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Schlussbericht Ralf

Warum EVS in Polen?

"Warum eigentlich ausgerechnet Polen?"- das ist wohl eine der, vorallem von polnischen Bürgern am häufigsten gestellten Fragen während des Freiwilligendienstes. Ja, warum eigentlich nicht? Polen ist, entgegen allen Stereotypen und Vorurteilen ein sehr reizvolles, überaus interessantes Land. Es ist ein Land der Kontraste und Brüche: einsame, gottverlassene Landstriche und pulsierende Städte im Aufbruch. Polen, so wie ich es erfahren habe, ist ein sehr junges, offenes Land. Die Leute, denen man begegnet sind zumeist kontaktfreudig und aufgeschlossen und es sollte nicht allzu schwer Fallen neue Bekannte und vielleicht sogar Freunde zu finden. Zudem ist Polen ein Land, das nach meiner Auffassung touristisch zu unrecht noch relativ unentdeckt ist- das macht aber gerade auch seinen Reiz aus. Es gibt hier noch einiges Neues zu entdecken. Sicher, die Sprachbarriere- und Polnisch gehört (darüber braucht man sich keine Illusionen zu machen) mit Sicherheit zu einer sehr schwer erlernbaren Sprache- ist ein nicht zu vernachlässigendes Problem, insbesondere in der Anfangszeit. Aber das sollte einen auf keinen Fall abschrecken. Mit ein wenig Englischkenntnissen (z.T. verstehen die Leute auch deutsch) und Mut die ersten erlernten Polnischkenntnisse anzuwenden (dieser wird zumeist honoriert) ist auch diese Hürde zu meistern.

Wroclaw- Miasto spotkan: Stadt der Begegnung

Nun ist die Wahl des Landes zwar nicht unbedeutend, denn sie prägt naturgemäß den Alltag des Freiwilligen: die Sprache, die landestypischen Gewohnheiten, die Umgangsformen, das Essen, eben im weitesten Sinne die Kultur sind sicher bei der Wahl des Projektes ein nicht zu unterschätzender Faktor. Da wie bereits erwähnt, Polen aber durch eine große Vielfalt gekennzeichnet ist und der Ort an dem man die meiste Zeit verbringen wird in diesem Fall Wroclaw ist, möchte ich einige der zahlreichen Angebote dieser Stadt näher beschreiben. Vorab kann man aber schon festhalten, das es eine gute Wahl war.
Wroclaw/Breslau ist mit seinen ca. 635.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Polens und die Hauptstadt Niederschlesiens. Sie kann auf eine mittlerweile tausendjährige Geschichte zurückblicken, die das Stadtbild, insbesondere die Innenstadt noch heute prägt. Ein Höhepunkt des historischen Stadtkerns stellt zweifelsohne der Rynek (polnische Bezeichnung für einen ringförmig angelegten Marktplatz, wie er in vielen Städten Polens zu finden ist) mit dem Rathaus dar, das wohl zu einem der wunderbarsten gotischen Bauwerke Europas gezählt werden kann. Einen besonderen Reiz stellt die Flußlage der Stadt dar. An der Oder gelegen, laden die zahlreichen Inseln und Brücken in Breslau zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Dabei sind der Botanische, der Zoologische und der Japanische Garten nur drei Beispiele für den großen Anteil an Grünflächen, die diesen noch angenehmer gestalten. An Kulturdenkmälern und Sehenswürdigkeiten seien hier exemplarisch nur die Hala Ludowa (Jahrhunderthalle), eine riesige zum Unesco Weltkulturerbe zählende Kuppelhalle in denen unterschiedlichste Veranstaltungen stattfinden, das Panorama Raclawice, ein beeindruckendes Rundgemälde sowie die alte Universität mit ihren prunkvollen Sälen genannt. Weiteres kann man in der Touristeninformation auf dem Rynek in Erfahrung bringen.
Wroclaw ist auch daher historisch besonders interessant und dass ist auch für das Leben hier nicht unwesentlich, da es, wie einige andere polnische Städte auch, noch vor Ende des 2. Weltkrieges eine Stadt mit überwiegend deutscher Bevölkerung gewesen ist. 1945 erfolgte als Reaktion auf den Krieg die Vertreibung der kompletten deutschen Bevölkerung und die Neubesiedlung der Stadt, vorwiegend mit Bewohnern aus dem damaligen Ostpolen. Für mich ebenso faszinierend, wie unverständlich, wie es möglich ist, dass sozusagen von einem Tag auf den anderen eine deutsche zu einer polnischen Stadt wird. An diesem Punkt entzündet sich auch heute noch die Debatte über den Namen der Stadt: Breslau oder Wroclaw- die historischen Begebenheiten im Hinterkopf, kann man sich die Implikationen des eigenen Umgangs mit dem Namen bewusst machen.
Wroclaw ist jedoch nicht nur in historischer Hinsicht und in Bezug zu seinen Sehenswürdigkeiten interessant. Auch das Nachtleben, für das trotz des Freiwilligendienstes, insbesondere am Wochenende, noch genügend Zeit bleibt, lässt kaum Wünsche offen. Wroclaw lädt mit seinen zahlreichen gemütlichen Kneipen und Clubs (besonders empfehlenswert sind m.E. Mleczarnia, Kawiarnia, Czeski Film, Bezscenosc und Maniana) zum einen oder anderen Piwo ein. Auch das kulturelle Angebot, ob Kino, Theater (setzt natürlich ausreichende Polnischkenntnisse voraus), Vorträge etc. ist reichhaltig und erschwinglich.
Nun aber zum wichtigsten Teil des Abschlussberichts: Arbeit und Leben im Edith-Stein-Haus in Wroclaw. Bevor ich auf meine persönlichen Erfahrungen, auf Vorzüge und mögliche Komplikationen eingehe, möchte ich das Edith-Stein-Haus und seine kulturelle Bedeutung kurz vorstellen.

