zurück zur Übersicht Entsendungen
Zwischenbericht Christoph

Ich arbeite für Depaul Trust in Bradford in einem Hostel, mit Namen ALDO House, für obdachlose, junge Menschen. Die Depaul Trust ist eine gemeinnützige, kirchliche Organisation die in Irland, Nordirland, England, der Ukraine und Slowenien Hostels für die eben genannte Zielgruppe betreibt. Diese variieren dabei stark in ihrem Supportlevel. Ich arbeite in einem high Support Hostel, was bedeutet dass in unserem Projekt rund um die Uhr 2 Mitarbeiter ansprechbar sind, ab 22 Uhr nur noch ein Nachtarbeiter, da der eigentliche Projektarbeiter in einem der Räume übernachtet, aber bei Notfällen immer dazu gerufen werden kann.
Auch während der Feiertage und der Wochenenden sind stets zwei Projektarbeiter ansprechbar, ob dass nun zwei Projektarbeiter, ein Projektarbeiter und ein Volontär oder ein Nacharbeiter und ein Projektarbeiter sind.

Wir arbeiten mit Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren zusammen, von denen 7 in ALDO House ein zu Hause finden können. Das generelle Ziel dieser Arbeit soll sein, dass diese jungen Menschen, 1. ein zu Hause für zwischen 6 Monaten und 2 Jahren finden, 2. sie ihre generellen Fähigkeiten für das weitere Leben verbessern (Hygiene, Kochen, ein geregelter Tagesablauf, Sport etc.) und sie dann 3. bereit sind für eine eigene Wohnung und ein selbstständiges Leben.
Hört sich doch alles prima an oder? Ja das habe ich mir auch gedacht und trotz zahlreicher Fragen im Voraus von mir und René konnte ich keinen Haken an der Sache finden, nicht einmal als ich mit einer der Ex-Volontäre (eine Deutsche) Kontakt aufnahm. Wie sich herausstellte sollte dies nicht unbedingt die volle Wahrheit sein.

Von der Unterbringung ist so und so nie die Rede und wenn man fragt wird es als eine Wohnung in einem Haus beschrieben, was so gut wie alles sein kann. Ich und die 3 anderen Volontäre unserer Organisation leben in Douglas Towers, ein 14 geschossiges Hochhaus, bestehend aus mehreren Sozialwohnungen. Die Nachbarn sind, nun sagen wir mal gewöhnungsbedürftig und bestehen aus einer Mischung aus Rentnern, einer großen Menge an Arbeitslosen Familien, Drogendealern usw. Brände und Einsätze der Feuerwehr sind in diesem Haus keine Seltenheit, da die Bewohner im Umgang mit dem Feuer ungefähr so versiert sind wie der Neandertaler.
Die Wohnungen selbst, wie soll ich sagen, sind so eine Mischung aus russischer Gemütlichkeit gemischt mit 70er Jahre Flair. Aber man kann sich einrichten. Ich wohne hier mit meiner Mitbewohnerin Severine einer reizenden Französin. Zumindest bekamen wir die Erlaubnis unser Wohnzimmer neu zu streichen, was schon sehr zu unserem Wohlbefinden beigetragen hat. Alles andere neu zu dekorieren wurde uns strikt verboten mit der Begründung da wäre keine Notwendigkeit, da dass ja die alten Volontäre erst vor 3 Jahren gemacht hätten und wir hätten die Wohnung mal damals sehen sollen. Die Küchenausstattung ist etwas gewöhnungsbedürftig, wir haben einen Toaster und eine Mikrowelle, Dinge auf die ich gut und gerne verzichten könnte, aber nicht mal Backformen für einen Kuchen oder Quiche geschweige denn einen Mixer oder zumindest ein Handrührgerät. Backformen haben wir dann erstanden, einen Pürierstab, um den wir nicht mal gebeten hatten bekamen wir nach sechs Monaten.
Meine Wohnung befindet sich im 12. Stock, die der anderen beiden Volontäre im 10. In unserer Wohnung befinden sich der Fernseher und das Telefon in der anderen die Waschmaschine und der Tiefkühlschrank. Wäsche wird bei uns in der Wohnung getrocknet, wir haben einen winzigen Wäscheständer pro Wohnung, bis uns auf mein Drängen hin endlich die Anschaffung eines zweiten pro Wohnung gewährt wurde. Internet gibt es in der Bibliothek die 10 Minuten von unserer Wohnung entfernt liegt, im Projekt selbst ist es uns verboten das Internet für private Zwecke zu benutzen.
Alles in allem könnte man aus der Wohnung was machen, wenn man 1. die Erlaubnis hätte oder 2. wenigstens die kaputten Fenster, die sich entweder nicht öffnen lassen oder nicht richtig schließen, repariert würden. Ich hab schon schlimmer gewohnt und man gewohnt sich an alles wenn man muss.

