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Zwischenbericht Charlotte

Schule vorbei und jetzt faire-laisser?! Nein! Natürlich ist das Leben hier und so sehr viel stressfreier und weniger lernintensiv, doch trotzdem ich habe in so einigen Momenten mehr übers Leben gelernt als in einer Doppelstunde Biologie.
Was gelernt? Offensichtliche Dinge sind wohl vor allem: Französisch sprechen, einen Newsletter erstellen, sich nicht in der Stadt verlieren, "was tun?" bei einem Wasserrohrbruch,...
Doch dann gibt es auch die unscheinbaren Dinge. Da gibt es das alleine Leben, das Wohnen mit zwei Vietnamesinnen und vor allem sich selbst entdecken (nicht auf spiritueller Weise, Indien und Brüssel sind doch ein wenig entfernt). Es war doch eine komische Sache am Anfang: So viele tolle, traurige, schöne, erschreckende, lustige und für einen unendlich wertvolle Momente konnte und kann man nur mit sich selbst teilen. Niemand der einen richtig verstehen würde; weder die Freunde daheim, noch die Freunde hier.

Mein erster Schritt von zu Hause weg, in ein neues Leben, der kalte Sprung ins Abenteuer (aber gut abgesichert) begann mit einer sechsstündigen Zugreise von Eisenach nach Bruxelles-Midi. Das Zugreisen mit der Deutschen Bahn und ca. 50kg Gepäck nicht leicht sind, darauf brauche ich glaube ich nicht näher einzugehen- es war anstrengend!

Gerade las ich die Erfahrungsberichte einiger anderer Freiwilliger, um mir mal ein Bild zumachen, was in so einen Zwischenbericht eigentlich soll! Wirklich interessant, was aber auch Ihr schreibt!

Ich bin am 4.September 2006 also angekommen. Wurde abgeholt und in die Organisation gefahren, wobei das Haus der Organisation auch gleichzeitig meine Unterkunft ist. Das ist etwas seltsam und anfangs war ich mir auch noch nicht sicher, wie ich damit zurecht kommen werden würde, doch man gewöhnt sich an so einiges.
Das heißt, die Küche, die ich die meine nenne, ist auch gleichzeitig die Küche der drei Mitarbeiter und deren Gästen. Dies hat zur Folge, dass ich jeden Tag oder jeden zweiten Unmengen an Kaffeetassen abspüle, denn wie in jeder ordentlichen NGO oder sozialen Organisation wird kräftig Kaffee getrunken.
Danach folgt ein großer Raum, der nur durch eine Stufe getrennt ist. Dieser Raum ist Arbeits-, Ess-, Freizeit-, Party- und was sonst noch so anfällt Raum. Leider auch von Fledermäusen frequentiert... zur Verteidigung meiner Wohnstätte muss man wohl sagen, dass sich bisher nur einmal eine Fledermaus dort aufhielt und wie verrückt im Kreis flog. Die Reaktion dreier Mädchen, die eigentlich nur beim friedlichen Kochen waren ist jetzt jedermanns Einbildungsgabe überlassen.
Die Toilette/das Bad befindet sich ebenfalls zur allgemeinen Benutzen freigegeben, das kann an manchen Tagen schon komisch sein. Wie zum Beispiel an meinem ersten Morgen. Mir wurde freigegeben, ich schlief bis halb zehn und als ich die kleine Stiege aus meinem Zimmer hinunter tappste, stand vor mir ein bisher unbekannter Mann (Nebeninformation: Ich kam direkt aus dem Bett- Haare konnte ich noch nicht mein eigen nennen, Schlafanzug dagegen schon...), es war Edwin, der Chef.
Wie schon erwähnt, existiert eine kleine Stiege zu den drei Zimmern unterm Dach. Ich besaß zu beginn ein anderes, doch das Zimmer, was ich heute "mein Zimmer" nenne ist mir lieber. Es hat direkten Zugang zur großen tollen Terrasse!