Das Edith-Stein-Haus

Das Edith-Stein-Haus versteht sich als ein Ort des interkulturellen und interkonfessionellen Austauschs. 1990 von der Edith-Stein-Gesellschaft erworben und seit 1996 nach aufwendigen Restaurationsarbeiten nahezu vollständig instant gesetzt, verfolgt die Gesellschaft hier folgende Hauptziele: die Förderung des

  • Jüdisch-christlichen Dialogs
  • der deutsch-polnischen Verständigung
  • sowie der zivilgesellschaftlichen Entwicklung
Das Edith-Stein-Haus in Wroclaw war die Villa der Familie Stein in der die berühmte Namensgeberin 23 Jahre ihres Lebens verbracht hat. Edith Stein- in Deutschland zugegebenermaßen nicht so sehr bekannt (mir zumindest sagte der Name nichts) ist insbesondere in katholischen Gegenden (und damit natürlich auch in Polen) eine berühmte Persönlichkeit. Als jüdische Tochter eines Holzhändlers geboren, konvertierte sie gegen den heftigen Widerstand, insbesondere ihrer Mutter, nach intensiver Beschäftigung mit der christlichen Religion zum Katholizismus. Nach dem Universitätsstudium der Psychologie, Germanistik und Philosophie an der Breslauer Universität promovierte sie als eine der ersten Frauen in Polen bei dem berühmten Phänomenologen Edmund Husserl. Nach der Machtübernahme Hitlers siedelte sie nach Köln über und trat dort unter dem Namen Teresia Benedicta a Cruce dem Orden der Karmelitinnen bei. Nach den Novemberprogromen 1938 floh sie mit ihrer Schwester Rosa in den Karmelitinnenorden nach Echt in den Niederlanden. Hier wurden sie im August 1942 von der Gestapo verhaftet und nach Ausschwitz deportiert, wo sie beide ermordet worden sind. 1987 wurde Edith Stein von Papst Johannes Paul II. selig und 1998 heilig gesprochen. Neben Brigitta von Schweden und Katharina Siena ist sie eine der drei Patroninnen Europas.
Die Arbeit im Edith-Stein-Haus lässt sich jedoch keineswegs auf die historische Auseinandersetzung mit der zweifellos auch gerade in den Widersprüchlichkeiten und Brüchen der Person Edith Stein aufscheinenden interessanten Vita beschränken. Zum Aufgabenspektrum des Freiwilligen zählt zwar auch die Beschäftigung mit der Geschichte Edith Steins und des Hauses, da sie es sind die gelegentlich Führungen insbesondere deutscher Gruppen durchführen. Das Edith-Stein-Haus versteht sich jedoch nicht als Museum sondern als aktiver Ort der Begegnung. Mit einer Nutzfläche von 1250 qm bietet das ESH auf 4 Geschossen ausreichend Platz für Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Sprachkurse und kulturelle Veranstaltungen unterschiedlichster Art. Die dritte Etage verfügt über Gästezimmer für Freiwillige, Studierende und junge Wissenschaftler unterschiedlicher Nationalität. Neben der zweiten Etage, die mit dem Salon (dem wohl representativsten und größten Raum im ESH) sowie mit den ehemaligen Zimmern von der Mutter Ediths Auguste sowie der Schwester Rosa ausgestattet ist, wird vorallem der Kulturkeller (Piwnica kulturalna) für die Veranstaltungen genutzt. Hierbei handelt es sich um einen geräumigen, sanierten Keller, der neben dem offiziellen Angebot des Hauses ausreichend Platz für kreative Betätigung aller Art bietet. Die mit seiner modernen Glasfassade ausgestattete und dadurch futuristisch anmutende, nachträglich aufgesetzte vierte Etage des Hauses beherbergt sowohl die Büros der Programmabteilung -deinen zukünftigen Arbeitsplatz- als auch die Gemeinschaftsküche der Hausbewohner (die jetzt jedoch in das Erdgeschoss verlegt wird) und die gemeinsame Waschküche mit Waschmaschine und Trockenraum. Das Erdgeschoss schließlich enthält den Empfangsbereich, das Domizil des Pförtners, das ehemalige Zimmer Ernas (Schwester Ediths), das Büro der Gesellschaft (bzw. dessen Präsidenten Dominik Ptak), eine kleine Bibliothek und eine Veranda, von welcher man in den Garten vor dem Haus gelangt. Alles in allem handelt es sich also um eine relativ große Villa in der ihr als Freiwillige wohnen werdet.

