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Schlussbericht Thomas

1. Die Aufnahmeorganisation:
Meinen EFS habe ich bei einer NGO (Non Governmental Organisation) die "Red Deporte y Cooperacion" heisst geleistet, die sich auf bessere Integration von Kindern, Jugendlichen in die Gesellschaft durch Sport und Medien spezialisiert. Durch diverse Projekte in speziell afrikanischen Entwicklungsländern wird versucht eine sportliche Infrastruktur zu erbauen um mit einem niedrigerem Lebensstandard benachteiligten Kindern Sportaktivitäten zu ermöglichen und gleichzeitig Werte wie Fair Play, Frieden, Freude und Zusammenhalt zu vermitteln. Oftmals sind die Bedingungen für sportliche Aktivitäten miserabel und unzumutbar, deswegen werden in den Projekten der NGO neue Anlagen gebaut und alte erneuert. Größtenteils ist Fussball die Orientierungssportart für den Bau solcher Anlagen. Es wirken immer Sport und Erziehung zusammen in den Projekten.

2. Der Tutor und das ganze Arbeitsteam / Meine Arbeitsbereiche und Tätigkeiten
Mein Tutor war gleichzeitig mein Chef, was auch nicht immer der Fall ist , manchmal gibt es seperate Personen.
Jedenfalls haben wir von Anfang an permanent ein sehr freundschaftliches Verhältniss zueinander gehabt, da wir ja auch schliesslich am Telefon die ganzen Antragsstellungen und Planungen für meinen Aufenthalt nach zahlreichen Absprachen zusammen erledigt haben.
Während der 6 Monate haben wir sehr viel miteinander gelacht und auch ab und zu außerarbeitlich Zeit verbracht. Beispielsweise konnte ich durch ihn jeden Samstag mit vielen Lateinamerikanern Fussball spielen. Hinzu kommt dass wir auch zusammen einige Pick-Nicks veranstaltet haben , meistens um einen Freiwilligen zu verabschieden oder um einen Geburtstag zu feiern..
Das Arbeitsteam bestand aus den zwei Gründern der NGO und ein paar spanischen Freiwilligen die schon mehrere Jahre für diese tätig sind. Zusätzlich hatte ich das Glück durchgehend mit einer Freiwilligen aus Portugal und mehreren amerikanischen Freiwilligen, die für kürzere Zeiträume da waren zusammenzuarbeiten.
Das war aüßerst hilfreich und vorteilhaft, da wir viel miteinander unternommen haben und es die ersten Freundschaften waren die zu Stande gekommen sind. Es herrschte überwiegend ein sehr positives Arbeitsklima begleitet durch eine familiäre Atmosphäre.

3. Meine Arbeitsbereiche und Tätigkeiten
Der Sitz der Organisation war ziemlich zentral in Madrid auf der 4 Etage in einem Blockhaus. Insgesamt hatten wir sehr vielseitige Funktionen und Aufgaben. Zu Beginn haben wir in einer Ausstellung geabreitet der NGO die "Futbol en Afrika" heisst. Dort haben wir Schulklassen verschiedener Altersklassen ( 6 bis 13 J) begleitet und ihnen die Lebensumstände in Afrika näher gebracht und geschildert wie und warum unsere NGO dort Projekte hat. Die Ausstellung besteht aus zahlreichen Gegenständen die mit Fussball verbunden sind, wie Trikots, Bälle, Figuren, Bilder, Postern , Magazinen....!!!
Des Weiteren haben wir dann verschiedene Spielaktivitäten mit den Kindern durchgeführt. Zum Beispiel eine Geschichte vorgelesen, ein Lied singen, Werte erraten, Gesichter bemalen, afrikanische Länder zuordnen auf der Landkarte. Auf diese Weise habe ich die ersten 2 Wochen mit der portugisischen Freiwilligen die Arbeit verbracht.
Davon abgesehen gab es im Bürobereich auch noch ganz andere Aufgaben wie Statistiken kopieren, Internet research, Kopien von Unterlagen machen. Dann hab ich oftmals Dokumente zu anderen NGO`s oder Partnerorganisationen persönlich abgeliefert, sodass ich die Gelegenheit hatte auch Madrid gut auf diese Weise kennenzulernen. Zahlungen bei der Bank musste ich auch das ein oder andere mal vornehmen. Als wir neue IKEA möbel für das Büro bekommen haben, hab ich mit Bryan (USA) alles aufgebaut und danach ordentlich geputzt.
Einmal ist auch ein lokaler Fernsehsender vorbeigekommen und hat unsere Gründer zu den Absichten und Plänen der NGO befragt. Bei dieser Gelegenheit durfte ich als Voluntär aus einem anderen Land auch ein Interview geben.
Um alles mal abzurunden hatten wir unsere Ausstellung auf mehreren Großveranstaltungen um von der NGO zu erzählen und dessen Philosophie zu repräsentieren. Alles in Allem hatte ich sehr unterschiedliche Arbeitsaufgaben die meinen Horizont stark erweitert haben und zudem Spass machten.

