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Zwischenbericht Dorothee

Bei dem Projekt 2004-NO-5 handelt es sich um einen biodynamischen Bauernhof (Grobunn) im lændlichen Osten Norwegens. Hauptsæchlich dreht sich der Alltag um die jugendlichen geistig-behinderten Schueler, die auf dem Hof wohnen, arbeiten und Unterricht haben. Wir "Praktikanten" und auch viele Mitarbeiter wohnen ebenfalls auf Grobunn.

Ganz ehrlich war mir wæhrend meiner Reise zu Beginn meines Freiwilligen Jahres doch etwas mulmig in der Magengegend geworden. Pløtzlich galt es also meine Plæne in die Tat umzusetzen. Ein Zurueck gab es nicht mehr.
Doch diese unglaubliche Wærme, mit der mich die Leute vom Hof, meine Mit-Praktikanten und auch viele der Schueler willkommen geheissen haben, liessen meine noch kurzfristig aufgekommenen Zweifel schnell wieder verfliegen.

Es liegt im Allgemeinen eine sehr freundschaftliche, harmonische Atmosphære in der Luft, die dazu ansteckt, das Leben etwas leichter zu nehmen. Dazu trægt aber vielleicht auch die fuer Norwegen zwar ungewøhnlich flache, aber trotzdem wunderschøne Umgebung bei. Die bis zum Horizont reichenden Felder und die wie planlos darum verstreuten Høfe kønnten den Anschein vølliger Isolation erwecken. Etwas, mit dem man bei einem Freiwilligen Jahr in Norwegen auf jeden Fall rechnen sollte.
Dem ist in meinem Fall jedoch nicht so: in nur 10 Minuten erreicht man mit dem fuer Praktikanten zur Verfuegung stehenden Auto Hamar, eine 30 000-Einwohner Stadt.

Grobunn ist eine anthroposophische Einrichtung, aber kein Camphill. Ein Unterschied besteht beispielsweise darin, dass wir Freiwilligen auf Grobunn doch recht viel Freizeit haben. Allerdings macht das Zusammenleben und -arbeiten mit den Schuelern wirklich Spass. Es gibt die Stall- und Gartengruppe, die Kuechengruppe, die Holzwerkstattgruppe und eine Gruppe der ælteren Schueler (~23 Jahre), die u.a. Kæse und Joghurt machen. In diesen Gruppen und im Schuelerhaus arbeitet jeder Praktikant fuer jeweils 3 Monate.

Soweit ich es bis jetzt beurteilen kann, hat mich das Leben hier ruhiger und geduldiger werden lassen und mir wohl auch etwas mehr Selbstvertrauen gegeben. Stress und Hektik gibt es hier kaum. Es geht nicht darum, Vieles schnell zu erledigen. Vielmehr soll den Schuelern dabei geholfen werden selbststændiger zu werden und Fortschritte mit alltæglichen Dingen zu machen, und wenn sie noch so klein sind.
Langweilig ist es mir bisher noch nicht geworden, da die meisten Schueler und auch Mitarbeiter richtig sympathisch und humorvoll sind.

Neben den Schuelern und Mitarbeitern spielen aber auch meine Mit-Praktikanten eine grosse Rolle. Zusammen als eine WG zu leben ist meist extremst lustig. Wir haben auf jeden Fall eine Menge Spass zusammen. Und an Tagen, an denen es einem mal nicht so gut geht (das kann in den eher dunklen Wintermonaten schon mal vorkommen) ist es auch schøn Freunde um sich herum zu haben, die in der gleichen Situation sind.

Etwas, das ich doch schade finde, ist, dass der Norwegisch-Kurs immer wieder flachfællt bevor er ueberhaupt angefangen hat. Es scheint durch eine, mir nicht erklærbare Weise, sehr schwer zu sein, einen Lehrer fuer uns zu finden. Da ist es also gut, autodidaktisch begabt zu sein. Und auch die Tatsache, dass die Urlaubstags-Regelung eher undurchsichtig gehalten wird, spricht nicht gerade fuer die organisatorischen Fæhigkeiten meines Projektes. So viel Kritik also noch zum Schluss.

Ansonsten fuehle ich mich aber, wie gesagt, pudelwohl und freue mich auf die næchsten fuenf Monate, die ich hier noch verbringen werde.

Dorothee