Die meiste Zeit des Arbeitens verbringe ich im Büro bei Dynamo International. Dynamo International vergleiche ich immer mit einem Sekretariat- es koordiniert und organisiert ein Netzwerk von Streetworkerorganisationen überall in der Welt. Für mich fällt leider in diesem Rahmen nicht viel Arbeit ab. Höchstens mal das Übersetzen einer E-Mail.
Lustig ist, dass das IFAP auch ein Partner von Dynamo International ist, so wurde ich bei meiner Ankunft erst einmal ausgefragt, wen ich alles kenne, wo ich war, etc.
Doch Dynamo International engagiert sich auch als Entsendeorganisation und so helfe ich benachteiligten Jugendlichen einen Platz als Freiwillige zu finden und muss immer als lebendes Anschauobjekt eines Freiwilligen herhalten. So war ich z.B. auch beim Vorbereitungsseminar der Belgier, eine auf alle Fälle lustige Erfahrung. Weniger lustig, nie will ein Freiwilliger nach Deutschland...
Doch bei Ständen und humanitären Tagen verbreite ich fleißig die Religion der Europäischen Freiwilligen und versuche auch sonst Werbung für einen Freiwilligendienst in Deutschland zu machen, leider zieht es sehr viele nach Frankreich, Spanien und Großbritannien, aber anders sieht es ja auch nicht in Deutschland aus.
An diesem Punkt könnte ich etwas über Belgien einfügen, eigentlich nicht DAS Entsendeland, doch immer mehr im Kommen. Was womöglich daran liegt, dass Frankreich von Freiwilligen aus aller Herrenländern überschwemmt wird.

Belgien ist wirklich ein schönes Land! Und Brüssel bzw. Bruxelles... ja ich mag diese Stadt wirklich sehr. Zu Unrecht weiß man viel zu wenig von ihr und wenn reduziert man Brüssel nur auf EU, Manneken Pis, Bier, Pommes und Pralinen. Doch Brüssel ist wirklich eine wunderschöne Stadt, es gibt Jugendstilhäuser in allen Ecken, die Ecken sind ein Treffpunkt aller Nationen und die sich daraus ergebende Stimmung macht einfach Spaß. Doch dies soll keine Lobhymne auf "meine" Stadt werden, überzeugt euch einfach selbst!

Dynamo Internationals Partnerorganisation in Belgien hat den kreativen Namen "Dynamo". Die beiden sind sehr eng mit einander verbunden, was daher rührt, dass Dynamo International aus Dynamo hervorging.
Dynamo ist eine Streetworkerorganisation. Sie ist in drei Stadtteilen von Brüssel vertreten und beschäftigt sich mit Kindern aus schwierigen Milieus. Ihr Arbeitsplatz ist die Straße und das wichtigste sind die täglichen Rundgänge durch die Viertel, so bleibt der Kontakt mit den Kindern bewart oder kommt erst zustande. Gleichzeitig gibt es aber auch Lokale, in denen Aktivitäten veranstaltet werden, wie z.B. Capoeira, Mädchentreff, Bastelnachmittage, Tischtennisturniere,...
Ich bin als Freiwillige überall mal dabei und bin dort wo ich gebraucht werde, eben mal mit Kindern Schlittschuh laufen, Fußball oder Verstecken spielen, Basteln, ein Zimmer streichen, ein Camp begleiten, als Aufsichtsperson ein Segelwochenende verbringen, . Anfangs war das noch nicht so viel... Das muss ich leider eingestehen, ich saß oft im Büro rum und hatte nichts zu tun. Doch mittlerweile habe ich immer mehr Arbeit. Sie stieg und steigt parallel zu meinen Fortschritten im Französischen. Am Anfang hat mich aber dieses ständige sinnlose rumsitzen wirklich genervt, es kommt einem so sinnlos vor. Denn oft verbrachte und verbringe ich trotzdem acht Stunden an der Arbeit, ohne wirklich gearbeitet zu haben. Wie ich aber feststellte nicht ein ganz unbekanntes Phänomen in den Freiwilligenkreisen.
Gerade habe ich mit einer Praktikantin einen Vortrag zur Sensibilisierung der Straßenkinder für 6.Klässler erarbeitet. Ende März ist dann der große Tag, an dem das ganze präsentiert wird. Es geht jetzt also wirklich vorwärts und wenn man das weiß, macht die Arbeit auch wirklich Spaß!

