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Zwischenbericht Julia

Wow, ich kann´s noch gar nicht fassen! Jetzt hab ich doch schon Weihnachtsfereien! Es sind schon 4 Monate vergangen seit ich mich ins schöne Dänemark begeben habe!
Ich kann wohl, ohne zu übertreiben, sagen, dass diese vier Monate die interessantesten meines bisherigen Lebens waren...
Ich habe soooo viele neue Erfahrungen gemacht, die ich auf gar keinen Fall gemacht hätte, wenn ich hier im "verkrusteten" Deutschland geblieben wäre!

Nun aber zu meinem Projekt und zu meinem Leben im Norden!
Ich arbeite für (leider) nur ein halbes Jahr in der Europahøjskole på Kalø. Das ist eine dänische Volkshochschule, die aber im Allgemeinen nur sehr wenig mit der in Deutschland bekannten Volkshochschule zu tun hat.
In Dänemark gibt es ca. 60 Højskols. Jeder Erwachsene, ab 18 Jahren, kann sich für ca. 4 Monate an einer Højskol weiterbilden. In der Europahøjskole werden Fächer wie Englisch, Dänisch, Spanisch, Politik und Kommunikation angeboten. Jeder Schüler wählt obligatorisch 2 Linienfächer. Diese Fächerkombination wird aber noch durch mindestens ein weiteres Wahlfach ergänzt. Zu den Wahlfächern gehören z.B. Computer, Keramik, Textil, Flamenco (mein Part J). Es ist aber auch wichtig zu erwähnen, dass es in einer Højskole keine Tests oder Examen gibt. In dieser Art Schule wird ganz ohne Druck gearbeitet. Im Gegenteil! Es wird viel darauf wertgelegt, dass sich die Schüler persönlich weiterentwickeln, d.h. ihre Kreativität und ihre "social skills" weiterentwickeln. Dies geschieht auch automatisch dadurch, dass den Schülern viel Freiraum gegeben wird, durch Arrangements (z.B. Organisation eines Volleyballtuniers) oder Eigeninitiative, das Schulleben selbst mitzugestalten. Das Leben in einer Højskole wird vor allem durch Begriffe wie Gemeinschaft oder Demokratie geprägt. Diese sind sehr wichtig, da alle Schüler wie in einem Internat zusammen wohnen, lernen, essen und natürlich auch feiern!
Die Ausstattung der Europahøjkole ist wirklich fantastisch! Jeder findet Möglichkeiten sich seinen Neigungen nach zu entfalten. So haben wir z.B. eine Musikraum, mit allerlei Instrumenten...eine riesige Bibliothek mit Büchern in allen Sprachen und aus aller Welt...eine klasse Sporthalle...eine einmalige Disko mit Bar, wo man am Wochenende richtig abtanzen kann! Die Natur um die Schule ist natürlich auch nicht zu vergessen! Einfach wunderschön! Die Schule liegt in einer sehr ländlichen Gegend, allerdings wird das Schulgelände nur durch eine Straße vom Meer getrennt. Bis zur nächsten Ortschaft, wo es auch Einkaufsmöglichkeiten gibt, sind es zu Fuß durch den Wald ca. 20 Minuten. Mit dem Bus geht´s natürlich schneller (ca.10 min)...aber nicht vergessen, öffentliche Verkehrsmittel sind (wie eigentlich alles in Dänemark) sehr teuer!
An die Europahøjskole ist noch eine Landwirtschaftsschule angegliedert. In dieser Schule lernen junge Menschen aus der ganzen Welt (vorwiegend aber aus Osteuropa) ökologischen Landbau. Die Schüler beider Schulen essen, wohnen und feiern zusammen... lediglich der Unterricht verläuft natürlich getrennt. Durch die Landwirtschaftsschule ergeben sich auch wiederum neue Möglichkeiten. Ca. 5 Minuten vom Schulgelände entfernt liegt die Übungsfarm mit vielen Kühen. Deshalb hab ich im Sommer zum ersten Mal in meinem Leben eine Kuh gemolcken. War echt ne tolle Sache ;)!

Mit beiden Schulen zusammen waren wir in Kalø ca. 120 Schüler. Ca. 40 von ihnen waren in der Europahøjskole. Diese 40 Schüler setzten sich allerdings aus 27 verschiedenen Nationalitäten zusammen. Wenn man jetzt noch die Landwirtschaftsschüler mitrechnet, kommt man locker über 30 Nationalitäten! Ist das nicht klasse?! Für mich war das wirklich eine einmalige Chance etwas über die Welt zu erfahren! Von Amerikaner, über Japaner, Thailänder, Kenianern, Burmesen bis zu Palästinensern hatten wir wirklich alles!
Um etwas über die anderen Länder und deren Traditionen zu erfahren hat die Schule einen "cultural day" organisiert. Dabei hat jeder etwas Landestypisches gekocht, seine Traditionen vorgestellt, einen landestypischen Tanz getanzt oder einfach nur die traditionelle Tracht vorgestellt!