Kommen wir zum Projekt.
In der Projektbeschreibung hört sich ja alles sehr gut und schön an und man bekommt den Eindruck, dass man mit vielen verschiedenen Dingen beschäftigt sein wird z.B. Büroarbeit, Aktivitäten zu organisieren (Kochen, Gartenarbeit, Theater, Schwimmen, Kultur etc.), unsere Residents zu ihren Terminen begleiten, ihnen beim Einkaufen helfen und sie zu beratschlagen was am gesündesten für sie wäre, das Keyworking (eine Art wöchentliche Zusammenkunft zwischen unseren Residents und ihrem jeweiligen Keyworker, der einer der Projektarbeiter ist, in dem der Budgetplan der nächsten Woche und andere wichtige Dinge besprochen werden) zu unterstützen, sowie ein aus der Liste zu wählendes Zweitprojekt zu finden. Diese Liste enthält fünf andere Projekte.
Wie gesagt die Projektbeschreibung sieht gut aus und scheint auch sehr verschieden in den Aufgabenbereichen zu sein, die mir offen stehen. Wir arbeiten 3 Tage in ALDO House und 2 Tage in einem anderen Projekt.
Fangen wir also von vorne an. Die Büroarbeit beschränkt sich im wesentlichen darauf, sich wenn man kommt ins Daybook einzuschreiben um nachzuweisen, dass man pünktlich da war, das Telefon zu beantworten, was sich als sinnlos herausstellt, da alle Anrufer sowieso mit einem Projektarbeiter sprechen wollen, den Putzplan der Residents zu erstellen, was sich im Prinzip darauf beschränkt auf einem schon vorgefertigten Blatt die aktuellen Daten und die Namen der Residents einzutragen, Tee zu kochen, abzuwaschen oder aber Dinge zu erlernen, die man eh nie anwenden darf (Warnungen für die Residents schreiben, die Mieteinnahmen schreiben, das Ein- und Ausgabenbuch zu aktualisieren etc.).
Die Aktivitäten könnten sehr vielseitig sein, wenn man nicht nach 2 Monaten schon so frustriert von den Residents wäre, dass man sich auf eine pro Woche beschränkt die sich meist wiederholt, da sie das letzte mal eh nicht aufgepasst haben. Das heißt nach 6 Monaten mache ich aller 2 Wochen eine Deutschsession, die meist von 1 oder 2 mutigen Menschen besucht wird und das war's. Wir wollten mit ihnen ins Theater, das war nicht möglich, da es sich als unmöglich herausstellte, dass die meisten auch nur ein Pfund dafür bei Seite legen, denn mehr kostet es nicht, das Selbe passierte mit dem Schwimmen und so weiter. Es ist einfach frustrierend wenn man sich 3-4 Stunden hinsetzt und eine Aktivität vorbereitet und die Meisten es entweder bevorzugen Soaps zu sehen (denn damit verbringen sie 3-4 Stunden ihres Tages), zu faul sind überhaupt aus dem Zimmer zu kommen oder jede Aktivität, mit permanenter Miesmacherei und Demotivation, für sich und die Anderen im Keim ersticken.
Motivieren lassen diese Menschen sich nicht mehr, da sie mittlerweile genau wissen wie sie ihr Spiel zu spielen haben damit man sie in Ruhe lässt.
In 6 Monaten bin ich zu ganzen 3 Terminen mitgegangen, weil auch hier die Residents entscheiden können ob sie einen Volontär als Begleitung wollen oder nicht, dabei wird natürlich geduldet, dass sie dann auch mal gar nicht gehen, aber was soll's?
Einkaufen geht man mit immer den Selben 2 Leuten, da einer davon des Hauses verwiesen wurde, bleibt 4 Volontären ein Resident zum begleiten. Genau wie mit den Terminen ist es hier der Fall, dass die Residents bevorzugen alleine zu gehen, weil sie sich dann Fastfood, Chips, Cola und Schokolade in rauen Mengen besorgen können, ohne dass sie jemand darauf hinweist, wie scheiße es ist, wenn dein kompletter Speiseplan daraus besteht. Auf der anderen Seite erwarten die Mitarbeiter, dass man ihren Schützlingen beibringt gesund und schmackhaft zu kochen, da kann ich nur Fragen, mit was denn bitte? Mit Bacon, Beans und Toast oder was? Als Antwort bekommt man dann zu hören ja mach doch eine Kochsession ALDO zahlt, aber wenn man mal mit ihnen ein Museum besuchen will, ist dann kein Geld da. Ich versteh die Welt nicht mehr!
Beim Keyworking sind wir nur noch für die erste halbe Stunde zugelassen, alles weitere wurde uns verwehrt, da einige der Residents sich beschwert haben, dass wir dabei sind wenn sie Anschiss kriegen oder auch mal was sagen, wenn sie wieder Mist gebaut haben.

Auf mein Zweitprojekt warte ich jetzt seit einem halben Jahr. Das ist das einzige was ich meiner Koordinatorin ankreide. Ich habe ihr mehrfach angeboten, dass alles selber zu arrangieren, was sie regelmäßig abgelehnt hat, aber im Endeffekt hat sie auch nix zu Stande gebracht. Nun sind 6 Monate um und meine Managerin verliert die Geduld und ich muss nehmen was übrig bleibt als zweites Projekt, keine schöne Situation, denn von den angesprochenen 5 Projekten sind im ganzen 2 überhaupt nicht bekannt, zu einem besteht kein Kontakt mehr. Alles in allem standen einen 3 Projekte offen, wenn diese einem nicht zugesagt haben dann durfte man sich ein eigenes suchen. Das gestaltet sich durch die britischen Health und Safety Gesetze aber schwer, des Weiteren benötigt man für fast alles ein polizeiliches Führungszeugnis, da wird auch nicht das Deutsche anerkannt, nein da müssen wir noch ein separates in England machen. Auch wird ein Volontär der nur für ein Jahr zur Verfügung steht im Allgemeinen in England als nicht interessant betrachtet, da das Training und die Zeit die in ihn investiert werden, nach einem Jahr hinweg sind.

