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Zwischenbericht Kristin

Meine Anreise verlief völlig problemlos, das Anreise-Training war lustig, wir haben uns alle kennengelernt und einiges über GB erfahren. Ann und Andy sind ganz liebe Menschen, die sich große Mühe geben und sich für uns verantwortlich fühlen.
Ann und Andy haben den Belgier und mich dann nach Aberystwyth gefahren und wir haben unsere Wohnungen (bzw. Zimmer) bezogen. In unserer "Mädels-Wohnung" wohnt Edda aus Freiburg, Nessi aus Stuttgart und Anett aus Hannover. Jeder von uns hat ein Zimmer für sich allein. Dann gibt es noch ein Gemeinschaftswohnimmer mit Fernseher, DVD-Player und Videorec. , eine Küche, die groß und geräumig und gemütlich ist und ein Bad. Wenn es stark regnet, tropft es leider ins Wohnzimmer, wo wir dann mit Schüsseln und Eimern hantieren. Pamela versucht ihr Bestes und schreibt immer wieder an den Vermieter, da dieser aber nicht in Aberystwyth wohnt, scheint ihn das aber nicht groß zu interessieren.
In unserer Wohnung wird ausschließlich Englisch gesprochen, damit wir wirklich die Sprache lernen.

Am Montag war dann mein erster Arbeitstag. Ich hatte etwas Angst, ob ich die Klienten und Mitarbeiter verstehen würde, aber zu meiner großen Überraschung klappte es ganz prima. Natürlich mußte ich anfangs öfter noch mal nachfragen, aber das legt sich im Laufe der Zeit immer mehr.
Die Mitarbeiter bei uns sind ausnahmslos sehr nett und hilfsbereit, mit einigen von ihnen habe ich bzw. wir privaten Kontakt. Von unseren Klienten kann man nur Nettes berichten, sie sind lieb und freundlich.
Am Montag habe ich mir einige Filme über Menschen mit Behinderung angesehen, wurde durch das Haus geführt, habe alle Mitarbeiter und Klienten und den Tagesablauf kennengelernt.

Wir beginnen unseren Tag in der Tagesbetreuung um 9.30 mit einer Mitarbeiterbesprechung. Wenn um 10.00 Uhr alle Klienten da sind, finden bis 11.00 Uhr Aktivitäten statt. Dann ist Teepause und bis 13.00 Uhr weitere Aktivitäten. 13.00 bis 14.00 Uhr Mittagessen, dann bis 15.00 Uhr Aktivitäten, 15.00 Uhr Teepause und von 15.30 bis 16.30 wieder Aktivitäten. Dazu gehören: Reiten, Schwimmen, Trampolin, Kochen und Einkaufen, Musik und Tanzen, Computer, Arbeiten in verschiedenen Einrichtungen wie Restaurants, Cafe`s, Post-Office oder Second-Hand-Shops.

Jedem Freiwilligen werden pro Aufenthalt 2 Kurse nach eigener Wahl bezahlt. Ich mache einen Englischkurs im College und einen Salsakurs.

Im Dezember hatte ich mein Midtern-Meeting in Lampeter (Heimatstadt von Ann und Andy). Jeder von uns mußte eine kleine Präsentation über sein Projekt erstellen und etwas über die letzten 3 Monate erzählen. Es war schön, alle wiederzusehen. Am Abend gab es ein riesiges Weihnachtsessen (3 Gänge) und ansonsten war es sehr lustig.
Überhaupt waren der November und Dezember meine Reisemonate. Habe alle Freiwilligen in Wales besucht, so war ich in Cardiff, Fishguard und Tenby. Mit meinen Mitbewohnerinnen bin ich von Freitag bis Montag nach Cambridge gefahren, wir haben alle bei Verwandten von Edda gewohnt. War ein tolles WE.
Weihnachten war ich dann zu Hause, weil der Day-Service geschlossen war und alle meine Mitbewohner auch nach Hause gefahren sind. War schön, bei meinen Eltern zu sein und meine Freunde wiederzusehen.