So, das erst mal zu der Schule...nun zu meinen Aufgaben!
In der Projektbeschreibung stand, dass der Freiwillige ein Bindeglied zwischen Lehrern und Schülern darstellen soll! Als Freiwilliger lebt man nämlich mit den Schülern zusammen, 24h jeden Tag, auch am Wochenende. Deshalb bekommt man dann natürlich auch mit, was so in der Schule läuft, wer sich gut versteht, wo es Probleme geben könnte. Solche Dinge wissen die Lehrer natürlich nicht. Manche von ihnen leben zwar auch auf dem Schulgelände, aber eben in ihren eigenen Häusern. Um aber zu verhindern, dass die Freiwilligen in irgendwelche Probleme verwickelt werden, bekommen sie von Anfang an ein Einzelzimmer (in der Schule gibt es vorwiegend Doppelzimmer, aber auch Einzelzimmer). Als Freiwilliger ist man somit Teil des Lehrerkollegiums, weil man ja selbst auch unterrichtet, aber zum Großteil ist man selbst Schüler, weil man ja auch Unterricht hat. Die Schulleitung möchte nämlich, dass den Freiwilligen der gleiche Teil Dänischunterricht zu Teil kommt, wie den ausländischen Schülern. Das bedeutet, dass ich jeden Tag zwischen 4 und 5 Stunden Dänisch lerne. Klar, dass dann neben Hausaufgaben und wöchentlicher Projektarbeit nicht mehr so viel Zeit bleibt! Aber ich bin ja nicht nur Schüler, sonder auch selbst Lehrer! Jeden Montag unterrichte ich 1.5 h Flamenco. Flamenco ist ein Wahlfach und jeder Schüler muss mindestens eines wählen.
Als Freiwilliger habe ich eigentlich, außer dem Flamencounterricht, nicht viele Aufgaben und die meiste Zeit hab ich mich eher selbst als Schüler gefühlt und nicht als jemand, der dort arbeitet. Aber ich kann sagen, dass es mir trotzdem nie langweilig geworden ist. Der Dänischunterricht füllt den Tag eigentlich gut aus (von 8.15 bis 16 oder 17 Uhr). An manchen Tagen werden dann von der Schule noch Ausflüge in Museen oder ähnliches organisiert.
Ein ganz tolles Erlebnis war natürlich auch die Studienfahrt nach Warschau, Polen! Neben Dänemark hab ich also während meines EFD noch ein weiteres Land besuchen dürfen! Und umsonst war´s auch noch...als EFD´ler hat man schon viele Vorteile!

Außerdem bin ich froh, dass ich in meinem Projekt nicht die einzige Freiwillige bin. Mit mir zusammen arbeiten Moisés (Spanien) und Hélène (Frankreich). Moises ist 26 und Hélène ist 25. Beide sind also schon ein ganzes Stück älter also ich (zur Information: ich bin 20 J). Am Anfang hatte ich Angst, dass durch der Altersunterschied vielleicht eine Art Hindernis darstellt...das ist aber gar nicht der Fall. Wir verstehen uns echt super! In Nachhinein finde ich es aber schade, dass ich durch meinen Freund (den ich übrigens in der Schule kennengelernt habe) nicht so viel Zeit mit ihnen verbracht hab, wie ich es eigentlich gern gemacht hätte. Aber ich weiß, dass wir 3 wirklich über alles reden können...es gab nämlich Situationen, wo ich nur mit ihnen reden konnten, weil Schüler z.B. Hasch geraucht haben. Das ist von der Schulordnung her aber verboten. Von meiner Funktion als Lehrer gesehen, müsste ich zur Schulleitung gehen und der Schüler wäre von der Schule verwiesen worden. Aber weil man im Laufe von so vielen Monaten eine freundschaftliche Beziehung zu den Schülern aufbaut ist so eine Entscheidung eben nicht so einfach. Es hat mir sehr gut getan mich in dieser Situation mit Hélène und Moisés auszutauschen. Im Endeffekt sind wir nicht zur Schulleitung, sondern haben mit dem Schüler noch mal geredet und ihm versucht klar zumachen, dass er bei einer solchen Aktion von der Schule fliegen kann! An diesem Beispiel sieht man gut, in welcher Situation man sich dann als Freiwilliger befinden kann. Man ist eben nicht nur Lehrer, sonder auch Schüler.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich so viele neue Erfahrungen machen durften, die ich hier im prüden Deutschland wahrscheinlich nie gemacht hätte. Ich habe mich auf jeden Fall persönlich und fachlich (ich kann jetzt Dänisch J) weiterentwickelt und was das Schönste ist, ich habe jetzt Freunde auf der ganzen Welt!

PS: Am 9. Januar geht´s wieder auf in den Norden, dann beginnt die letzte Phase meines EFD. Am 10. Februar geht mein Traum dann zu Ende.

Julia

 

Schlussbericht Julia

So, jetzt ist es soweit…Mein EFD ist zu Ende…leider!!

