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Zwischenbericht Sophie

Seit Anfang September bin ich nun schon in meinem Projekt in der Kildare Steiner School (2006-IE-31) bei Kilcullen, einem relativ kleinen Ort im County Kildare in Irland. Also bin ich nun schon 8 Monate hier und dies ist nun leider nicht wirklich mehr ein Halbzeitbericht, ein Dreiviertel meiner Zeit ist ja jetzt schon rum.

Mit meiner Arbeit hier bin ich eigentlich sehr zufrieden. Ich arbeite nur von Montag bis Freitag und meine Taetigkeiten sind eigentlich auch jeden Tag sehr aehnlich. Die Kinder kommen von 9 bis 13 Uhr in den Kindergarten, davor muessen wir verschiedene Dinge wie das Mittagessen oder Bastelarbeiten oder andere Aktivitaeten vorbereiten. Mit den Kindern machen wir dann die verchiedensten Dinge. Wir malen, basteln sehr viel, backen unser eigenes Brot und so weiter. Zu einer bestimmten Zeit ist dann „snack time“ und danach gehen wir raus auf den Spielplatz. Das machen wir wirklich fast jeden Tag, auch wenn es regnet! Ich arbeite mit der Erzieherin meiner Gruppe zusammen, ich bin also ihre Assistentin und wir erledigen alle Aufgaben gemeinsam und betreuen im Moment so ca. 8 bis 12 Kinder. Die Anzahl wechselt von Tag zu Tag und auch am Anfang hatten wir mehr Kinder. Das Ganze ist natuerlich nach der Philosophie Rudolf Steiners ausgerichtet (bei uns mehr als Waldorf bekannt), welche ich sehr interessant finde. Die Kinder lernen Selbstaendigkeit und Verantwortungsgefuehl und ihre Fantasie steht ganz stark im Vordergrund. Dabe wird ganz besonders Wert auf natuerliche Materialien und gesundes Essen gelegt. Sie spielen also nur mit Stoffpuppen und-tieren, Muscheln, Holzbloecken, Seilen und solchen Dingen. Plastikspielzeug gibt es da ueberhaupt nicht. An das Mittagessen musste ich mich auch erstmal gewoehnen. Es gibt jede Woche dasselbe. Montag gibt es beispielsweise braunen Reis mit Olivenoel, dienstags unser eigenes Brot mit Honig und Marmelade und an anderen Tagen Haferbrei und Hirse oder auch Spaghetti. Aber die Kinder finden das tatsaechlich ganz toll!
Zum Abschluss des Tages gibt es dann eine Geschichte oder Spiele und wenn alle Kinder abgeholt werden, muessen wir den ganzen Kindergarten gemeinsam sauber machen und den Tag besprechen oder spezielle Feste vorbereiten. Zu speziellen Zeiten wie Weihnachten, Ostern, oder jetzt zum Beipsiel zum Anfang Mai (Maypole) machen wir besondere Dinge wie z.B. ein Krippenspiel. Einen Laternenumzug im Herbst hatten wir auch und am 1.Mai jetzt z.B. gibt es den Maypole Dance mit anschliessendem Picknick.

Also wie gesagt, die Arbeit macht mir wirklich grossen Spass und die Kinder hab ich auch alle so ins Herz geschlossen, dass ich wirklich gerne den Tag mit ihnen verbringe. Unsere netten Kollegen tragen auch dazu bei,dass mir die Arbeit so gut gefaellt. Es ist noch eine zweite Freiwillige aus Spanien dabei. Wir wohnen zusammen und sie arbeitet mit einer anderen Erzieherin in der 2. Gruppe. Wir verstehen uns echt gut und die beiden Erzieherinnen sind wirklich sehr nett und immer fuer uns da. Wir machen auch sehr oft etwas in unserer Freizeit zusammen, was echt toll ist, denn wirklich viele Leute haben wir hier (noch) nicht kennen gelernt.