Bis vor kurzem hatten wir eine Volontärkoordinatorin, welche einen hervorragenden Job gemacht hat, des Weiteren habe ich, wie auch die Anderen, einen persönlich Mentor der bei uns allen ein Projektarbeiter ist. Durch unsere Koordinatorin habe ich einen Bahn- und Buskarte, die mir 30% Rabatt ermöglicht, ein Konto in England, bekomme Housing Benefits (um die Wohnung preiswerter zu machen) und bin im Besitz einer National Insurance Number (Sozialversicherungsnummer). Auch bin ich durch sie im College immatrikuliert worden und habe zweimal die Woche für 2 Stunden Englischunterricht. Dadurch war ich in der Lage mein First Certificate Exam mit Cambridge abzulegen und ich hoffe im Juni auch das Cambridge Advanced Exam ablegen zu können. Sie hat allerdings jetzt das Projekt verlassen, was uns mit unserer Managerin als Koordinator zurück lässt.
Diese Frau ist für mich der blanke Diktator. Du hast als Volontär null Einfluss, wirst auch meistens bei Entscheidungen, selbst die die dich betreffen, glatt übergangen. Hast du dann mal etwas zu sagen wie ich am Anfang und kritisierst munter drauf los oder versuchst eine Diskussion anzuheizen, gerätst du schnell an den Punkt wo ich war. Wo man sicher vorher noch komplett einig war, Volontäre und Projektarbeiter zieht, wenn es hart auf hart kommt jeder den Schwanz vor der Managerin ein und sie versucht dich erst absolut zum Ei zu machen oder sagt dann irgendwann: "Warum rede ich da eigentlich mit dir drüber, wenn ich die Entscheidung so fälle dann ist das so!" Ist man trotz allem unzufrieden oder versucht anderweitig Dinge zu bewegen, wird einem dann klipp und klar gesagt "Na ja ich weiß nicht so recht ob ich dich hier behalten möchte, vielleicht ist es besser du geht's zurück nach Deutschland!" Was willst du da noch sagen? Auf Arbeit könnte ich die Haltung ja noch verstehen, aber wo es bei mir aufhört ist, wenn diese Person mir sogar in meiner Wohnung versucht Furz und Feuerstein vorzuschreiben, dann aber nicht mal in er Lage ist, ein offensichtlich absolut marodes Bett in unter 3 Monaten zu tauschen. Nein wir warten lieber bis es mir unter dem Arsch zusammenbricht! Ich könnte in dieser Hinsicht noch viel zu ihr schreiben, aber das würde sich nicht lohnen.

Kommen wir zum schönen Teil: Freizeit und Yorkshire.
Zu aller Erst, Yorkshire hat 300.000 Einwohner und liegt eine halbe Stunde von Leeds, seiner großen und schönen Schwester (weil moderner und größer) entfernt. Der Hauptteil der Bevölkerung ist asiatischer Herkunft und das Stadtbild ist geprägt von alten Arbeiterhäusern und Wollmühlen. Trotz allem ist eine sehr schöne Stadt zum Leben, viele Einkaufsmöglichkeiten und durch seine Lage im Herzen von Yorkshire (einem der schönsten Counties Englands) und zu Leeds (Zentraler Bahnhof der Nord -Süd und Ost-West Achse Englands) ein hervorragender Ausgangspunkt für Erkundungstouren überallhin.
Bradford ist traditionell eine Arbeiterstadt und so gibt es hier eine große Anarchisten-, Kommunisten- und Punkkommune. Mit diesen pflegen wir regen Austausch und man kommt so sehr leicht mit vielen englischen Personen in Kontakt, trotz allem ist es nach wie vor hart einen Engländer wirklich zu kennen, denn es ist doch ein eher zurückhaltendes Volk.
Auch mit unseren Projektarbeitern habe ich ein sehr, sehr freundschaftliches Verhältnis. Ich habe in Leeds einen Volleyballclub gefunden (rar gesät in England) und auch diese Menschen sind für mich sehr wichtig geworden und haben mein Leben hier bereichert.

