht haben. Total frustrierend. Außerdem war es so, dass die Kinder meist keine Lust hatten gemeinschaftliche Aktivitäten (Fußballturnier, cub-spielen, Brennball). Sie wollten lieber ihre Zeit am PC oder Playstation verbringen und saßen dann alle davor. Besonders bei schönem Wetter fand ich das so schade. Wir haben darüber oft geredet, dass die Kinder wieder mehr zusammen machen müssen, und am Ende meiner Zeit haben wir eingeführt, dass immer an einem Tag der Woche sportliche Aktivitäten/ Gruppenspiele veranstaltet werden.
Deshalb hab ich auch so gern mit den Behinderten gearbeitet. Sie machen es einem so viel einfacher, sind von jeder Idee begeistert und zu allem bereit. Am Anfang war ich ja auch sozusagen behindert, durch meine sprachliche Unfähigkeit. Dadurch war ich einige male Überfordert, wenn es zu brenzligen Situationen kam ( Nancy schmeißt fröhlich und sehr gut gelaunt Billiard Kugeln nach mir, das ist eine Erfahrung die man unbedingt in seiner ersten Woche machen sollte). Aber es waren ja immer mehr als genug da.
Mein Jugendclub war außerdem in einem " Sozialen Brennpunkt" (vorwiegend Immigranten). Ich fand es sehr interessant zu sehen was Schweden unter sozialem Brennpunkt verstehen. Alle waren sehr gut integriert, haben perfekt schwedisch gesprochen und es gab keine besonderen Gruppenbildungen. Außer einigen wenigen Ausreißern die Ärger gemacht haben (einmal wurden Fahrradreifen zerstochen und kleine Prügeleien), kam es mir fast wie eine heile Welt vor. Das sozial System in Schweden ist sehr gut, schon allein diese Jugendzentren (ich hab mehrere besucht), sind ein Traum für deutsche Verhältnisse. Naja, die Schweden stecken auch mehr Geld in Bildung und Jugend und es gibt nicht so viele von ihnen.
Ein anderes großes Problem ist der Alkohol. Es wird viel getan um grade Jugendlichen von Alkohol-Exzessen abzuhalten. Was nicht wirklich funktioniert. Womit ich zu meiner Freizeit komme.

Mein Leben, meine Freizeit

Mein Zimmer, war eine WG im Studentenwohnheim, der internationalen Uni in Jönköping. Ich hatte zwei Mitbewohnerinnen (Finnland, Russland), die ich zwar in den ersten zwei Wochen kein Mal getroffen habe, aber dafür alle anderen Studenten. Ich bin froh mit ihnen gelebt zu haben, es hat es einfach gemacht Freunde zu finden. Allerdings find ich es ein bisschen schade, dass meine besten Freunde nicht aus Schweden kamen. Außer im besoffenen Zustand ist es auch schwer an sie ran zu kommen. Trotzdem hab ich es irgendwann geschafft auch mit ein paar Schweden in Kontakt zu kommen (außerhalb meiner Arbeit). Jönköping ist zum Glück groß. Man hat sowohl die Möglichkeit aus zu gehen, als auch echte schwedische Elch Natur zu erleben. Außerdem bin ich oft schwimmen und Fahrrad fahren gewesen, die Natur in Schweden ist so wahnsinnig schön. Außerdem finde ich sollte man sich das Land auch ganz genau anschaue wenn man schon mal da ist. Ich hab mehrere Reisen mit den anderen Studenten unternommen. Öland, eine wunderschöne Insel vor Kalmar, Stockholm, das Venedig Schwedens, aber das beste was ich überhaupt in Schweden gemacht hab war mir ein Scanrail-Ticket zu kaufen und durch ganz Skandinavien zu fahren.

Scan-Rail_Reise

Ich hab es im Sommer gemacht, man kann Zelten und es wird nicht zu teuer. Mein Traum war es schon immer ganz in den Norden zu fahren. Also hab ich mich einfach aufgemacht. Es war genial, ich hab die Midsommernachtssonne gesehen, Rentiere, andere Volontäre besucht und mit echten, eingefleischten Schweden aus drei Häuser Dörfern im Norden geredet. Das war wirklich das Beste, dass man sein schwedisch endlich anwenden kann, damit außerdem noch die Sympathien der Schweden holt, die besonders im Sommer von deutschen Touristen überrannt werden. Ich hab die Fjorde gesehen und eigentlich hätte ich danach genug Schweden für Jahre haben müssen. Hatte ich aber nicht. Ich hatte zuerst auch Schiss ganz allein zu fahren, da ich keinen gefunden hatte der zu meinen Ferien auch Ferien hatte. Aber es gab so viele Touristen und Jugendliche, die auch ein Scan-Rail Ticket hatten und auch Unterwegs waren. Ich hab so schnell Leute gefunden mit denen ich dann gemeinsam weiter gezogen bin. Und ich wird es bestimmt irgendwann noch einmal machen. Dann allerdings mit Freunden um diese Erfahrungen zu teilen.

Die Zukunft und das Ende

Ich glaube (andere auch), dass ich mich sehr verändert habe. Man lernt viel und man nimmt auch viele Erfahrungen mit. Ich weiß jetzt, dass ich auf jeden Fall später auch mit Kindern arbeiten möchte und ihnen am besten noch Naturerfahrungen vermitteln möchte. Ich hab mich erstmal entschlossen Pädagogik zu studieren (Vorher wollte ich Biologie studieren, doch ich hab festgestellt, das mir da die soziale Komponente fehlen würde). Ich würde auch gern ein oder zwei Semester ins Ausland gehen. Mein Blick auf Deutschland und die EU und überhaupt andere Länder hat sich verändert, auch durch meine internationalen Freunde und das Leben mit ihnen zusammen.
Ich bin auch froh, dass ich das Jahr gemacht habe bevor ich angefangen habe zu studieren, denn ich hätte das falsche studiert, ohne es vielleicht so schnell zu merken. Es gibt noch ganz viel zu sagen und zu erzählen, aber das ist das

ENDE

Sarah