Leben im Edith-Stein-Haus

Das Edith-Stein-Haus ist somit, wie vielleicht auch schon aus meinen vorherigen Ausführungen deutlich wurde, zweigeteilt: zum einen in die Edith-Stein-Gesellschaft, welche in der ersten Etage sitzt und als Gründer und Eigner des Hauses eine wichtige Rolle spielt, sowie in die Programmabteilung in der vierten Etage- deine zukünftige Wirkungsstätte. Die Programmabteilung, die, wie der Name schon sagt, für die programmatische Entwicklung verantwortlich ist, besteht aus zwei Büros, dem der Freiwilligen und Praktikanten (hier finden bis zu 4 Personen Platz) sowie dem der Leiterin der Programmabteilung, die nun bereits das zweite mal in Folge 1 Jahr mittels eines Stipendiums der Bosch Stiftung dieses Amt bekleidet. Die Lage des Arbeitsplatzes bietet sowohl Vor-als auch Nachteile. Der Arbeitsweg könnte kürzer kaum sein: er beträgt genau eine Treppe und ein paar Meter bis zur Bürotür. Das ermöglicht neben nicht allzu baldigem Aufstehen ;-) ein hohes Maß an Flexibilität. Als Nachteil sei vielleicht zu erwähnen, dass man als Hausbewohner sowohl für den ordnungsgemäßen Zustand des Hauses verantwortlich, als auch jederzeit verfügbar ist. In arbeitsreichen Zeiten, insbesondere bei Veranstaltungen hat man also auch am Wochenende und am Abend mitunter seinen Mann/ Frau zu stehen. Ungewohnt erscheint auch den meisten Neuankömmlingen die Existenz eines Portiers. 3 Portiers überwachen in 24 Stunden- Schichten abwechselnd, wer das Haus betritt und verlässt. Gewöhnungsbedürftig war dies für mich insbesondere, wenn es mal etwas später wurde und man des Nachts den Pförtner aus dem Bett klingeln musste, damit dieser einem die Eingangstür öffnete. Dies mag jedoch in der soziostrukturell etwas schwierigen Gegend, in der sich das Edith-Stein-Haus befindet durchaus seinen Sinn haben. Zudem verliert diese Praxis vieles an Befremdlichkeit, wenn man die Portiers erst einmal kennengelernt hat. Sie sind ein wichtiger Part im Haus. Sie helfen nicht nur, wenn man hausmeisterliche Unterstützung benötigt, sondern sind auch gern mal für ein Schwätzchen zu haben. Das setzt jedoch zumindest Grundkenntnisse der polnischen Sprache voraus, die neben dem Einsatz von Händen und Füßen allein zur Verständigung eingesetzt werden kann. Damit sind die Portiers auch die einzigen Personen im Haus mit denen man gezwungen ist, polnisch zu sprechen (Und ein bisschen Zwang, so meine Erfahrung, ist für den Spracherwerb unerlässlich.) Alle anderen-vom Direktor der Gesellschaft über dessen Sekretärin bis hin zu den Mitbewohnern sprechen entweder nahezu tadelloses Deutsch oder eine Konversation auf Englisch ist möglich. Das ist zwar gerade am Anfang sehr praktisch und erleichtert einiges, für den Erwerb der polnischen Sprache allerdings nicht förderlich. Es hängt also vieles von der eigenen Initiative ab: Man kann in einem Jahr gute Grundkenntnisse der Sprache erwerben, man kann aber auch so gut wie gar nichts an Polnisch hinzulernen- das ist vielleicht ein Nachteil an einem stark international ausgerichteten Haus)