Alles in Allem mag mein Bericht jetzt sehr negativ klingen, aber es ist auch einfach noch viel Frustration aus den ersten Wochen dabei. Ich habe mich hier mittlerweile sehr gut zu Recht gefunden und wenn man sich mit der Situation im Projekt so abfinden kann und ein Zweitprojekt findet, kann man sich hier schon wohl fühlen. Ich will nicht sagen, dass ALDO House ein schlechtes Projekt ist, aber man könnte viel mehr rausholen. Volontäre müssten mehr eingebunden werden und die Residents von Zeit zu Zeit auch mal wieder in die reale Welt zurückgeholt werden. So lange aber der Konflikt zwischen Manager und Mitarbeitern schwelt ist es einfach keine schöne Situation für einen Volontär da man nicht weiß zu wem man halten soll und vor allem ob man offen Missstände anspricht und sich eine verbale Schelte der Managerin einfängt oder es auf sich beruhen lässt und es aussitzt.
Trotz all der Dinge die ich gesagt habe würde ich das Projekt empfehlen, da man (denke ich), wenn man gewisse Sachen im Voraus weiß, sich viel Frust ersparen kann und auf gewisse Dinge vorbereitet ist. Nebenbei ist zu sagen, dass ich auch nicht gerade eine Person bin die sehr taktvoll ist und ich habe mit Sicherheit auch manche Situation durch meine Unkenntnis des englischen Wesens verschärft in dem ich meine Kritik zu offen oder unverblümt ausgesprochen habe.

Christoph

 

Schlussbericht Christoph

Anmerkung: Ich habe vieles was ich schon in meinem Zwischenbericht geschrieben habe direkt übernommen um nicht jedes mal darauf verweisen zu müssen und um die gesamte Situation besser darzustellen.

Ich arbeitete für Depaul Trust in Bradford in einem Hostel, mit Namen ALDO House, für obdachlose, junge Menschen. Die Depaul Trust ist eine gemeinnützige, kirchliche Organisation die in Irland, Nordirland, England, der Ukraine und Slowenien Hostels für die eben genannte Zielgruppe betreibt. Diese variieren dabei stark in ihrem Supportlevel. Ich arbeite in einem high Support Hostel, was bedeutet dass in unserem Projekt rund um die Uhr 2 Mitarbeiter ansprechbar sind, ab um 22 Uhr nur noch ein Nacharbeiter, da der eigentliche Projektarbeiter in einem der Räume übernachtet, aber bei Notfällen immer dazu gerufen werden kann. Auch während der Feiertage und der Wochenenden sind stets zwei Mitarbeiter ansprechbar, ob dass nun zwei Projektarbeiter, ein Projektarbeiter und ein Volontär oder ein Nachtarbeiter und ein Projektarbeiter sind. Wir arbeiten mit Jugendlichen zwischen 16 und 25 Jahren zusammen, von denen 7 in ALDO House ein zu Hause finden können. Das generelle Ziel dieser Arbeit soll sein, dass diese jungen Menschen, 1. ein zu Hause für zwischen 6 Monaten und 2 Jahren finden, 2. sie ihre generellen Fähigkeiten für das weitere Leben verbessern (Hygiene, Kochen, ein geregelter Tagesablauf, Sport etc.) und sie dann 3. bereit sind für eine eigene Wohnung und ein selbstständiges Leben.
Hört sich doch alles prima an oder? Ja das habe ich mir auch gedacht und trotz zahlreicher Fragen im Voraus von mir und René konnte ich keinen Haken an der Sache finden, nicht einmal als ich mit einer der Ex-Volontäre (eine Deutsche) Kontakt aufnahm. Wie sich herausstellte sollte dies nicht unbedingt die volle Wahrheit sein.