4. Meine Unterkunft
Mein Tutor hat für die Freiwillige aus Portugal und mich eine Wohnungsmöglichkeit bevor ich in Spanien war gesucht und auch gefunden. Insofern habe ich es ihm in vollstem Vertrauen überlassen da er sich in Madrid auch bestens auskennt. Nach zahlreichen Wohnungsbesichtigungen hat er 2 Zimmer in eine Art WG gefunden.
Andreia(Portugal) habe ich dann dass größere Zimmer überlassen und ich selber hab das kleinere genommen. Es war ein echter Schock, ich hatte ungefähr 7 qm für mich alleine. Im Grunde ein Bett , ein kleiner Tisch und ein Schrank. Die Wohnung hatte insgesamt 2 badezimmer, eine große Küche und ein Wohnzimmer und befand sich im 5. Stock. Und der Preis war sehr teuer, 350 Euro für jedes Zimmer monatlich. Aber im Zentrum Madrids ist das der Standardpreis. Die Lage war auf der anderen Seite optimal da zu Fuß das Büro nur 10 Minuten entfernt war. Genauso wie der Metroeingang, ein Park und das Großstadtleben unmittelbar in der Nähe waren. Auf der anderen Seite mussten wir an anderen Stellen ein bisschen sparen weil von den 665 Euro die von der EU für den Freiwilligen in Madrid vorgesehen sind so ein großer Teil auf die Miete schon draufgeht. Neben ( Spanischkurs, Taschengeld, Metropass, Ernährung).
Der Vermieter und unsere Mitbewohner waren auch reine Phänomene.
- Eine Grundschullehrerin (28) sehr freundlich , hilfsbereit und lustig,
- Ein Buchschreiber und Historiker und Hobbypsychologe, ein gnadenloser Individualist der früher pornographische Filme gedreht hat und Sex und Politik zu seinen Leidenschaften gemacht hat.
- Ein Peruaner (40) der mal früher auf der Strasse gelebt hat und 1 Monat mit den gleichen Klamotten rumlaufen konnte.
- Ein sehr introvertierter Alter Mann (70) der sehr abweisend und ängstlich war und schliesslich auch im Krankenhaus gelandet ist obwohl wir mit ihm zum Schluss interessante Gespräche hatten.
- Und natürlich die 2 sozialen Freiwilligen, wir aus Deutschland und Portugal die sich friedlich integriert haben.
Es kam schon zu einigen Konflikten im Hause die immer gelöst wurden, aber die interessanten Diskussionen mit spannenden Themen und brisanten Meinungsverschiedenheiten waren einzigartig und unvergesslich. Wir haben sehr viel miteinander gelacht und gleichzeitig war es eine Schule fürs Leben.

Meine portugisische Freundin ist dann auch umgezogen weil sie auf den Lebensstil des nach 3 Monaten unseres Aufenthalt neu eingezogenen Peruaner nicht klarkam. Da er sich nicht gewaschen hat, die gleichen Klamotten wochenlang getragen hat und daraufhin aus seinem Zimmer ein fürchterlicher Gestank duftete, ist sie in eine andere Wohnung umgezogen. Hinzu kam dass er in der Küche nach dem Essen meistens nicht richtig weggeräumt hat und somit Flecken verursachte.
Ich habe das ganze mehr als Herausforderung gesehen mit diesem Mann fertig zu werden. da er ja charakterlich sehr sympathisch war. Man musste ihm nur ein paar Hygienegewohnheiten beibringen was überhaupt nicht leicht war. Es konnte ja nicht angehen dass einer alle verjagt, und die Anderen haben auch eine große Antipathie entwickelt die sich durch Ignoranz und Wut ihm gegenüber äußerte. Für mich war es einfach ein Abenteuer und eine große Selbstherausforderung mit diesen Leuten trotzdem so gut es geht mit Freude zu bestehen.