Zuerst möchte ich mich bei allen bedanken, die mir die Chance ermöglicht haben diese einmalige Erfahrung zu machen. Mein Dank gilt dabei ganz besonders meiner Entsendeorganisation, dem IFAP e.V. und meiner Aufnahmeorganisation, der Europahøjskolen på Kalø!

Nun aber zu meinem Endbericht:

Wie ich ja bereits im Zwischenbericht geschrieben habe, bin ich am 9.1.07 wieder zurück nach Dänemark. Mein Flug ging von Baden-Baden nach London und von London nach Aarhus. Am Flughafen in London habe ich mich dann mit Hélène getroffen und wir haben den Rest unserer Reise gemeinsam bewältigt.
Am 11.1.07 kamen dann auch die neuen Schüler (ein Kurs in der Europahøjskolen geht immer ca. 4 Monate) und wir (die Freiwilligen) mussten wieder dabei behilflich sein den neuen Schülern ihre Zimmer zu zeigen und das Gepäck zu verstauen. Insgesamt kann ich sagen, dass ich mich in der letzten Phase meines EFD mehr als Lehrer als als Schüler gefühlt habe. Vielleicht lag es einerseits daran, dass ich wusste, dass ich mit den neuen Schülern nur noch einen Monat verbringen werde (ich bin am 10.2.07 zurückgekommen), aber es könnte auch daran gelegen haben, dass uns die Lehrer mehr in die Organisation der Aktivitäten eingebunden haben als zuvor. So wurden wir z.B. gefragt, ob wir die Organisation der Kaløtimer übernehmen wollen. Die Kaløtimer finden jeden Donnerstagmittag statt. Dabei handelt es sich um 2 Stunden, in denen die Gemeinschaft zwischen den Højskol-Schülern und den Landwirtschaftsschülern gestärkt werden soll. Dieses Mal wurden wir beauftragt alle Schüler in fünf möglichst buntgemischte Gruppen einzuteilen. Jeder von uns Freiwilligen und noch 2 Lehrer sollten dann jeweils die Gruppenleitung einer Gruppe übernehmen und die Gruppenmitglieder mussten dann verschiedene Aufgaben lösen (z.B. das Bauen einer Kuh aus Draht…etc.). Für uns war es neu, dass wir mit einer solch vertrauensvollen Aufgabe betraut wurden, aber gleichzeitig machte es uns auch stolz und wir fühlten uns zum ersten Mal nicht wie ein Schüler, sondern eben eher als Kollege der Lehrer. Es gab noch andere solche Veränderung und wir wurden generell mehr in das Lehrerkollegium miteinbezogen als zuvor. Ich finde es ein bisschen schade, dass wir dieses Gefühl erst am Schluss bekamen, aber ich möchte die Zeit auf gar keinen Fall zurückdrehen! Es hat schon alles gepasst, so wie es war!

Jetzt bekam ich auch endlich die Möglichkeit Deutsch zu unterrichten!! Darauf hatte ich mich schon lange gefreut! Ich hatte nur eine Schülerin, die sich aber intensiven Konversationsunterricht vorstellte. Ich habe verschiedene Materialien von der Schule bekommen oder mir selbst Aufgaben überlegt oder das Internet zu Rate gezogen. Diese Erfahrung, die eigene Sprache Ausländern näher zu bringen, ist etwas ganz besonders. Man entwickelt ein ganz anderes Verhältnis zu seiner Sprache, Kultur und zu seinem Land. Diese Erfahrung hat mich so sehr beeindruckt, dass ich mir vorstellen kann Lehrer für Deutsch als Fremdsprache zu werden.

In der letzten Phase meines EFD´s hatte ich, wie ich zuvor schon erwähnte, keinen so großen Elan eine so enge Beziehung mit den Schülern aufzubauen, wie ich es in der Phase von August bis Dezember getan hatte. Ich habe mich auch mit den neuen Schülern hervorragend verstanden, aber mir war klar, dass ich mit ihnen nur einen Monat verbringen werde und dass es am Schluss bei einer engen Beziehung schwieriger sein würde "farvel" zu sagen.
Viele der "alten" Schüler kamen auch am Wochenende zu Besuch oder ich habe mich mit einigen auch sonst getroffen. Ich habe richtig gute Freunde in Dänemark gefunden und das ist auch der Grund warum ich mich am 2.3.07 nochmal für ein paar Monate in das schöne Land im Norden begebe. Ich werde mit 2 von den Leuten, die ich in der Schule kennengelernt habe, in eine WG ziehen und mir erst mal einen Job suchen.. das sollte aber kein Problem sein... ich kann jetzt ja (dank meinen Unterrichtsstunden in der Europahøjskole) Dänisch!!!

Ein Tip für alle, die sich vorstellen könnten einen EFD zu machen... TUT ES!!! Ihr werdet um so viele Erfahrungen reicher sein und ihr werdet mehr über euch selbst erfahren! Habt keine Angst vor dem Ungewissen! Stürzt euch ins Abenteuer!

Viele liebe Grüße

Julia