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Schlussbericht Rico

War es so wie du es dir vorgestellt hast? Natürlich nicht - viel, viel besser, wenn auch wirklich drastisch anders.

Ich bin zum Profi-Freiwilligen avanciert, während meiner Zeit in Ungarn. Obwohl eigentlich alles sehr merkwürdig begann.
Noch an meinem erstem Abend (nach einem glorreichen Dinner mit zukünftigen Vorgesetzten und Kollegen) fragt mich meine neue Freiwilligenkollegin: "Soll ich dir jetzt mal die Wahrheit erzählen?" Daraufhin höre ich eine Schauergeschichte über die Zustände des Projektes. Von Nichtstun bis Korruption und das morgen die ungarische Nationalagentur komme um endlich mit dem Ganzen aufzuräumen. Darauf wurde ich gelassen in die zahlreichen Lücken des Programms eingewiesen, es wurde ein neues Projekt für mich gesucht und ich war erstmal arbeitslos.
Glücklicherweise weiß ich immer meine Zeit sinnvoll zu nutzen, reiste herum und konnte mich nicht beklagen, ich fand schnell Anschluss in Nyíregyháza und zog nach zwei Monaten nach Debrecen, zweitgrößte Stadt des Landes, um.
Dort in meiner neuen Organisation begann ich auch sehr optimistisch meine neue Tätigkeit. Nebenbei konnte ich das Leben genießen und gemeinsam mit den Freiwilligenkollegen nahm ich an EU-Jugendaustauschen in der Slowakei und in der Türkei, teil. Dazu knüpfte ich Kontakte zu anderen Organisationen in Debrecen im Zusammenhang mit EFD, schnell baute ich mir ein Netz von Aktivitäten im Zusammenhang mit dem EU-Programm. Ich fuhr zu den zahlreichen Treffen, unternahm verschiedene Präsentationen, organisierte drei Jugendaustausche in Ungarn. Mit den anderen Freiwilligen schlossen wir schnell eine Art Netzwerk und waren somit ständig im Land unterwegs. Ich habe also wirklich an außerordentlich vielen wirklich interessanten Treffen, Konferenzen, Seminaren, Austauschen u.ä. mitgemacht. Konnte dadurch im ganzen Land herumreisen, hatte mehr Freizeit als ich mir je erträumt hätte. Leider muss man aber dazu sagen, dass mein (ursprüngliches) EFD im eigentlichen Sinne fast nicht stattfand. In der Organisation, die zwar sehr erfolgreich arbeitete, war einfach kein Platz für einen Freiwilligen wie mich.
Selbstverständlich war ich also nicht so arbeitsmäßig aktiv, wie ich mir das vorgestellt hätte, allerdings hatte ich eine gigantische Zeit, nie zuvor bin ich mehr gereist, habe mehr unternommen. Anfangs verwundert, arrangierte ich mich mit dieser spannenden Situation, und hatte bis dato wahrscheinlich die beste Zeit meines Lebens während meiner Zeit in Ungarn. So habe ich die Philosophie des EFD wirklich gelebt in Ungarn und mir dort ein richtiges neues Leben aufgebaut. Ich habe mehr gelernt in dieser Zeit in Ungarn, als in den Jahren in der Schule zuvor. Die beste Zeit meines Lebens bis dahin liegt hinter mir und immer noch andauert. Seid dem Ende meines EFD habe ich in Debrecen ein Auskommen als Deutsch-Lehrer, sodass ich meinen Aufenthalt verlängern konnte und noch ein wenig dort auch bleiben werde. Ich kann ich es kaum erwarten wieder in meine neue Heimat zurückzukehren, schließlich muss ich in der übernächsten Woche wieder dort meine Stunden geben...
Und mit der schwersten Amtsprache der EU und der zweitschwersten der Welt klappt es ganz gut, auch wenn ich weit davon entfernt bin wie ein Profi zu sprechen, für einfache Kommunikation reicht es allemal, noch dazu hat sich mein Englisch perfektioniert, da das die Lingua franca unter den Freiwilligenkollegen ist.

Rico