Arbeiten im Edith-Stein-Haus

Die Arbeit im Edith-Stein-Haus ist vielfältig. Zu den selbstverständlichen Tätigkeiten als Freiwilliger und Bewohner des Hauses gehört es, wie bereits erwähnt, mit dazu, darauf zu achten, das im Haus soweit alles in Ordnung ist. Dazu zählt es auch, dass man eine gewisse Mittlerrolle zwischen den übrigen Bewohnern und der Leitung des Hauses übernimmt und sowohl die Interessen der anderen vertritt, als auch darauf achtet, dass die Mittbewohner ihre Aufgaben, z.B. in der Küche wahrnehmen. Auch für andere einfache Tätigkeiten, wie z.B. den Transport von Stühlen innerhalb des Hauses sollte man sich nicht zu schade sein.
Der Hauptanteil des Freiwilligendienstes besteht aber in der Planung und Organisation von Veranstaltungen, in Hausführungen und der Durchführung von Kindersprachkursen. Das Team der Programmabteilung bestand während meines Freiwilligendienstes aus der Leiterin Ulrike Pötzsch, die als Kulturmanagerin über ein Stipendium der Robert Bosch Stiftung gefördert wurde, der polnischen Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung Wiktoria Miller, meinem Mitfreiwilligen des ASF (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste) Michael Wahl, zeitweise der Leonardo Praktikantin Christin Bülow, dem polnischen Praktikanten Tomasz Lopatka und mir. Das hört sich erst einmal viel an, ist es aber nicht mehr, wenn man in Betracht zieht, dass nicht alle Mitarbeiter durchgängig dort gearbeitet haben und insbesondere die Zweisprachigkeit jeglicher Publikationen etc. einen enormen Arbeitsaufwand bedeutet.
Meine ersten Erfahrungen mit dem ESH konnte ich durch die Teilnahme am Deutsch-Polnischen-Tandemsprachkurs sammeln. Er stellt die Möglichkeit eines intensiven Spracherwerbs dar, bei dem man nicht nur mit anderen deutschen und polnischen Jugendlichen 3 unvergessliche Wochen verbringen kann, sondern auch schon erste Kontakte und Erfahrungen mit dem ESH bekommt. Er ist also auch schon vor dem Freiwilligendienst sehr zu empfehlen. Die ersten paar Wochen arbeiteten sich mein Mitfreiwilliger und ich erst einmal in die Grundlagen ein, wir lernten das ESH und seine bisherigen Projekte kennen und informierten uns auch in Hinblick auf die Hausführungen näher über Edith-Steins Leben und Werk, die Geschichte und heutige Aufgaben des Hauses. Unser erstes größeres Projekt war die Betreuung einer Photoausstellung. Zwei professionelle und ein Amateurphotograph stellten ihre Photos über die beiden jüdischen Friedhöfe im Edith-Stein-Haus aus. Angefangen von der konzeptionellen Planung, d.h. Auswahl der Bilder und Räume, Nachbestellung und Vergrößerung der Photos, Wahl der Rahmen etc. bis hin zur praktischen Hängung begleiteten wir die Austellung mit. Das zweite größere Projekt war ein deutsch-polnisch-literarisches Wochenende, bei dem es unterschiedliche Lesungen und einen Slam-Poetry-Wettbewerb sowie einen Poetry Workshop gab. Hier waren wir insbesondere mit Rechercheaufgaben im Vorfeld der Veranstaltung sowie der technischen Ausgestaltung der Räume befasst. (Ein gewisses technisches know how ist hier von großem Vorteil, lässt sich aber auch gut aneignen) Zwischendurch gab es unterschiedliche kleinere Veranstaltungen im ESH, wie eine Übersetzungswerkstatt, ein kleines Programm mit einer deutsch-polnischen Jugendgruppe etc. Desöfteren wurden Michael und ich darum gebeten unsere Freiwilligendienste und das Leben in Deutschland sowie unsere Erfahrungen mit Polen in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen näher vorzustellen. Wir wurden immer freundlich aufgenommen und unsere Ausführungen stießen, denke ich, auf Interesse. Diese Art Informationspolitik, durch die bereits den Schülern Möglichkeiten für die Zeit nach der Schule jenseits von Studium und Ausbildung aufgezeigt wurde empfand ich als sehr vorbildlich und dieses zu unterstützen waren wir natürlich gerne bereit. Unser lustigster Besuch in diesem Rahmen war dabei sicherlich ein Kindergarten in Legnice. Die Kinder dort haben extra ein Programm einstudiert wir haben mit ihnen zusammen an winzigen Tischen gegessen- ein herrlicher Ausflug in die Vergangenheit.
Mit kleineren Kindern hatten wir aber auch im Edith-Stein-Haus zu tun (und z.T. zu "kämpfen") Es gehört nun sozusagen in der 2. Generation Freiwilliger bereits zur Tradition, dass die Freiwilligen Deutschkurse für Kinder insbesondere aus der Nachbarschaft des ESH planen und durchführen. Hierzu starteten wir einen Aufruf, luden Eltern ein und vereinbarten Termine. Zweimal wöchentlich hieß es dann 12 gut gelaunte, nicht gerade schüchterne, lachende, spielende Kinder und ich mit meinem radebrechenden Polnisch, Deutsch spielerisch zu vermitteln. Das ist keine kleine Herausforderung sondern erfordert ein hohes Maß an Geduld und manchmal Nerven wie Drahtseile. Aber die oft hohe Motivation der Kinder und der Wille sich spielerisch aneinander zu messen, das hat schon Spaß gemacht.
Mein letztes größeres Projekt bestand in der Betreuung der Ausschreibung des Tandemsprachkurses. Neben der Aktualisierung der Adresslisten war dies ein recht großer, auch manchmal etwas nervenzehrender Aufwand.
Aufgrund von Studienabschlussvorbereitungen musste ich mein EVS leider vorzeitig beenden und konnte daher nicht alle vorgesehenen Projekte durchführen. Die angedachte vollkommen selbständige Planung und Durchführung des Sommerlagers, ein Projekt mit ASF, bei dem meist eine gemischte Gruppe von ukrainischen, polnischen und deutschen Jugendlichen aktiv in einem Projekt arbeitet konnte ich somit nicht mehr betreuen.