Von der Unterbringung ist so und so nie die Rede gewesen und wenn man fragte wurde es als eine Wohnung in einem Haus beschrieben, was so gut wie alles sein kann. Ich und die 3 anderen Volontäre unserer Organisation leben in Douglas Towers, ein 14 geschossiges Hochhaus, bestehend aus mehreren Sozialwohnungen. Die Nachbarn sind, nun sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig und bestehen aus einer Mischung aus Rentnern, einer großen Menge an arbeitslosen Familien, Drogendealern usw. Brände und Einsätze der Feuerwehr sind in diesem Haus keine Seltenheit, da die Bewohner im Umgang mit dem Feuer ungefähr so versiert sind wie der Neandertaler. Die Wohnungen selbst, wie soll ich sagen, sind so eine Mischung aus russischer Gemütlichkeit gemischt mit 70er Jahre Flair. Aber man kann sich einrichten. Ich wohne hier mit meiner Mitbewohnerin Severine einer reizenden Französin.
Zumindest bekamen wir die Erlaubnis unser Wohnzimmer neu zu streichen, was schon sehr zu unserem Wohlbefinden beigetragen hat. Alles andere neu zu dekorieren wurde uns strikt verboten mit der Begründung da wäre keine Notwendigkeit, da dass ja die alten Volontäre erst vor 3 Jahren gemacht hätten und wir hätten die Wohnung mal damals sehen sollen. Die Küchenausstattung ist etwas gewöhnungsbedürftig, wir haben einen Toaster und eine Mikrowelle, Dinge auf die ich gut und gerne verzichten könnte, aber nicht mal Backformen für einen Kuchen oder Quiche geschweige denn einen Mixer oder zumindest ein Handrührgerät. Backformen haben wir dann erstanden, einen Pürierstab, um den wir nicht mal gebeten hatten, bekamen wir nach sechs Monaten.
Alles in allem ist die Wohnung wirklich runter gekommen und wenn man nicht selbst permanent Hand anlegt dann wird da gar nichts. Wir hatten von Anfang an nur ein benutzbares Fenster im Wohnzimmer und auch das ließ sich nur anklappen nicht wirklich öffnen. Ein weiteres Fenster in der Küche ging kaputt und konnte nicht mehr verriegelt werden so dass, bei Wind und Regen, es immer wieder aufging. Die mir zur Verfügung stehende Dusche hatte zwei regulierbare Stufen: Kochen und einfrosten. Regulierbar heißt dabei zwischen den beiden umschalten, mehr war nicht drin. Auch hatten wir Ungeziefer in der Wohnung, obwohl ich und meine Mitbewohnerin sie stets sauber gehalten haben. Das Beste ist aber wahrscheinlich die unendliche Geschichte meines Bettes. Ich hatte ursprünglich ein Doppelbett, das wahrscheinlich noch aus Kaisers Zeiten stammte und mir irgendwann unter dem Hintern zusammen brach. Dazu ist zu sagen, dass es Stück für Stück brach und ich diese Problematik schon vor meinem ersten Urlaub im Dezember (!) angesprochen habe. Ein neues Bett wurde mir in Aussicht gestellt es sollte dann aber, trotz dass ich schon auf einer total durchgelegenen Matratze auf dem Boden schlief , noch bis April(!) dauern bis ich ein neues Bett bekommen sollte. Das neue Bett habe ich dann tatsächlich bekommen. Es war 1,75m bis 1,80m lang (also die eigentliche Schlaffläche, sprich Matratze) und nicht mal einen Meter breit. Dazu muss ich vielleicht erwähnen, dass ich selbst 1,90m groß bin und etwa 106 kg wiege, was bedeutet, dass das Schlafen für mich keine angenehme Angelegenheit darstellt, zumindest nicht auf diesem Bett. Aber was will man erwarten wenn in Matratze und Bett zusammen 70 Pfund investiert werden (Für diesen Betrag kannst du mit ach und krach auf die billigsten Plätze im Old Trafford, dem Stadion von Manchester United Anmerk. d. Autors) Also habe ich beschlossen wieder mit meiner alten durchgelegenen Doppelbettmatratze auf dem Boden zu schlafen und ein neues Bett zu fordern. Warum schlief ich nicht auf der neuen Matratze? Nun ganz einfach, weil mir die Sprungfedern die in ihr sind, permanent ins Kreuz gestoßen sind und ich dann keinen Schlaf finden konnte. Nachdem dann, auf mein Drängen, im Mai, also wieder einen Monat später, eine Ortsbegehung meiner beiden Managerinnen anstand und sie mir zustimmten dass zumindest die Matratze untragbar sei, wurde mir zugesichert mir sofort eine neue Matratze zu besorgen. Nun ratet mal, hab ich sie gekriegt? Nein! Natürlich nicht, meine Organisation hat es in 4 (!) weiteren Monaten nicht geschafft mir eine Matratze zu besorgen. Das heißt in fast 10 Monaten war es nicht möglich in einer großen englischen Stadt eine Matratze und ein vernünftiges Bett für eine einzelne Person zu besorgen. Genau so verliefen auch alle meine anderen Anfragen nach Reparatur oder Hilfe.
All die erwähnten Mängel meldete ich und es wurde mir versichert, das jemand bei BCHT (Bradford Community Housing Trust: Sozusagen die staatliche Wohnungsverwaltung) anruft (denn sämtliche Reparaturen führen diese Leute aus) und sie einbestellt. Das es Versäumnisse auf deren Seite gab möchte ich hier auch zum ausdruck bringen, aber wenn ich nach 2 Monaten, ich weiß nicht wie vielen Einträgen ins Daybook und wie vielen Gesprächen mit unserer Managerin erfahre, dass sich immer noch keiner darum bemüht hat, dann werde ich sauer. Ich habe also die Leute selber angerufen und einige Sachen wie die Dusche und eines der Fenster wurden behoben ansonsten blieb es genauso wie es ist. Das Ungeziefer blieb, denn das hätte meine Organisation erledigen müssen, da es sich auf unsere Wohnung beschränkte und auch unser Küchenfenster konnte nach wie vor nicht geschlossen werden.. Meine Wohnung befindet sich im 12. Stock, die der anderen beiden Volontäre im 10. In unserer Wohnung befinden sich der Fernseher und das Telefon in der anderen die Waschmaschine und der Tiefkühlschrank. Wäsche wird bei uns in der Wohnung getrocknet, wir haben einen winzigen Wäscheständer pro Wohnung, bis uns auf mein Drängen hin endlich die Anschaffung eines zweiten Pro Wohnung gewährt wurde. Internet gibt es in Bibliothek die 10 Minuten von unserer Wohnung entfernt liegt, im Projekt selbst ist es uns verboten das Internet für private Zwecke zu benutzen. Das ist ja auch okay, denn für mich ist das in gewisser Weise Luxus, allerdings hatten ich und meine Mitbewohnerin Glück, dass anscheinend ein Nachbar über WLAN verfügt und so konnten wir von zu Hause aus ins Internet da unsere Laptops diese Funktion unterstützt haben.
Alles in allem könnte man aus der Wohnung was machen, wenn man 1. die Erlaubnis hätte oder 2. wenigstens die kaputten Fenster, die sich entweder nicht öffnen lassen oder nicht richtig schließen, repariert würden. Ich hab schon schlimmer gewohnt und man gewohnt sich an alles, wenn man muss.