5. Die Anpassung an einen neuen und kuriosen Alltag am Beispiel spanischer Gewohnheiten
Ein neues Land bedeutet, neue Sitten ,fremde Gewohnheiten und Traditionen und absolut ungewohnte Situationen. Es gibt ja so einige Stereotypen bezüglich der spanischen Lebensweise wie zum Beispiel viel Siesta und viel Fiesta. Alles in allem ist Madrid schon sehr repräsentativ. Hier mal ein paar spanische Gewohnheiten die allgemein sind, jedoch auf viele zutreffen.
- Die Spanier lieben Menschenmassen und extrem nahen Körperkontakt was sich bei Feierlichkeiten auf der Strasse deutlich bemerkbar macht. Ein kleiner Rempler beim vorbeigehen wird nicht als frech betrachtet und wird absolut nicht beachtet
- Beim Einparken wird auf die anderen Autos meist keine Rücksicht genommen wie in Deutschland, mindestens eine Beule oder einen Kratzer hat jedes Auto. Ein Stoss vorne und hinten, man parkt mit den Ohren
- wenn Spanier reden hört es sich manchmal so an als ob sie schreien würden für einen Ausländer wobei es eigentlich ein friedliches Gespräch ist
- Bei der Begrüßung einer Frau ist ein Kuss links und rechts auf die Wange normal, auch bei Personen die man noch nicht kennt
- Der Lieblingssatz der Spanier ist " No pasa nada " was nichts anderes bedeutet als "das macht nichts"!! Es ist ein Satz der Aufgaben verschieben lässt und die positiven Seiten des Lebens hervorhebt.
- " No te preocupes" (mach die keine Sorgen) gehört definitiv auch noch dazu
- Man darf grundsätzlich in Kneipen und Bars den Müll auf den Boden schmeißen oder unter die Theke. Manchmal lassen die Barbesitzer den Müll extra liegen damit die Leute es am nächstem morgen sehen und wissen welche Kneipe gut ist.

Hier mal ein Beispielerlebnis:
Bei meiner ersten Diskoerfahrung in Madrid musste ich ungefähr auf 20 cm tanzen und den brennenden Zigaretten ausweichen, da war schon Körperkoordination gefragt. Man hat einfach permanenten Körperkontakt zu Anderen, die Masse hat mich praktisch bewegt. Natürlich ist es demzufolge sehr wichtig viel Anpassungsfähigkeit und Flexibilität mitzubringen. Und wer offen für Neues ist, wird sowieso keine Probleme haben da es ja auch ein lustiger und spannender Lebensstil ist.
Ein anderes Mal mussten einer meiner Chefs, ein amerikanischer Freiwilliger und ich in einem kleinem Reno "Clio" 5 Computer mit 19 Zoll Monitoren transporieren sodass wir zu zweit auf dem Beifahrersitz während der Fahrt sitzen mussten weil die Karre voll war. Der Fahrer konnte gar nicht richtig schalten weil zwei 1,90 cm große Jungs auf dem Beifahrersitz waren, aber Hey NO PASA NADA. Kleine Abenteuer gibt's immer wieder.

6. Meine Erkenntnisse und mein Fazit nach dem EFD
Der EFD ist in meinen Augen eine sehr wertvolle und positive Erfahrung die positive Qualitäten einer Persönlichkeit entwickelt und verstärkt. Es ist ein Abenteuer bei dem man die Welt und sich selbst erkundet, besser kennenlernt und versteht. Man lernt Dinge die für das spätere Leben sehr nützlich sind und einfach von großer Bedeutung. Wie zum Beispiel Selbstständigkeit, zwischenmenschliche Offenheit, Anpassungsfähigkeit, Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein, Freundlichkeit, Toleranz......
Manchmal will man die ganze Welt verbessern wenn man als Freiwilliger ins Ausland geht, es sind aber viel mehr die kleinen Dinge die man verändert und bewirkt. Es ergeben sich Freundschaften fürs Leben, Glücksmomente die man nie vergisst, Leistungen auf die man stolz sein kann und einfach das schöne Gefühl etwas Gutes für diese Welt gemacht zu haben.
Bei mir hat diese Erfahrung meine Absicht mich sozial in der Welt zu engagieren nur verstärkt und dazu beigetragen dass ich noch mehr Lebensfreude in mir trage.
Ich bin richtig dankbar für die Zeit in Madrid und kann jedem nur einen EFD empfehlen weil es die Persönlichkeit sehr gut fördert und entfaltet, da man zahlreichen Herausforderungen gestellt wird und diese bewältigen muss und somit über sich hinauswächst.

Also...

Volunteers for life!! Brothers and Sisters!!

We make the DIFFERENCE!!

Chilling and smiling.......enjoy life.....!!!

Thomas