zurück zur Übersicht Entsendungen
Schlussbericht Franziska

Die Aufnahmeorganisation

GAPA ist eine gemeinnützige, selbstfinanzierende Organisation, deren Ziel auf der Basis freiwilligen Engagements darin besteht, die Lebensverhältnisse der BewohnerInnen eines der ärmsten und sozial konfliktreichsten Viertel Catanias zu verbessern. Dazu werden im "Gapanone", dem offenen Zentrum von GAPA, Angebote besonders im Bereich von Bildung, Kultur und Freizeitgestaltung gemacht - beispielsweise Hausaufgabenhilfe für SchülerInnen, Theaterprojekte und einmal im Jahr eine gemeinsame Ferienfahrt. Die Arbeit von GAPA ist immer auch verbunden mit Anti-Mafia-Aktivitäten, so wie jedes Projekt auf Sizilien, das Menschen kulturell und politisch bilden und aufklären möchte, automatisch auch Anti-Mafia-Arbeit leistet.

Aufgaben und Arbeitsumfang

Meine Hauptaufgabe war die Mithilfe bei der Hausaufgabenbetreuung, wo ich den Kindern hauptsächlich mit Englisch half. Desweiteren war ich an verschiedenen anderen wöchentlichen Aktivitäten beteiligt (Spiele, Freizeitgestaltung) und katalogisierte Bücher für den Aufbau einer kleinen Bibliothek. Leider waren diese Aufgaben keinesfalls ausfüllend, da sie insgesamt nur etwa fünf Stunden pro Woche umfassten. Problematisch fand ich auch, dass es nicht möglich war, auch nur eine Woche im voraus zu planen, so dass ich mich in der etwas paradoxen Situation fand, zwar im Grunde fast nichts zu tun zu haben, dafür aber dennoch ständig "auf Abruf bereit" sein zu müssen. Das hat mich sehr gestört und ist einer der Hauptgründe, dass ich meinen Dienst sechs Wochen vor dem eigentlichen Ende abgebrochen habe.
Denn meine Motivation, einen EFD machen zu wollen, war, das ich gern etwas Praktisches, Gemeinnütziges tun wollte. Für und mit anderen. Ansonsten hatte ich gar keine großen Erwartungen an den Dienst, aber etwas zu tun haben wollte ich wenigstens. Es kam mir im Laufe der Zeit immer sinnloser vor, extra nach Sizilien gefahren zu sein, um mich dann dort quasi arbeitslos zu fühlen.

Eigeninitiative

Oben genannte Problematik wurde mir sehr schnell bewusst und ich versuchte, Lösungen zu finden. So arbeitete ich einige Stunden pro Woche bei einem Future-Capital-Projekt mit, dass von zwei ehemaligen Freiwilligen initiiert worden war. Außerdem rief ich mit einem GAPA-Mitglied einen Jonglierkurs für Kinder ins Leben.
Bei beidem stieß ich auf Schwierigkeiten: durch die oben erwähnte sehr mangelhafte Organisation und Planbarkeit meiner Arbeitszeiten bei GAPA kam es immer wieder zu terminlichen Kollisionen mit meinen anderen Aktivitäten, die mich im Laufe der Zeit echt demotivierten. Was ich psychisch als noch belastender empfand, war der Jonglierkurs mit den Kindern, wie auch generell die Arbeit mit ihnen. Ich möchte erwähnen, dass ich schon einige Erfahrung (besonders durch mein FSJ) in der Kinder-und Jugendarbeit habe und dass ich eigentlich sehr gern mit dieser Altersgruppe arbeite. Doch solche Kinder wie bei GAPA sind mir einfach noch nicht begegnet. Ich konnte mit ihrer großen Aggressivität, Hyperaktivität, dem Fehlen jeglicher Grenzen nicht umgehen. Das hat mich mit der Zeit ziemlich mitgenommen und ausgebrannt und den Wunsch immer mehr verstärkt, der Erfahrung ein Ende zu setzen.

Was habe ich eingebracht? Und was mitgenommen?

Trotz aller Schwierigkeiten habe ich, zumindest am Anfang, meine Ideen, Kreativität (siehe Eigeninitiative) und Kraft eingebracht. Auch wenn ich selbst unmittelbar oft den Eindruck hatte, dass nichts dabei herauskam, so hoffe ich dennoch, dass meine Anstrengungen irgendeinen Erfolg hatten. Immerhin habe ich einigen Kindern die Anfänge des Jonglierens nahegebracht (und damit eine schöne Art, Freizeit zu verbringen).
Mitgenommen habe ich insbesondere die Erkenntnis, das ich sehr dankbar dafür bin, in Deutschland zu leben. Also in einem Land, das - im Gegensatz zu Sizilien - über ein funktionierendes soziales Netz verfügt. In dem soziale Gerechtigkeit nicht in dem Maße wie in Sizilien der Korruption, politischen Machenschaften und mafiosen Strukturen zum Opfer fällt. In dem es bei PolitikerInnen und bei einem Großteil der Bevölkerung ein ökologisches Bewusstsein gibt und bekannt ist, dass Umweltschutz zur Sicherung unser aller Lebensgrundlagen beiträgt. Dinge, die auf Sizilien keineswegs selbstverständlich sind.

Fazit

Ich bin froh und dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, den EFD zu machen. Auch wenn viele Erfahrungen negativ waren, habe ich dabei einiges gelernt. Dennoch bin ich ebenfalls überzeugt davon, dass es nach vier Monaten richtig war, abzubrechen, weil einfach keine Aussicht auf Besserung da war und ich mich immer schlechter fühlte.
Zukünftigen Freiwilligen bei GAPA würde ich Folgendes empfehlen: wenn die Möglichkeit besteht, sich parallel zum EFD an der Uni einzuschreiben, denn der zeitliche Aufwand für die Arbeit bei GAPA ist, wie gesagt, dermaßen gering, dass man einfach noch andere Beschäftigungen braucht, um die Tage zu füllen. Ja, die Mitglieder von GAPA waren sogar regelmäßig überrascht, wenn sie hörten, dass ich "nur" bei GAPA arbeite und eigens dafür aus Deutschland gekommen bin. Es gibt niemanden in dieser Organisation, der dort hauptamtlich arbeitet. Alle sind Freiwillige, sie kommen und gehen, wann und wie oft sie wollen und arbeiten oder studieren ansonsten.

Franziska