Der Ort ist wie gesagt leider eher klein und es gibt eigentlich niemanden in unserem Alter. Das war am Anfang sehr schwer fuer mich. Die ersten 2 Monate war ich hier nicht sehr gluecklich. Ich hatte wirklich starkes Heimweh, vor allem auch weil wir die ersten 3 Wochen noch nicht in unserer Wohnung wohnten, sondern bei einer unserer Erzieherinnen und das war „in the middle of nowhere“. ein kleines Cottage zwischen Feldern, Schafen und Zaeunen. Aber dann sind wir hie in den Ort gezogen und konnten uns richtig einleben. Wir wohnen mit einer irischen Frau zusammen in ihrem Haus, in dem sie uns 2 Zimmer vermietet hat. Wir verstehen uns nicht sehr gut und es ist wirklich nicht leicht, mit dieser Frau zusammen zu leben, aber wir sehen sie zum Glueck nicht zu oft, weil sie fast nie da ist wenn wir nach Hause kommen und bis spaet in die Nacht arbeitet, sodass ich eigentlich fast nie mit ihr spreche. Aber das finde ich ganz gut so und bin sonst mit unserer Untrkunft auch total zufrieden.
Beim Einleben haben uns unsere beiden Kollegen wirklich sehr unterstuetzt, uns viel gezeigt, Leuten vorgestellt, das war wirklich toll. Es gibt in Kilcullen leider auch nicht viel, was man machen koennte, da ist mir schon manchmal echt langweilig. Aber Luisa (meine spansiche Mitfreiwillige) und ich haben uns dann wirklich bemueht, uns Aktivitaeten zu suchen, das Umland zu erkunden und die Wochenenden zu nutzen. Dabei ist es echt hilfreich, dass Dublin sehr nahe liegt. Der Bus ist billig und faehrt nur 1 Stunde und das ist echt super. Dublin kene ich nun schon echt gut und fahre dort auch jeden Montag zum „Irish Dancing“ :)

Ich bin wirklich froh, dass es noch eine zweite Freiwillige gibt und wir uns so gut verstehen, sonst wuerde ich mich manchmal echt langweilen. Daher wuensche ich mir manchmal, dass wir im Kindergarten noch mehr zu tun haetten und mein Projekt ein bisschen vielfaeltiger waere, die Projektbeschreibung klang etwas interessanter, aber mittlerweile komme ich gut damit zurecht, so wie es ist.
Ein paar Freunde und Famile haben mich zwischendurch auch immer mal besucht, das hat das einfacher gemacht. Da war dann auch noch zusaetzliche Abwechslung da.

Auf den Trainings (on-arrival und midway) haben wir dann auch andere Freiwillige kennen gelernt, mit denen wir uns jetzt oefter treffen und auch zusammen was unternehmen und verreisen. Dafuer haben wir ja zum Glueck ausreichend Zeit.
Der Kindergarten schliesst naemlich wie die Schulen hier und daher haben wir sehr viel Ferien, was echt toll ist!!:) Ich hatte ueber Weihnachten 2 Ferien, in denen ich auch nach Hause geflogen bin und jetzt ueber Ostern auch wieder 2 Wochen frei hatte. Und zwischendurch haben wir dann immer mal ein verlaengertes Wochenende. Das ist schon toll. Daher habe ich auch schon echt viel von Irland gesehen, konnte mir schon viel angucken und Land und Leute so richtig kennen lernen. Und das lohnt sich bei diesem Land auch wirklich. Es gibt so viele schoene Orte, die Landschaft ist vor allem an den Kuesten echt atemberaubend und die irische Kultur und die Traditionen sind echt interessant. Ich hab mich total in die traditionelle irische Musik verliebt und gehe daher echt gerne zu den „traditional sessions“ in die pubs. Von denen gibt es ja hier genug. Jeder Ort, auch wenn er noch so klein ist, hat mindestens einen Pub! :)

Von der irischen Entspanntheit konnte ich mich hier auch ueberzeugen. Dass die Iren sich fuer alles viel Zeit lassen, stundenlang erzaehlen koennen und eigentlich immer zu spaet kommen stimmt also wirklich! Puenktlich ist hier fast keiner. Daran musste ich mich, vor allem wenn ich Bus fahren wollte, auch erstmal gewoehnen. Eigentlich macht es gar keinen Sinn, zur geplanten Abfahrtszeit am bus stop zu stehen, der Bus kommt eh zu spaet.. meistens so 10-15 Minuten, aber ich habe auch oft schon eine halbe oder dreiviertel Stunde gewartet! Aber mittlerweile ist das fuer mich normal.
Mit dem irischen Wetter, muss ich sagen, bin ich eig. ganz zufrieden. Es hat zwar vor allem im Winter wirklich sehr viel geregnet, aber seit ueber einem Monat scheint fast nur die Sonne. Alles in allem hatte ich mehr Regen erwartet. Mir sagen hier aber auch alle, dass ich grosses Glueck habe, weil der Herbst und auch jetzt der April so trocken waren! Nach dem langen dunklen Winter bin ich jetzt auch wirklich froh, dass Fruehling ist. Alles ist gruen (so richtig irisches Gruen) und alles blueht. Da sind auch die Menschen alle gleich viel froehlicher.

Im Juni findet hier ein Arts Festival statt, zu dem ein Musical aufgefuehrt wird, bei dem wir jetzt auch mitmachen. Wir singen im Chor und haben jetzt schon sehr viele Proben und im Juni dann die Open Air-Auffuehrung. Das macht echt Spass und fuellt noch ein bisschen mehr unsere Freizeit.

