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Zwischenbericht Thanh

Acht Monate meines europäischen Freiwilligenjahres sind nun rum und ich kann sagen, dass es im Großen und Ganzen eine sehr schöne Zeit mit vielen neuen Erfahrungen, vielen neuen Bekanntschaften und vielen schönen Momenten war, die ich nicht vergessen werde.

Kurz nachdem wir angekommen sind wurde uns das gesamte Fritidsteam, also die Jugendarbeiter vorgestellt mit denen wir auch viel Zeit die anstehenden Monate verbracht haben. Die ersten Wochen vergingen ziemlich schnell und die hauptsächliche Aufgabe bestand zuerst einmal darin, dass wir dienstags und donnerstags in verschiedenen Jugendclubs arbeiteten, um dort mit anderen Mitarbeitern auf die dort ansässigen Kinder und Jugendlichen aufzupassen. Jeden Mittwochnachmittag waren wir im Jugendclub in der Schule und führten die Schulcafeteria. Es hieß Cafe, Kuchen, Sandwichs und Getränke an die restlich verbliebenen Schüler oder an die Besucher der direkt in der Schule gelegenen Sporthalle zu verkaufen. Die ersten Wochen genossen wir noch das herrlich warme Sommerwetter und waren so gut wie jeden morgen in dem Schuljugendclub, der durch die Lage immer gut besucht war in den Freistunden und Pausen. Dort knüpften wir die ersten Kontakte zu schwedischen Schülern, die später gute Freunde wurden.

Nach knapp einem Monat ging dann auch unser Schwedischsprachkurs los, da vorher noch keine Plätze frei waren. Vier mal die Woche hieß es morgens um viertel vor acht aufstehen, den Bus in das nah gelegene Bohus zu nehmen um dort mit anderen schwedischlernenden Mitmenschen diese Sprache schreiben, lesen und sprechen zu lernen.

Zur selben Zeit fragten wir uns, ob wir denn nicht auch in das Bandcoaching in den einzelnen Jugendclubs involviert werden könnten, da Hannes, mein Mitbewohner, Gitarre und Bass spielt und ich Schlagzeug. Kurz angesprochen, schon war es geschehen. Durften nun jetzt auch zweimal die Woche, Hannes in Älvängen und ich in Bohus im Jugendclub neu startende Bands betreuen und coachen. Dabei war natürlich noch ein fest angestellter Mitarbeiter mit dem wir jeweils Ideen austauschten und schauten, was wir noch besser machen könnten. Mit der Sprachschule, dem Bandcoaching in den Jugendclubs und der Cafeteria war mein Zeitplan gut ausgefüllt und ich war sehr zufrieden damit, dass ich ein gutes Verhältnis zwischen Freizeit und arbeiten hatte. Hinzu zu diesen angesprochenen Arbeiten kamen dann noch Sonderveranstaltungen, die eigentlich so gut wie jedes Wochenende stattfanden, wie zum Beispiel diverse Konzerte und Bandcontests oder spezielle Mottotage mit gefülltem Programm wie zum Beispiel den Toleranztag oder den Tag der Nächstenliebe etc. Hannes und ich durften dann bei der Organisation und der Umsetzung dieser Veranstaltungen helfen. Wir wurden mit dem Bühnenaufbau und der vorhanden und übrigens großartigen Technik für diese Veranstaltungen vertraut gemacht. Nach einer gewissen Zeit bekamen wir auch einen eigenen Schlüssel für den Schulkeller in dem sich ein Tonstudio und Proberaum befand. Wir wurden auch dort mit der Technik vertraut gemacht und halfen dabei, wenn Bands eine Demo-CD aufnehmen wollten.

Bis dahin und eigentlich auch die restliche Zeit gab es keine sonderlich großen Probleme. Wenn es mal ein Problem gab, das wir nicht lösen konnten, reichte ein kurzes Gespräch mit unserer Tutorin Christina aus und es gab kein Problem mehr. Christina war generell immer für uns da, wenn uns was fehlte oder was nicht stimmte. Sahen sie so gut wie fast jeden Tag in der Schule und sie fragte regelmäßig nach, ob denn alles in Ordnung sei etc. Sie ist in der Zeit schon fast wie eine zweite Mama geworden.