Selbst wenn die Arbeit manchmal nicht ganz das war, was ich erwartete freue ich mich doch sehr, diesen Schritt gegangen zu sein.
Ich habe so viel erlebt, so viel gesehen, dazu gelernt, erkannt, kennen gelernt,... es ist mein erstes wirklich großes Abenteuer, auch wenn es mit einem Netz immer gut abgesichert ist, trotzdem ich genieße es in jedem Augenblick.
In den anderen Freiwilligen hier habe ich neue tolle Freunde gefunden, wir wissen wie man über das Defizit von Straßenbahnen zwischen 24h und 6h hinwegkommt und wir wissen was Internationalität und Europa heißen kann!
Ich habe hier so viel Spaß gehabt und habe ihn und werde ihn hoffentlich haben. Gerade am Wochenende war ich mit einer Freundin in Luxembourg und dort in einer Bar. Es war eine Bar, wie man sich eine Bar vorstellt, ein Mann am Klavier und eine junge Frau daneben sitzend sang- und die gesamte Bar.
Als dann ein Chanson von Edith Piaf angestimmt wurde und alle laut und fröhlich mitsangen, da konnte auch ich aus vollem Herzen mitsingen:

" Non, rien de rien! Non, je ne regrette rien! "
" Nichts wirklich nichts, nein ich bereue nichts! "

Charlotte

 

Schlussbericht Charlotte

Drei Tage ist es her, da saß ich mit zwei Freundinnen, die ich während meines Freiwilligendienstes in Brüssel kennen gelernt habe, am Küchentisch. Wir tranken Kaffee und schauten Fotos vom vergangen Jahr an, im Hintergrund Musik, die uns an gewisse Stunden und Nachmittage erinnerte und dann kam der Gedanke: Lasst uns nach Brüssel in unser altes Leben fahren! Verführerischer Gedanke, doch wie so oft siegte die Vernunft.

Und ganz ehrlich, unser "altes Leben" hätte uns dort auch nicht mehr erwartet. Es gibt neue Freiwillige, die unsere Arbeit und unsere Zimmer übernehmen, alle Freiwilligenfreunde sind zurückgekehrt in ihre Heimat,... was also will ich in Brüssel? In Erinnerungen schwelgen!

Vor gut einem Jahr am 4. September 2006 begann mein Europäischer Freiwilligendienst bei der NGO Dynamo International in Brüssel. Zehn Monate lebte und arbeitete ich am Rande der europäischen Hauptstadt und genoss das Freiwilligendasein.
Dynamo International ist ein Netzwerk von Hilfsorganisationen, die alle dem Wohle von Straßenkindern dienen. Es werden jährlich Seminare, Austausche, Kolloquien oder Reisen organisiert, um die Arbeit der anderen Länder besser kennen zu lernen und sich selbst zu Nutze machen zu können. Die Partnerorganisation in Belgien heißt Dynamo. Dynamo International ging aus Dynamo hervor nachdem sich allen voran Organisationen in der DR Kongo für die Arbeit von Dynamo interessierten. Dynamo ist eine Streetworkerorganisation, die in drei Vierteln von Brüssel präsent ist- Uccle, Ixelles und Forest.