Ich freue mich sehr auf die verbleibende Zeit hier in meinem Projekt und auf den kommenden Sommer. Wenn ich mir ueberlege, dass nun schon Ende April ist und wie schnell die Zeit vergangen ist, werden die 2 Monate nun sicher auch im Flug vergehen, aber es werden sicher 2 schoene Monate, in denen wir ganz viel Zeit mit den Kindern draussen in der Sonne verbringen koennen und ich hoffentlich Irland noch ein bisschen besser kennen lernen kann.

Sophie

 

Schlussbericht Sophie

Vor 4 Monaten bin ich nun schon aus Irland und von meinem 10-monatigen Freiwilligendienst im Kildare Steiner Kindergarten zurückgekehrt. Wie auch schon ausführlich in meinem Zwischenbericht beschrieben hab, habe ich dort als Assistentin in einem Waldorf-Kindergarten gearbeitet. Ich habe mit einer Erzieherin zusammen eine Gruppe von bis zu 12 Kindern betreut und somit täglich die Kinder beaufsichtigt, mit ihnen gebastelt und gekocht, Geschichten vorgelesen und Spiele gespielt. Wir haben täglich gemeinsam gesungen, das Mittagessen zubereitet und gemeinsam gegessen und während der so genannten outside-time den Garten gestaltet, mit Naturmaterialien gebastelt oder Gemüse und Obst angepflanzt und geerntet.

Ich war also im täglichen Ablauf eine Hilfe für die Erzieherin und Leiterin meiner Gruppe und eine wichtige Vertrauensperson für die Kinder. Zu besonderen Anlässen habe ich ebenfalls puppet shows oder Festivals wie den Laternenumzug zum Martinsfest oder das christmas play an Weihnachten vorbereitet und geholfen, diese durchzuführen. Wenn ich so zurückblicke, kann ich sagen, dass mir die Arbeit sehr viel Spaß gemacht hat und die Kinder mir sehr ans Herz gewachsen sind. Ich habe viel über die Betreuung von Kindern in Allgemeinen und natürlich die Waldorfpädagogik gelernt und fand es sehr interessant und spannend.

Ich hatte meistens die Wochenenden frei und auch dann Urlaub, wenn es im Kindergarten Ferien gab, sodass ich sehr viel Zeit hatte, um Irland zu erkunden und zu reisen. Ich habe dadurch sehr viel von Irland gesehen und konnte Land und Leute richtig gut kennen lernen, was ich wirklich toll fand. Somit war mein „Jahr“ in Irland nicht nur von meiner Arbeit im Kindergarten geprägt. Teilweise fühlte es sich eher an wie ein „bezahlter Urlaub“. Ich habe täglich maximal von 8 bis 15 Uhr, meistens weniger, selten auch mehr, gearbeitet. Ich habe mich daher manchmal nicht ganz ausgelastet gefühlt und hätte gerne mehr zu tun gehabt, denn der Ort Kilcullen, in dem ich lebte, war doch eher klein und nicht sehr belebt und manchmal kam unter der Woche Langeweile auf und es war schwer, sich Freizeitaktivitäten zu suchen und Gleichaltrige zu treffen. Allerdings hatte ich nur durch diese viele Freizeit die Chance, einen wöchentlichen Tanzkurs in Dublin mitzumachen und war sehr schnell begeistert vom Irish Dancing, was mir richtig großen Spaß gemacht hat.

Ich war auch nicht die einzige Freiwillige in meinem Projekt, zum Glück gab es Luisa aus Spanien. Wir haben zusammen gewohnt und uns sehr gut verstanden. Ohne sie wären die 10 Monate wahrscheinlich langweiliger gewesen. Luisa und ich sind gemeinsam durch Irland gereist und haben nebenbei versucht, uns gegenseitig Deutsch und Spanisch beizubringen. Mit Luisa verbinde ich auch noch viel mehr als eine enge Freundschaft. Sie hat die meisten meiner Erlebnisse – die vielen guten, aber auch einige schlechte – miterlebt und teilt deswegen alle meine Erinnerungen an Irland. Wir haben immer noch Kontakt, was wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben wird, da wir einfach so viel zusammen erlebt und auch „durchgemacht“ haben. Ich finde das wirklich schön, denn ich habe wahrscheinlich eine Person gefunden, die mein ganzes Leben eine gute Freundin bleiben kann.