Kommen wir zum Projekt.
In der Projektbeschreibung hört sich ja alles sehr gut und schön an und man bekommt den Eindruck, dass man mit vielen verschiedenen Dingen beschäftigt sein wird z.B. Büroarbeit, Aktivitäten zu organisieren (Kochen, Gartenarbeit, Theater, Schwimmen, Kultur etc.), unsere Residents zu ihren Terminen begleiten, ihnen beim Einkaufen helfen und sie zu beratschlagen was am gesündesten für sie wäre, das Keyworking (eine Art wöchentliche Zusammenkunft zwischen unseren Residents und ihrem jeweiligen Keyworker, der einer der Projektarbeiter ist, in dem der Budgetplan der nächsten Woche und andere wichtige Dinge besprochen werden) zu unterstützen, sowie ein aus der Liste zu wählendes Zweitprojekt zu finden. Diese Liste enthält fünf andere Projekte.
Wie gesagt die Projektbeschreibung sieht gut aus und scheint auch sehr verschieden in den Aufgabenbereichen zu sein, die mir offen stehen. Wir sollten 3 Tage in ALDO House und 2 Tage in einem anderen Projekt arbeiten. Angeblich wird auch der Zeitplan eines jeden Volontärs separat mit ihm geplant und abgesprochen und nur auf ihn zugeschnitten. Des Weiteren wird in der Projektbeschreibung davon gesprochen mit jungen Menschen mit evtl. krimineller Vorgeschichte bzw. Drogen- und Alkoholproblemen zu arbeiten.
Fangen wir also von vorne an. Die Arbeit im Büro hat sich ein ganzes Stück gebessert, mir wurden viele Aufgaben übertragen, weil man nach 6 Monaten gemerkt hat, dass ich nicht dumm bin. Wobei das anscheinend vorher angenommen wurde. Meine Aufgaben waren mich um die Rechnungen zu kümmern, Telefondienst, den Putzplan der Residents zu erstellen (immer noch auf dem vorgedruckten Blatt, siehe Zwischenbericht), ihr Punktesystem zu aktualisieren, ihre Miete zu kassieren, das Ein- Ausgabenbuch zu verwalten, Health- und Safetychecks durchzuführen und Warnungen zu schreiben. Manchmal auch kleinerer Kopierkram und anderes. Alles in allem hat sich dieser Bereich zum Ende hin stark verbessert, einfach weil man mir mehr zugetraut hat, warum auch immer oder mir mehr vertraut hat.
Die Aktivitäten könnten sehr vielseitig sein, wenn man nicht nach 2 Monaten schon so frustriert von den Residents wäre, dass man sich auf eine pro Woche beschränkt die sich meist wiederholt, da sie das letzte mal eh nicht aufgepasst haben. Das heißt nach 6 Monaten mache ich aller 2 Wochen eine Deutschsession, die meist von 1 oder 2 mutigen Menschen besucht wird und das war's. Wir wollten mit ihnen ins Theater, das war nicht möglich, da es sich als unmöglich herausstellte, dass die meisten auch nur ein Pfund dafür bei Seite legen, denn mehr kostet es nicht, das Selbe passierte mit dem Schwimmen und so weiter. Es ist einfach frustrierend wenn man sich 3-4 Stunden hinsetzt und eine Aktivität vorbereitet und die Meisten es entweder bevorzugen Soaps zu sehen (denn damit verbringen sie 3-4 Stunden ihres Tages), zu faul sind überhaupt aus dem Zimmer zu kommen oder jede Aktivität, mit permanenter Miesmacherei und Demotivation, für sich und die Anderen im Keim ersticken. Motivieren lassen diese Menschen sich nicht mehr, da sie mittlerweile genau wissen wie sie ihr Spiel zu spielen haben damit man sie in Ruhe lässt. Ich lasse das so stehen auch wenn man sagen muss, dass ich auf Grund einer Veränderung meines Zeitplans nur noch morgens im Projekt war und somit keine Aktivitäten möglich waren, was mich aber nicht sonderlich gestört hat (siehe vorangegangener Text).
In 6 Monaten bin ich zu ganzen 3 Terminen mitgegangen, weil auch hier die Residents entscheiden können ob sie einen Volontär als Begleitung wollen oder nicht, dabei wird natürlich geduldet, dass sie dann auch mal gar nicht gehen, aber was soll's? Einkaufen geht man mit immer denselben 2 Leuten, da einer davon des Hauses verwiesen wurde, bleibt 4 Volontären einen Resident zum begleiten. Genau wie mit den Terminen ist es hier der Fall, dass die Residents bevorzugen alleine zu gehen, weil sie sich dann Fastfood, Chips, Cola und Schokolade in rauen Mengen besorgen können, ohne dass sie jemand darauf hinweist, wie scheiße es ist, wenn dein kompletter Speiseplan daraus besteht. Auf der anderen Seite erwarten die Mitarbeiter, dass man ihren Schützlingen beibringt gesund und schmackhaft zu kochen, da kann ich nur Fragen, mit was denn bitte? Mit Bacon, Beans und Toast oder was? Als Antwort bekommt man dann zu hören ja mach doch eine Kochsession ALDO zahlt, aber wenn man mal mit ihnen ein Museum besuchen will, ist dann kein Geld da. Ich versteh die Welt nicht mehr! Beim Keyworking sind wir nicht mehr zugelassen, da einige der Residents sich beschwert haben, dass wir dabei sind wenn sie Anschiss kriegen oder auch mal was sagen, wenn sie wieder Mist gebaut haben.
Auf mein Zweitprojekt musste ich bis Mai warten. Das ist das einzige was ich meiner Koordinatorin ankreide. Ich habe ihr mehrfach angeboten, dass alles selber zu arrangieren, was sie regelmäßig abgelehnt hat, aber im Endeffekt hat sie auch nix zu Stande gebracht. Nachdem sie das Projekt verließ, "verlegte" sie auch sämtliche Daten und Schriftstücke eines Zweitprojekts, das mit mir in Kontakt stand und ich begann bei Null. Meine Managerin lies mich während dieser Zeit 5 Tage die Woche in Aldo arbeiten und irgendwann wurde ihr das zu viel und sie wollte dass ich ein Zweitprojekt nehme, egal welches. Keine schöne Situation, denn von den angesprochenen 5 Projekten sind im ganzen 2 überhaupt nicht bekannt, zu einem besteht kein Kontakt mehr. Alles in allem standen einen 2 Projekte offen, wenn diese einem nicht zugesagt haben dann durfte man sich ein Eigenes suchen. Das gestaltet sich durch die britischen Health und Safety Gesetze aber schwer, des Weiteren benötigt man für fast alles ein polizeiliches Führungszeugnis, da wird auch nicht das Deutsche anerkannt, nein da müssen wir noch ein separates in England machen. Auch wird ein Volontär der nur für ein Jahr zur Verfügung steht im Allgemeinen in England als nicht interessant betrachtet, da das Training und die Zeit die in ihn investiert werden, nach einem Jahr hinweg sind.
Ich habe es dann tatsächlich geschafft und mein Zweitprojekt war eine Erleichterung. Ich habe in Leeds für St. Lukes Care's gearbeitet in einem Jugendclub. Es war eine tolle Zeit und ich habe dort jetzt auch eine feste Arbeitsstelle. Aber auch das ging nicht ohne Reibereien. Als ich im Projekt gesagt habe, dass ich ein Zweitprojekt habe und an welchen Tagen es ist wurde mir ein Zeitplan gemacht, der vorsah, dass ich von Samstag bis Mittwoch arbeite und Donnerstag und Freitag meine zwei freien Tage habe. Das Problem ist nur, dass mich das für den Rest meiner Zeit von sämtlichen Aktivitäten mit den anderen Volontären ausschloss. Als ich das ansprach wurde mir gesagt das ist halt so. Dazu ist zu sagen, dass es nur kleineren Änderungen bedurft hätte und jeder Volontär hätte einen Teil des Wochenendes frei haben können, allerdings wurde dies mit er Begründung abgelehnt, dass man unbedingt 2 Volontäre ab Wochenende bräuchte, da ja dann soviel mit den Residents gemacht werden könnte. Fakt ist das am Wochenende fast kein Resident im Haus ist bzw. alle bis teilweise 3 oder 4 Uhr schlafen und unsere Schicht nur bis 5 ging. Das zum Thema individueller Zeitplan und Mitsprachrecht.