Als ich ankam war mir meine Arbeit noch nicht richtig klar, als ich abreiste war sie es mir noch immer nicht, doch- resümiert- ich hatte eine sehr abwechslungsreiche Arbeit, wie sie wohl wenige hatten. Die meiste Zeit verbrachte im Büro von Dynamo International, in welchem ich auch mein Zimmer hatte und Küche und Bad mit benutzte.
Oft gab es für mich Plakate, Flyer oder Mappen zu gestalten. Dreimal mussten meine Kollegin und ich auch den Newsletter und seine Erarbeitung übernehmen. Für uns beide, die nicht unbedingt die technischen Genies sind, war das eine sehr große Herausforderung. Auch die Erläuterung des Webmasters auf Französisch über die Funktionsweise des großen World Wide Web war nicht ohne. Es mussten Texte ins Englische übersetzt werden, andere ins Französische, den nächsten mussten noch passende Bilder ausgesucht werden und nicht zu letzt musste das ganze programmiert werden. In meinen Aufgabenbereich fiel auch die Vor- und Nachbereitung und die Durchführung von Werbeaktionen bei Festivals. So gestaltete ich unseren Stand, kreierte neue Spiele und bot Bastelaktionen an. Diese Arbeit war immer sehr lustig, denn sie holte einen vollkommen aus dem gewohnten Umfeld heraus und gab einem immer wieder die Möglichkeit ein kleines Abenteuer zu erleben. So gehört das Festival "Couleur Café", in Belgien ein sehr bekanntes Konzert, das jährlich für drei Tage in Brüssel stattfindet, zu meinen Lieblingserinnerungen. Nicht nur, dass ich mir kostenlos Konzerte von tollen Bands anhören konnte, auch kamen immer wieder interessante Personen an unseren Stand, von einer luxemburgischen Studentin bis zu einem in Polen sehr bekannten Hip Hop Star. Auch die Evakuierung des gesamten Festivalsgelände auf Grund eines Feuers im Gebäude neben unserem Stand gehört zu solchen Erlebnissen.
Des Weiteren kümmerte ich mich mit Pauline, meiner Mitarbeiterin und Tutorin, um die Entsendung von Freiwilligen, oft waren es shortterm Projekte. Das hieß für uns, zusammen mit dem zukünftigen Volunteer die Unterlagen ausfüllen, nach einem geeigneten Projekt recherchieren und schließlich den Freiwilligen auf die Abfahrt vorbereiten. So war ich auch einmal auf einem belgischen Entsendeseminar dabei um als lebendes Anschauungsmittel Auskunft liefern zu können.
Zusammen mit einer Praktikantin bereiteten wir ein großes Projekt vor. Mein Chef wollte neue Aktionen im Rahmen der Sensibilisierung von Jugendlichen, in Bezug auf Straßenkinder, starten. Ziel war es, einen Vortrag zu kreieren der in Schulen gehalten werden kann, von uns, ihm oder den nächsten Freiwilligen. Der Vortrag entsprach einer Schulstunde und wir testen ihn an einer 6. Klasse- es war ein voller Erfolg. Einen ähnlichen Vortrag hielten wir in fünf Klassen der Oberstufe. Für mich war es eine große Herausforderung vor 30 12.Klässlern zu stehen und auf französisch über die schlechten Lebensbedingungen von Straßenkindern zu berichten, vor allem nachdem ich bemerkte meinen Notizzettel vergessen zu haben. Doch informierten wir auch über den Europäischen Freiwilligendienst und davon konnte ich auch ohne Notizzettel ausreichend berichten.

Wenn ich nicht bei Dynamo International war, so arbeitete und unterstütze ich meine Mitarbeiter bei Dynamo. Dazu gehört zum Beispiel der wöchentliche Bastelnachmittag am Freitag oder der Mädchennachmittag am Mittwoch gefolgt von einer Runde durch das Viertel. Diese "Tourner Quartier" fanden täglich statt und ich habe sie oft begleitet. Ziel war es so viele Jugendliche wie möglich zu treffen oder einfach nur gesehen zu werden um sich bemerkbar zu machen.
Höhepunkte waren zwei Camps, die ich mit meinen Mitarbeitern organisierte und schließlich durchführte. Das eine kurz nach Silvester im deutschsprachigen Bereich von Belgien und das andere in den Osterferien nahe der französischen Grenze. Für mich waren das sehr intensive Erfahrungen, denn mit diesen Kindern 24h täglich zusammen zu sein, lehrt dich so einiges über sie, über das Leben und dich selbst.
Es gab noch viele weitere Erlebnisse, die deutlich machen, dass meine Arbeit sehr verschieden von den üblichen Projekten war. Ich war nicht immer mit den gleichen Kindern zusammen, immer wieder waren es neue. Ich hörte immer wieder neue Geschichten, wurde Vertraute oder auch "die Dumme, die nicht richtig sprechen kann".

