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Schlussbericht Luise

Von September 2006 bis September 2007 war ich in dem Musikclub Perron55 in Venlo, einer Stadt an der Grenze zu Deutschland, als European volunteer tätig. Unter der Woche habe ich langweilige Arbeiten erledigt wie Poster und Flyer verschicken, dafür war die Arbeit am Wochenende umso spannender: Bei einer Party hinter der Bar stehen, für eine Band die Monitore (womit sie sich selbst hören) abmischen oder für eine der bekanntesten niederländischen Techno-DJs die Lichtshow machen. Ich konnte Bands aus aller Welt kennen lernen und erfahren, wie viel Arbeit nun eigentlich hinter einer einzigen Veranstaltung steckt. Sicherlich wusste ich auch schon vor meinem Freiwilligenjahr bereits ein bisschen über Organisation und Aufwand für Bandauftritte und dergleichen, aber in Venlo war dies schon noch einen Tick professioneller- obwohl die Shows am Wochenende hauptsächlich mit der Hilfe von etlichen Freiwilligen aus Venlo und Umgebung stattfanden. Jener Umstand ermöglichte es mir auch sehr schnell Anschluss an Gleichaltrige zu knüpfen, wodurch die Integration umso leichter fiel. Zudem hatte ich dadurch Menschen, mit denen ich über meine Probleme mit meinem Mentor und meinem Chef sprechen konnte. Einen Tutor gab es zwar auf dem Papier, doch selbst der war kein neutraler Beobachter. Zudem hast du mir auch sehr weitergeholfen, vor allem als du mir per E-Mail gleich zu Beginn meines Dienstes klar machtest, dass mein Mundwerk tatsächlich manchmal zu groß ist. Ich versuchte, mein Verhalten und meinen Ton dementsprechend anzupassen, was mir laut meines Mentors auch gelang. Die schwierige Anfangszeit mit Mentoren- und Teammitgliedswechseln war also überstanden und viele Monate war ich mit Leib und Seele zusammen mit dem Team und den Freiwilligen dabei, Perron55 wieder auf einen guten Kurs zu bringen (zwischenzeitlich gab es Auftritte bekannter Bands, zu denen gerade einmal 15 Zuschauer kamen).
Kurz vor der Sommerpause dann, in welcher wir renovierten, kamen alte Verhaltensmuster- sowohl von mir als auch von meinem Mentor- wieder zutage, in einer Diskussion darüber, dass ich mal wieder einen freien Freitag nach Monaten haben wollte. Aus der Diskussion wurde ein schreiender Monolog meines Mentors (bei dem mir verboten wurde, mein "großes Maul" aufzureißen) über mich, die die egoistischste, egozentrischste und narzisstischste Person der Welt sei. Daraufhin beschloss ich, nicht wie geplant erst Ende September sondern bereits Anfang September abzureisen und damit auf meinen Urlaub im August zu verzichten, um jenen auf den September zu verlegen. Im Nachhinein meinte mein Mentor, dass er diese "Diskussion" gar nicht als so schlimm empfunden hätte, doch für mich, die jede Woche mindestens 40 Stunden bei Perron verbrachte, die ihr Zimmer für die neue EVSerin frühzeitig aufgegeben hätte und jene noch einarbeiten wollte, die immer da war, wenn sie mich brauchten, war sehr gekränkt, enttäuscht und niedergeschmettert. Na ja, mit meinem Mentor habe ich mich im Guten getrennt, weil er sich schließlich dann doch mal die Zeit genommen hat, sich mit mir darüber zu unterhalten. Doch die Debatte über meine Bezahlung, die meine Entscheidung für eine frühzeitige Abreise nach sich gezogen hat, zerschnitt den letzten sehr dünnen Faden zu meinem Chef Ernst Jan, der es mochte, mich vor aller Augen auf unterstem Niveau zu demütigen und sich selbst als der tollste, klügste und redlichste Boss sah (leider nicht nur er selbst: auch viele andere Freiwillige, die ihn nicht so kannten wie ich, dachten das über ihn), obwohl er letztendlich nichts anderes als ein selbstgefälliger, arroganter, berechnender, kolerischer tyrannischer Faschist ist, vor dem selbst die anderen beiden Teammitglieder (u.a. mein Mentor) Angst haben. Ich hoffe wirklich, dass ich niemals in meinem Leben wieder so einen Chef haben werde. Mit Gijs, meinem Mentor, konnte ich wenigstens noch reden, nachdem sich die Köpfe abgekühlt hatten. Aber Ernst Jan hat an meiner Seele eine tiefe Narbe hinterlassen, die selbst jetzt noch ab und zu aufreißt. Ich bin sehr sensibel und vielleicht war es gut, so etwas (ich möchte ihn schon kaum mehr als "jemanden" beschreiben) erlebt zu haben, denn eine dicke Elefantenhaut zu haben ist sehr nützlich im Leben und ein Häutchen bin ich dem in jedem Fall näher gekommen. Letztendlich bereue ich meinen Schritt, nach Venlo zu gehen, überhaupt nicht, schon allein wegen all der Dinge, die ich lernen durfte (z.B. Licht- und Tontechnik, Niederländisch). Im Gegenteil: Ich bin stolz auf mich, dass ich das 12 Monate lang durchgezogen habe. In diesem Sinne noch einmal ein Dankeschön an dich, René, für all die Unterstützung.

Tot ziens, Lui