Das einzige was mich in dieser Zeit ein bisschen gestört hat ist, dass man nicht allzu viel Privatsphäre in der gemeinsamen Wohnung hat, da diese nur ein großes Wohnzimmer und ein Schlafzimmer hat, dass man sich mit dem anderen Freiwilligen teilen muss. Manchmal ist einem schon danach gewesen sich in ein eigenes Zimmer zurückzuziehen, um für sich allein zu sein. Dieses Problem musste ich leider akzeptieren und damit leben, teilte es aber Christina mit. Das gute für die nächst kommenden Volontäre ist, dass sie nach mir und Hannes im Sommer eine stabile und massive Trennwand in das Schlafzimmer ziehen, sodass jeder seinen zwar kleinen aber eigenen Schlafraum hat.
Das war aber auch das mit einzige Problem, das es in der gesamten Zeit gab; mal von kleinen Streitereien über die Definition von sauberem Geschirr, einer sauberen Wohnung, Ordnung etc. abgesehen. Das erledigte sich aber auch mit der Zeit, da man sich immer irgendwie gegenseitig anpasst und beide nur aufeinander zugehen müssen, um solche Dinge zu lösen. Dies war dann auch der Fall und man hat sich dann nur den ersten Monat ab und zu über seinen Mitbewohner aufgeregt.

Vor knapp einem Monat haben wir dann auch unseren Schwedischtest bestanden und mussten somit nicht mehr zur Schule gehen. Normalerweise hätte man noch einen Erweiterungskurs besuchen können, dies war jedoch für uns nicht mehr möglich, da dieser voll belegt war und der nächste erst August gestartet hätte. Ich fand es allerdings gut, dass Hannes und ich so lange den Schwedischkurs besucht haben, da man dadurch immer noch Beschäftigung hat. Man kann den Sprachkurs den wir gemacht haben, aber meiner Meinung nach als deutsch-sprechender Freiwilliger schon nach knapp zwei oder drei Monaten abschließen und den Erweiterungskurs anfangen, wenn man denn nicht gerade mit einem anderen deutschen Volontär zusammen wohnt, nur deutsch untereinander spricht und mit den Mitarbeitern meistens englisch, weil es doch so bequemer ist.

Der letzte Monat war dann aber auch ohne Sprachschule nicht zu langweilig, weil Hannes und ich die Zeit nutzten, viel mit Freunden unternahmen, öfters in Göteborg unterwegs waren oder andere kurze Trips angingen. Länger als diesen einen Monat kann ich mir soviel Freizeit aber allerdings nicht vorstellen; es würde dann für meine Vorstellungen doch zu viel Freizeit sein. Habe in Schweden übrigens auch eine Band gefunden, mit der ich verschiedene Gigs gespielt habe. War auch eine sehr schöne Zeit mit der Band, da diese sehr gute Freunde von mir geworden sind. Deswegen ist es schon traurig wieder Abschied nehmen zu müssen.

Ich denke, dass man als Freiwilliger einfach gezielt auf die Leute zugehen und sie ansprechen sollte, da Schweden in dieser Hinsicht sehr schüchtern sind. Man denkt teilweise sogar, dass sie gar nichts mit einem zu tun haben wollen. Aber wie gesagt ist dies nur das äußere Erscheinungsbild. Im Großen und Ganzen kann ich den europäischen Freiwilligendienst wirklich jedem empfehlen, der neugierig auf neue Kulturen und Erfahrungen ist. Ich für meine Begriffe habe sehr viel, in dieser doch recht kurzen Zeit für mein weiteres Leben gelernt und gesammelt und kann mit Sicherheit sagen, dass dies nicht mein letzter längerer Aufenthalt im Ausland gewesen ist.

Thanh