Nun zum letzten Punkt der Projektbeschreibung. Nicht Alkohol, Drogen, Verbrechen oder Gewalt sind die häufigsten "Altlasten" unserer Residents sondern schlicht mentale Krankheiten und Probleme wie Asperger Syndrom (eine Form des Autismus), Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Hyperaktivität, zwanghaftes Lügen, Schizophrenie, Kleptomanie etc. Darauf hatte man uns alle nicht vorbereitet. Es wurde in keinster Weise erwähnt und das macht das Arbeiten mit diesen Menschen ungemein schwerer und gefährlicher. Wenn mein Englischlevel nicht der wäre der er ist dann wäre ich dort sang- und klanglos untergegangen.
Bis Februar hatten wir eine Volontärkoordinatorin, welche einen hervorragenden Job gemacht hat, des Weiteren habe ich, wie auch die Anderen, einen persönlich Mentor der bei uns allen ein Projektarbeiter ist. Dieser wurde dann für die letzten 2 Monate bei mir gewechselt, da durch anhaltende Spannungen und Differenzen zwischen mir und ihr kein normales Arbeiten mehr möglich war. Durch unsere Koordinatorin habe ich einen Bahn- und Buskarte, die mir 30% Rabatt ermöglicht, ein Konto in England, bekomme Housing Benefits (um die Wohnung preiswerter zu machen) und bin im Besitz einer National Insurance Number (Sozialversicherungsnummer). Auch bin ich durch sie im College immatrikuliert worden und habe zweimal die Woche für 2 Stunden Englischunterricht. Dadurch war ich in der Lage mein First Certificate Exam mit A abzulegen und im Juni folgte das CAE (Cambridge Advanced English) ebenfalls mit A. Dies ließ meine Managerin als Koordinator zurück. Obwohl sich mein Verhältnis mit ihr etwas gebessert hat kann ich das was ich in meinem Zwischenbericht geschrieben habe ohne weiteres stehen lassen: Diese Frau ist für mich der blanke Diktator. Du hast als Volontär null Einfluss, wirst auch meistens bei Entscheidungen, selbst die die dich betreffen, glatt übergangen. Hast du dann mal etwas zu sagen wie ich am Anfang und kritisierst munter drauf los oder versuchst eine Diskussion anzuheizen, gerätst du schnell an den Punkt wo ich war. Wo man sicher vorher noch komplett einig war, Volontäre und Projektarbeiter, zieht, wenn es hart auf hart kommt, jeder den Schwanz vor der Managerin ein und sie versucht dich erst absolut zum Ei zu machen oder sagt dann irgendwann: "Warum rede ich da eigentlich mit dir drüber, wenn ich die Entscheidung so fälle dann ist das so!" Ist man trotz allem unzufrieden oder versucht anderweitig Dinge zu bewegen, wird einem dann klipp und klar gesagt "Na ja ich weiß nicht so recht ob ich dich hier behalten möchte, vielleicht ist es besser du geht's zurück nach Deutschland!" Was willst du da noch sagen? Auf Arbeit könnte ich die Haltung ja noch verstehen, aber wo es bei mir aufhört ist, wenn diese Person mir sogar in meiner Wohnung versucht Furz und Feuerstein vorzuschreiben, dann aber nicht mal in er Lage ist, ein offensichtlich absolut marodes Bett in unter 3 Monaten zu tauschen. Nein wir warten lieber bis es mir unter dem Arsch zusammenbricht! Ich könnte in dieser Hinsicht noch viel zu ihr schreiben, aber das würde sich nicht lohnen.

