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Zwischenbericht Katrin

So, nun ist schon über die Hälfte der Zeit in meinem Projekt um. Ich habe es lange heraus gezögert diesen Bericht zu schreiben, denn ich habe einfach keine Ahnung was ich eigentlich schreiben soll ? es ist zu viel passiert!

Wo bin ich?
Ich bin auf jeden Fall in Finnland. Genauer in Kauniainen, einem Ort ca. 18 km von Helsinki entfernt. Innerhalb von 45 min. ist man im Zentrum von Helsinki.
Ich arbeite hier in der Työväen Akatemia. Die Akatemia werde ich jetzt nicht detailliert beschreiben, da Tamara Jelinski (meine Vorgängerin) dies bereits getan hat und ich ihren Bericht auszugsweise eigentlich kopieren könnte, hier hat sich seit dem letzten Jahr nicht viel verändert.

Und was mache ich eigentlich hier?
Meine Arbeit besteht daraus, morgens das Licht in der Bibliothek an zuschalten, die Post für die Bibliothek zu holen, die Magazine einzuordnen, zurück gebrachte Bücher im Computer zu erfassen, den lieben langen Tag Fotos zu scannen oder (sogar noch langweiliger) das Archiv auf Vordermann zu bringen. Alles in Allem nicht sonderlich aufregend ? eher das Gegenteil.
Im Sommer als ich hier angekommen bin, haben Iván (der andere Freiwillige im Projekt) und ich Bäume gefällt und zerstückelt, Rasen gemäht, usw. - da gab es wenigstens noch ein bisschen Action.

Die Akatemia selber ist wirklich schön. Um die Gebäude herum ist alles grün und obwohl es nicht weit von der Stadt entfernt ist, befinde ich mich an einem sehr ruhigen Fleckchen Erde. Meine Unterkunft ist auch in Ordnung. Ich habe ein kleines Zimmer mit eigenem Bad in der Pieni Asuntola, dem kleinen Studentenwohnheim der Akatemia. (Es gibt zwei Studentenwohnheime ein großes und ein kleines die Iso Asuntola und die Pieni Asuntola).
Das Essen, welches ich im Restaurant bekomme ist gut und ich leide definitiv keinen Hunger!

Die Freizeit oder: alles außerhalb der Arbeit
So, jetzt komme ich zu dem Teil der mir am Besten gefällt!
Zuerst war ich in der Akatemia etwas alleine. Die Studenten waren nie da und wenn sie einmal erschienen sind sie so schnell wieder ab getaucht, dass es keine Chance gab sie besser kennen zu lernen. Iván verschwand jeden Nachmittag nach Helsinki um seine Freundin zu treffen und sonst kannte ich niemanden.
Nach dem On-arrival-training hat sich das verändert. Ich habe einige wirklich gute Freunde unter den anderen Freiwilligen gefunden und mit den Studenten ergaben sich auch immer mal wieder kurze Gespräche.
Ich habe zwischen Oktober und Anfang Dezember Sightseeing betrieben und bin nach Oulu, Tallinn, Hämmenlinna und Tampere gefahren.
Im Dezember fingen dann die Partys hier im Wohnheim an und so wurde der Kontakt zu meinen lieben Mitbewohnern noch etwas leichter.

Nach Weihnachten kam dann der Umbruch.
Zum einen weil ich Weihnachten zusammen mit einigen Freunden/Freiwilligen in Rovaniemi verbracht habe, Silvester in Helsinki und danach noch mit einer Freundin in Stockholm war. - Besser hätte das Jahr nicht anfangen können! -
Zum anderen, weil ich danach mit meiner Mentorin über meine Aufgaben besprochen habe und sie ihr OK für ein Projekt gegeben hat an dem ich (leider) immer noch herum feile.

Seit Januar nehme ich am Englischunterricht hier in der Akatemia teil, wodurch ich die Studenten wiederum besser kennen lerne und mein Gehirn mit etwas sinnvollem füttere! Ich nehme an den Kursen Medieval Literature, Akademic Writing und Speaking Skills teil gute Mischung wie ich finde und es ist eine wunderbare Abwechslung zu meiner ungemein aufregenden und schwierigen Arbeit!
Außerdem habe ich Anfang Februar einen Schwertkampfkurs angefangen. Ich weiß, dieses Hobby ist etwas ungewöhnlich, doch ich habe mich schon ewig dafür interessiert, es macht SO viel Spaß, ich lerne neue Leute kennen und tue etwas für meine Fitness.

Ein kostenloser Tipp für alle angehenden Freiwilligen: Sucht euch so schnell wie möglich ein Hobby und wartet nicht so wie ich bis zur Halbzeit!

Durch all die kleinen Veränderungen hat sich meine Leben hier erheblich verbessert. Ich kann nicht sagen, dass ich ein wirklich schreckliches Tief hatte aber wenn man sich am Ende richtig eingelebt hat macht dies schon ein großer Unterschied!