Als wir wieder in Wales waren, haben wir Anett verabschiedet, die dann nach Birmingham gegangen ist, dafür ist dann Marianna aus Rom zu uns gekommen. Wir haben sehr viel Spaß miteinander und gehen auch oft in einen Pub oder tanzen. Durch einen früheren Vol. (Stephano aus Italien) , der jetzt hier studiert, haben wir viele Studenten kennengelernt, mit denen wir uns oft treffen.

Im Februar war ich mit Edda für 5 Tage in London - auch eine tolle Reise - , im März fahren Marianna, Nessi und ich nach Edinburgh, Im April besuchen mich meine Eltern und im Mai steht noch eine Reise nach Dublin auf der Wunschliste.

Aberystwyth ist eine suße kleine Stadt, in der man prima einkaufen und bummeln kann. Unsere Wohnung liegt mitten in der Stadt und nur max. 5 Min. Fußweg vom Strand entfernt. Leute, die man kennengelernt hat, trifft man hier auf der Staße oder beim Einkaufen immer wieder, was für mich - als Berlinerin - völlig neu ist.
Pubs, Kinos , College, Art Center usw. - alles kann man zu Fuß - gut erreichen. Nur unser Day-Service liegt auf einem der 2 Hügel, von denen Aberystwyth begrenzt wird. Morgens fahren wir mit dem Bus, nachmittags laufen wir. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht über die gesamte Stadt und Bucht. Und das Wetter ist gar nicht so schlimm, wie immer behauptet wird. Es ist immer viel wärmer (Golf-Strom) als in Berlin und es regnet auch nicht "immer". Einen Schirm kann man allerdings vergessen, denn der wird einem von dem Wind aus der Hand gerissen.

So, das waren meine ersten 5 Monate in Wales. Mit meinem Projekt habe ich einen Glücksgriff getan, aber auch die Stadt ist sehr nett und die Menschen freundlich und hilfsbereit. Alles in Allem fühle ich mich hier sehr wohl.

Kristin

 

Schlussbericht Kristin

Ich bin jetzt seit 2 Monaten wieder zurück in Deutschland, habe mich wieder gut eingelebt, denke aber noch sehr oft an meine "zweite Heimat" (Wales) und an alle Mitarbeiter und Klienten und natürlich an alle Freunde, die ich im Laufe der 9 Monate dort gefunden habe. Wenn ich heute die Wahl hätte, noch einmal mit dem EFD ins Ausland zu gehen, würde ich mich sofort wieder dafür entscheiden.

Ich war in der Tagesbetreuung für lernbehinderte und z.T. gehörlose Menschen eingesetzt. In den ersten Wochen bekamen wir Unterricht in Gebärdensprache, was uns den Umgang mit den gehörlosen Menschen erleichterte. Ausnahmslos alle Klienten waren sehr freundlich und der Umgang mit ihnen fiel mir daher auch leicht. Die Arbeit hat mir großen Spaß gemacht. Durch mein Projekt hat sich mein Wunsch, Gebärdensprachdolmetschen zu studieren, noch mehr gefestigt.
Die Mitarbeiter unseres Projektes waren sehr aufgeschlossen und haben uns jede Hilfe gegeben, die wir brauchten. Einige von ihnen, mit denen ich auch privaten Kontakt hatte, haben mir die Walisische Kultur und das Leben näher gebracht.

Auch im privaten Bereich habe ich viele junge Leute aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen kennen gelernt. In unserem Projekt arbeiteten 6 Volontäre aus 3 Ländern. In unserer Freizeit haben wir mehrere Reisen durch GB gemacht und uns viel angesehen.

Während meiner 9 Monate in Wales habe ich begriffen, dass es nicht nur darum geht, seine Sprachkenntnisse zu verbessern und auf einen Studienplatz zu warten.
Der Auslandsaufenthalt hat meinen Horizont erweitert, meine Einstellung zu bestimmten Ansichten geändert und mich insgesamt selbständiger gemacht.
Ich würde jedem Jugendlichen einen Auslandsaufenthalt mit dem EFD, möglichst vor dem Studium, empfehlen, um neue Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln.

Kristin