Kommen wir zum schönen Teil: Freizeit und Yorkshire. Zu aller Erst Yorkshire hat 300.000 Einwohner und liegt eine halbe Stunde von Leeds, seiner großen und schönen Schwester (weil moderner und größer). Der Hauptteil der Bevölkerung ist Asiatischer Herkunft und das Stadtbild geprägt von alten Arbeiterhäusern und Wollmühlen. Trotz allem ist eine sehr schöne Stadt zum Leben, viele Einkaufsmöglichkeiten und durch seine Lage im Herzen von Yorkshire (einem der schönsten Counties Englands) und zu Leeds (Zentraler Bahnhof der Nord -Süd und Ost-West Achse Englands) ein hervorragender Ausgangspunkt für Erkundungstouren überallhin. Bradford ist traditionell eine Arbeiterstadt und so gibt es hier eine große Anarchisten-, Kommunisten- und Punkkommune. Mit diesen pflegten wir regen Austausch und man kommt so sehr leicht mit vielen englischen Personen in Kontakt, trotz allem ist es nach wie vor hart einen Engländer wirklich zu kennen, denn es ist doch ein eher zurückhaltendes Volk. Auch mit unseren Projektarbeitern hatte ich ein sehr, sehr freundschaftliches Verhältnis. Mit den beiden Projektarbeiterinnen aus meinem Zweitprojekt hat sich eine richtige Freundschaft ergeben, was dazu führte, dass wir oft ausgegangen sind. Des Weiteren bin ich Mitglied des Leeds VC (Leeds Volleyball Club), einer der wenigen, rar gesäten Volleyballvereine Englands und habe auch mit den meisten Spielern dort ein freundschaftliches Verhältnis auch über die Turnhalle hinaus.

Alles in Allem mag mein Bericht jetzt sehr negativ klingen, aber es ist auch einfach viel Mist passiert. Wenn man den Mund hält und einfach macht was gesagt wird ohne zu fragen, also Dienst nach Vorschrift und sich ganz schnell ein Zweitprojekt besorgt ist man gut raus und dann würde ich dieses Projekt empfehlen. Kann man das nicht, wie ich, Matthieu und Severine dann sollte man es lassen. Ich will nicht sagen, dass ALDO House ein schlechtes Projekt ist, aber man könnte viel mehr rausholen. Volontäre müssten mehr eingebunden werden und die Residents von Zeit zu Zeit auch mal wieder in die reale Welt zurückgeholt werden. So lange aber der Konflikt zwischen Manager und Mitarbeitern schwelt ist es einfach keine schöne Situation für einen Volontär da man nicht weiß zu wem man halten soll und vor allem ob man offen Missstände anspricht und sich eine verbale Schelte der Managerin einfängt oder es auf sich beruhen lässt und es aussitzt.
Nebenbei ist zu sagen, dass ich auch nicht gerade eine Person bin die sehr taktvoll ist und ich habe mit Sicherheit auch manche Situation durch meine Unkenntnis des englischen Wesens verschärft, in dem ich meine Kritik zu offen oder unverblümt ausgesprochen habe. Nichts desto trotz bin ich ein Ausländer und man sollte, gerade in meinem Projekt, darauf Rücksicht nehmen und nicht annehmen, nur weil ich gut Englisch spreche kann ich alles und weiß alles.

Christoph