"Die Dumme, die nicht richtig sprechen kann", war nicht zum Glück nur am Anfang. Die Sprache hat mich zu Beginn wirklich sehr gefordert bzw. überfordert. Ich kam mit dem naiven Gedanken, dass ein Monat Alltag reichen würden, mich in die Sprache einzugewöhnen, schließlich hatte ich Französisch als dritte Fremdsprache in der Schule und am Ende sogar als Leistungskurs. Doch wurde ich ziemlich bald etwas anderen belehrt. Wenn meine Mitarbeiter untereinander sprachen so verstand ich kein Wort, bzw. nur vereinzelte Wörter, die aber wiederum so vereinzelt waren, dass ich mir kein Gespräch daraus schlussfolgern konnte. Die dienstäglichen Besprechungen wurden zur Qual. Drei Stunden nicht verstehen, drei Stunden mit dem Wissen gepeinigt zu werden diese Sprache mehr schlecht als recht zu verstehen. Doch zeigte sich auch bald, nun ja nach drei bis vier Monaten, wie ich mit der Zeit immer mehr verstand. Und jetzt am Ende konnte ich sogar über die Witze mit lachen, die spontan eingeworfen wurden. Manchmal konnte sogar ich selbst für einen Lacher sorgen, dies jedoch meist aufgrund von Stilblüten wie "Die Klingel ist krank" alias Die Klingel ist kaputt oder meine verzweifelte Suche nach "unsichtbarer Klebefolie" anstatt durchsichtiger Folie. Zusammenfassend, die Sprache war anfangs härter als erwartet doch schließlich wurde sie ein treuer Begleiter und heute vermisse ich sie häufig und bin teilweise immer noch darüber überrascht, dass alle Menschen um mich herum deutsch sprechen.

Diese Sprachblockaden führten aber dazu, dass es anfangs schwierig war Belgier kennen zu lernen, allgemein hat man das Gefühl in Brüssel mehr Deutsche als Belgier anzutreffen. Das Arrival-Seminar war eine tolle Möglichkeit Freiwillige überall aus Europa kennen zu lernen, auch wenn die Hälfte aus Deutschland kam.
Es waren vor allem die Freiwilligen mit denen ich mich anfreundete. Wir nutzen die zentrale Lage Brüssels aus und unternahmen viele Reisen- in andere belgische Städte, aber auch Amsterdam, Luxembourg, Paris und Maastricht standen auf dem Plan. Dieses spontane Reisen wird mir wahrscheinlich ewig mit der Zeit in Belgien in Verbindung bleiben, denn es machte den Aufenthalt zu etwas besonderem. Man hatte das gewisse Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, das, was ich mit "jung sein" verbinde.
In meiner Freizeit habe ich nicht nur andere Städte sondern vor allem Brüssel entdeckt. Viele Stunden verbrachte ich damit, einfach durch die Stadt zu laufen, neue Viertel und Ecken zu erkunden. Zusammen mit den anderen Freiwilligen spazierten wir über den sonntäglichen Markt am Gare du Midi und kauften für unsere Kochaktionen ein. Wir haben unser Leben wirklich in vollen Zügen genossen.

Das ist es, was mir heute fehlt und mich immer wieder von den 10 Monaten als Europäische Freiwillige träumen lässt. Die Unabhängigkeit und Spontaneität, die allein aufgrund der Deutschen Bahn Preise nicht möglich sind. Und dem Leben in einer Kleinstadt, die keine unbekannten Ecken mehr bietet.

In wie weit die Zeit mich verändert hat, weiß ich nicht. Sicherlich ich bin unabhängiger und selbstständiger geworden, doch um 180 habe ich mich nicht gewandelt. Doch glaube ich, dass Brüssel und mein Aufenthalt mir geholfen haben mir über meine Zukunft bewusst zu werden. Ich habe mir Gedanken über mein zukünftiges Studium gemacht und mir ist dabei aufgefallen, wie sehr mein Interesse an Architektur in den letzen Jahren und vor allem in diesem Jahr gestiegen ist. Wie ich bei jeder Reise die Städte mit einem anderen Auge betrachtete, zeigte mir, dass ich etwas in diese Richtung machen möchte.
- Nun im Oktober beginne ich mein Studium der Stadtplanung in Hamburg. Es gilt zwar keine neue Sprache zu erlernen, aber da ist eine gesamte Stadt, die ich noch nicht kenne und Reisen bis ans Meer werden sicherlich auch finanzierbar sein. Ich freue mich, über das was kommt, aber vor allem über das was ich erlebt habe und das mich jetzt mit einer solchen Gelassenheit an das Neue herangehen lässt.
Hätte ich die Möglichkeit, noch mal einen Freiwilligendienst zu leisten, ich würde es, ohne zu zögern, annehmen und Europa noch ein Stück näher kommen.

Charlotte