Seit ich realisiert habe, dass ich nur noch 3 Monate in Finnland verbringen werde, es mir im Moment richtig gut geht, ich mich so langsam mal um einen Studienplatz bewerben muss und die unbeschwerte Zeit bald wieder vorbei ist möchte ich die Zeit am Liebsten anhalten!

Der bekannte Satz "Wenn es am schönsten ist soll man aufhören" scheint genau zu passen. Nach diesem Satz zu handeln passt mir nur leider überhaupt nicht!

Katrin

 

Schlussbericht Katrin

So, es kann nicht geleugnet werden: Ich bin zurück in Good Old Germany. Seit 4 Monaten bin ich jetzt schon wieder hier, mein Studium hat gerade begonnen - wieder eine aufregende Zeit - und alles noch fern der Normalität.
Doch, egal was passiert, wie viel ich erlebe und so schön die letzten Wochen auch waren, ein Gefühl bleibt. Das leichte (doch immer stärker werdende) "Heimweh" nach Helsinki. Die restlichen 4 (offiziell 3) Monate nach meinem Zwischenbericht waren einfach unübertrefflich!

Bei der Arbeit hat sich nichts verändert. Ich habe weiter in der Bibliothek gearbeitet und stand dabei einige Male kurz vor einem Wutausbruch, da der Bibliothekar mir tierisch auf die Nerven gegangen ist.
So einige seiner Anweisungen erschienen mir unsinnig (z.B. im Sommer das Lichteinschalten morgens um 8:30, wenn es komplett hell ist und man ohne künstliches Licht sehr gut siehtů). Es waren einfach unsinnige aber sich summierende Kleinigkeiten. Egal, ich habe mich mit der Situation engagiert. Es war auch nicht all zu tragisch, da die Zeit bis 15 Uhr (Feierabend) meistens relativ schnell vergangen ist.
An einigen Tagen habe ich auch Marja (meine Mentorin) begleitet wenn sie Besorgungen für die Akatemia machen musste. So etwas hat den Alltag etwas aufgelockert.
Einmal durfte ich einen ganzen Tag lang einer Fotografin helfen, die Fotos vom Gelände der Akatemia und auch von einigen Studenten machen sollte. Das war wirklich sehr interessant und hat super viel Spaß gemacht.

Zu Ostern war ich bei Maria (auch eine deutsche Freiwillige von IFAP) in Kokkola. Wir haben typisch deutsche Ostern gefeiert und uns auch vom Schnee nicht abhalten lassen, draußen nach Eiern zu suchen. :)
Im Sommer, haben Ivan und ich dann den Auftrag bekommen einen kleinen Pavillon von seiner alten Farbe zu befreien und danach zu streichen.
Diese Aufgabe hat wirklich viel Zeit in Anspruch genommen (insgesamt 3 Wochen). Das nicht 100%ig richtige Werkzeug, Regen und eine wirklich sehr hartnäckige Farbe waren die Hauptursachen dafür. Nach einigen Tagen bekamen wir dann noch zusätzliche Hilfe von Ieva, der neuen Freiwilligen der Työväen Akatemia. Die Zusammenarbeit hat wirklich Spaß gemacht und es war schön, Zeit an der frischen Luft statt im Keller zu verbringen.

Zusätzlich habe ich auch noch an den Englischkursen teilgenommen. Genau das Richtige. Mit den Studenten hat es (unter anderem dadurch) immer besser und besser (also gut) geklappt und das Lesen und Besprechen von Büchern war toll. Lag wahrscheinlich zum Teil an dem interkulturellen Mix im Kurs. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich an mein Englisch verbessert habe während ich in Finnland war...
Mein Finnisch ist leider immer noch nicht gut. Um ehrlich zu sein ist mein Finnisch grotten schlecht und fast nicht vorhanden!!
Ich bin einfach nicht gezwungen gewesen es zu sprechen, da jeder Englisch oder sogar Deutsch kann.

Das Beste war allerdings, die Zeit beim Training!
Meine neue Leidenschaft historischer europäischer Schwertkampf (Kampfsport original rekonstruiert aus mittelalterlichen Manuskripten - Kein Schaukampf). All die Leute, die ich dort kennen lernen durfte, mit denen ich mich angefreundet habe und diese riesige Menge Spaß waren der absolute Hammer!!! Kann mir nicht vorstellen, jemals wieder ohne zu leben!

Das Ganze: also meine Zeit während des Europäischen Freiwilligendienstes in Finnland ist einfach nicht in Worte zu fassen, dazu waren es viel zu viele neue Eindrücke und Erfahrungen die ich gesammelt habe.
In der Zeit habe ich viel dazu gelernt und erlebt, gelacht, super viel Spaß gehabt, bin unabhängiger geworden, habe mich selber noch besser kennen gelernt, habe (durch eine andere Perspektive und Menschen aus den verschiedensten Ländern) Europa kennen gelernt und gehe jetzt auch mehr auf Leute zu.
Alles in allem war es einfach die beste Zeit meines Lebens!!!
Also, wenn es nach mir geht, werde ich bald wieder einige Zeit in Finnland verbringen.

Katrin

P.S. Viel Glück für euren EFD!