Zugegeben – der Anfang war schwer. Ich hatte Zweifel, ob der Freiwilligendienst die richtige Entscheidung war, ich hatte Heimweh und die langwierige Suche nach einer Wohnung für Luisa und mich war deprimierend. Für kurze Zeit war ich wirklich sehr unglücklich. Zuerst wohnten wir für drei Wochen bei einer unserer Erzieherinnen, die sehr abgelegen auf dem Land in einem kleinen Cottage wohnte. Nach 3 Wochen konnten wir dann endlich in eine Wohnung in der Stadt ziehen und uns richtig einleben. Danach hatte ich bis auf einige Streitereien mit unserer Mitbewohnerin, die auch unsere Vermieterin war, zum Glück keine ernsthaften Probleme mehr.
Meine Arbeit hat mir wirklich die ganze Zeit großen Spaß gemacht und auch mit meinen Kollegen habe ich mich sehr gut verstanden. Die ganze Gemeinschaft der Lehrer und Eltern von Schule und Kindergarten haben uns sehr herzlich aufgenommen und unglaublich stark unterstützt.

Ich bin froh, dass ich trotz dieser Startschwierigkeiten dort geblieben bin und meinen Freiwilligendienst beendet habe, denn ich hatte so viele wertvolle Erfahrungen und schöne Erlebnisse, die das alles wieder wett gemacht haben und deshalb kann ich allen nur raten, sich nicht von schweren Zeiten entmutigen zu lassen, denn die gehen wieder vorüber und am Ende der Zeit erinnert man sich an diese sowieso viel schlechter als an die schöneren.
Ich glaube, es hat mir viel gebracht, dass ich das durchgestanden hab und ich hab bei diesem ganzen Prozess, sowie während der ganzen Zeit in Irland unglaublich viel über mich selbst gelernt. Mir fällt es jetzt viel leichter, auf fremde Menschen offen zu zugehen und selbständiger bin ich natürlich auch geworden. Außerdem habe ich viel mehr Verlangen danach, möglichst viel von der Welt zu sehen und andere Kulturen kennen zu lernen. Ich kann schon sagen, dass mich seit meiner Rückkehr ein gewisses Fernweh plagt, was ich vorher nicht kannte.

Irland kann ich als Land für einen Freiwilligendienst wirklich nur empfehlen, und das nicht nur wegen der wirklich einmaligen pub culture. Preise für Wohnen und Lebensmittel sind sehr hoch, aber es ist sehr leicht und billig, Irland mit Bus und als Backpacker zu erkunden und es gibt einfach unglaublich viel zu sehen und zu entdecken! Die Landschaft ist unbeschreiblich schön, an manchen Ecken kann man unglaubliche Weiten ganz für sich alleine genießen und überall gibt es alte Schlösser, Burgen und noch ältere Ruinen und Überreste aus keltischen Zeiten.

Wirklich toll zu entdecken sind auch die irische Gastfreundschaft und die irischen Traditionen, die in dem Land noch so lebendig sind, dass sich immer noch regelmäßig Musiker selbst in den kleinsten abgelegensten Pubs zum Musizieren treffen und die Zuhörer zum Mitsingen eingeladen werden. Alt und Jung sitzen und spielen zusammen und alle kennen die gleichen alten traditionellen Lieder und fast jeder Ire kann mindestens ein Instrument spielen, wirklich beeindruckend!

Da Irland nicht so dicht besiedelt ist, würde ich allen empfehlen, sich ein Projekt mit mehreren Freiwilligen zu suchen, wenn sich dieses in einer Kleinstadt oder auf dem Land befindet. Bei Städten wie Galway oder Dublin sieht das natürlich anders aus... Auf der anderen Seite bin Ich froh, meinen Freiwilligendienst nicht in einer großen Stadt wie Dublin gemacht zu haben. Durch das Leben in der Kleinstadt habe ich noch mehr von der typischen irische Kultur erleben und die abgelegenen ländlichen Pubs kennen lernen können, was z.B. in Dublin wo man von Touristen umgeben ist, nicht möglich gewesen wäre.
Weitere tolle Erlebnisse waren die Aufführung des Musicals „Mikado“, bei der ich mitgesungen und -getanzt hab, die zahlreichen Trips in und durch Irland, die ich per Bus oder Anhalter gemacht hab und bei denen ich so viele tolle und interessante Menschen aus der ganzen Welt kennen lernen durfte, das Reiten am Strand im Nordwesten Irlands und natürlich zahlreiche unvergessliche Abende im Pub mit schöner Musik.

Am schönsten jedoch war die Dankbarkeit Kinder zu spüren, an der ich die Bedeutung meiner Arbeit merken konnte und zu wissen, etwas wirklich hilfreiches und sinnvolles zu tun, indem ich 10 Monate für die Kinder da war. Besonders bewusst wurde mir dies beim Abschied, denn dieser war wirklich schwer, als ich merkte, wie traurig die Kinder waren, dass sie mich nach den Ferien nicht wiedersehen würden und als der kleine Raymond zu mir sagte: „I wanna be Sophie's baby!“.
Ich möchte wirklich gerne bald wieder nach Irland reisen und Kinder wiedersehen. Darauf freue ich mich schon sehr!

Sophie