Fazit und Hilfe bei möglichen Problemen

Das EVS wird für mich eine unvergessliche Zeit bleiben. Neben vielen netten und interessanten Leuten habe ich die Arbeit in einer Institution kennengelernt, was mir eventuell in meinem weiteren Berufsleben noch von Nutzen sein kann. Sich in einem fremden Land zu bewähren, sich anderen Umständen anzupassen und zu versuchen eine fremde Sprache zu erlernen ist ein Erfahrungsprozess den ich als sehr wichtig einschätze. Ich möchte die Zeit in Wroclaw auf keinen Fall missen. Trotzalledem ist es natürlich möglich, dass die Zeit auch nicht ganz ohne Probleme verlaufen könnte. Ich habe die Erfahrung machen können, dass die meisten Probleme auf Kommunikationsdefiziten beruhen. Meiner Meinung nach ist EVS jedoch ein Programm, das dieses versucht sehr professionell zu managen. Sowohl das predeparture als auch das on-arrival-training versuchen bereits im Vorfeld mögliche Probleme anzugehen und zu klären. Zudem hat man zahlreiche Bezugspersonen, von den unmittelbaren Mitarbeitern (die man vielleicht als erstes kontaktieren sollte) über die Mentorin, die im Fall des EVS im ESH meist vom Angelus Silesius Haus (einer anderen NGO) stammt und meist sehr konstruktiv mithilft und deine Interessen vertreten wird, bis hin zur Nationalagentur, die in äußersten Notfällen sicher auch gern zur Verfügung stehen. Vieles, auch das habe ich hier gelernt, hängt also von Dir ab und davon, was Du daraus machst.
Nun bleibt mir nur noch dir viel Spaß und eine unvergessliche Zeit in Polen zu wünschen!!!

Ralf