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Zwischenbericht Julia

So nun ist schon die haelfte meiner Zeit hier in England um und ich muss meinen Zwischebericht nun endlich schreiben!!
Ich fang einfach mal beim Anfang an, die ersten Wochen waren schon super spannend!! So viele neue Sachen!!
Eine Sprache die so anders war als in der Schule, und irgendwie konnte ich das meisste von dem was man mir erzaehlt hat nicht wirklich verstehn, oder nur teilweise!!!
Dann waren da noch die viele neuen Leute, bei der Arbeit, in der Wohnung und dann noch die ganzen andern Freiwilligen in Somerset!!
Und zum Schluss kam dann noch die Arbeit dazu, mit koerperlich Behinderten, eine Sache die noch nie in meinem Leben gemacht habe!! Aber ich muss sagen, dass doch recht erstaunt ueber mich selbst bin, irgendwie hat es bis jetzt alles ziehlich gut geklappt!! Ich hab die Sprache besser kennengelernt, und selbst den Somerset-Akzent kann ich jetzt meistens verstehn!! Die vielen Leute sind zu einem guten Anteil zu neuen Freunden geworden und auch in der Arbeit hab ich mich am Schluss zurecht gefunden!!

Natuerlich kam alles nicht auf einmal, am Anfang stand ich beim Arbeiten auch viel einfach nur dumm rum!! Und natuerlich immer im Weg von meinen neuen Abeitskollegen!! Naja mein Einfuerungs-Monat war dann doch nicht so ausgepraegt wie ich mir das vorgestellt hatte!! Aber dank meiner Mitbewohnerin die im gleichen Haus gearbeitet hat wie ich hab ich mich am Ende doch ganz gut zurecht gefunden!!

Nach einem Monat war dann auch meine Einfuerungszeit zu Ende und ich konnte mit Personal Care beginnen!! Dabei hab ich mich erstaunlich wohl gefuehlt und ich hatte absolut keine Probleme den "Clients" beim Waschen, Anziehen usw. zu helfen!!
Personal Care bedeutete fuer mich auch wesendlich mehr Aufgaben und wenn man mehr zu tun hat geht die Zeit auch auf einmal viel schneller um!! Was super gut in Halcon ist, ist das wir nie etwas machen muessen wo wir uns nicht sicher fuehlen!! Und das wenn ich nach frage ich nie das Gefuehl habe anderen auf den Nerven zu gehen, selbst wenn alles super hecktisch ist!! Es gilt immer das Motto lieber einmal zuviel fragen als einmal zu wenig!!!

Eigentlich fuehl ich mich hier richtig wohl, im Augenblick ist es zwar nen bisschen schade das ich in meiner Wohnung keinen Mitbewohner habe, aber dafuer wohnen in der Wohnung unter mir ja noch drei Freiwillige!! Insgesamt muss ich sagen, das es schoen war von so vielen Freiwilligen umgeben zu sein, auch wenn sie bis zu 2 Stunden von mir entfernt wohnen, haben wir doch oft Kontakt und helfen uns gegenseitig!!! Natuerlich war es dafuer auch um so schwerer als die meissten Anfang Januar ihre Projekte beendet haben und nach Hause gefahren sind, da bin ich dann doch in ein kleines Loch gefallen!! Aber es kommen ja jetzt wieder jede menge neue Freiwillige!! Es ist zwar keiner von den "alten" Freunden zu ersetzen, aber es ist auch immer schoen neue Leute kennen zu lernen!!!

Nun hab ich nur noch 1 Monat und einige Tage vor mir, ich kann sagen, dass die Zeit bis hier her sehr aufregend und meistens auch sehr schoen war, dass ich viele neue Seiten an mir entdeckt habe, die ich ohne EVS wohl nie gesehen haette ....... aber ich muss auch sagen, dass ich mich auf zu Hause freue!!

Julia

Schlussbericht Julia

So nun sind schon wieder drei Monate vergangen seit den ich aus England zurück gekommen bin. Hier wieder in Deutschland angekommen, hat mich mein altes Leben gleich wieder voll mitgerissen. Viel Zeit zum Nachdenken hatte ich kaum. Doch oft wenn ich im Bett liege, denke ich mit Wehmut an die Freunde die ich in England zurückgelassen habe!! Viel zu schnell hat mich der Alltag wieder eingeholt, doch trotzdem hat mich England, die Menschen und die Arbeit dort, sehr geprägt und verändert. Und es wird wohl immer ein Teil von mir bleiben.

Wie fängt man an diese Erfahrungen in Worte zu fassen, es ist einfach dieses Gefühl, dass auf einmal alles Möglich war, dass ich wirklich zu was zu gebrauchen war!! Das ich ganz alleine in einem fremden Land überleben konnte… o.k. so allein war ich dann doch nicht!!

Wie fing alles an,
So richtig bewusst, dass ich wirklich für ein halbes Jahr weg gehen würde, wurde mir erst auf unserem Ausreiseseminar. Vorher ging alles via Email und war so super unreal!!
Aber plötzlich musste ich den Tatsachen ins Gesicht sehen, dass ich wirklich in einem Monat abfliegen würde!! Zu dem Zeitpunkt unvorstellbar!! Doch das Ausreiseseminar gab mir das Gefühl das ich nicht alleine war! Es gab noch so viele Andere, die die gleichen Ängste mit mir teilten und Andere, die noch viel größere Probleme hatten als ich!!
Der Monat danach ging so schnell rum, ich habe versucht so viele Freunde wie möglich noch ein letztes mal zu sehn, denn ich dachte 6 Monate würden so unheimlich lang werden. Dann kam noch mein Geburtstag, eine Abschiedparty und plötzlich stand ich auf dem Flughafen!!
Ich kann mich noch genau an die Gesichter von den Menschen vorstellen die mich begleitet haben, meine Ma war am weinen und auch meiner besten Freundin schossen die Tränen in die Augen, mein Bruder hat mich ganz lange gedrückt und mein Freund wollte mich gar nicht zum Flugzeug gehen lassen. Ich selbst war super aufgeregt, ich hatte gar keine Zeit für Tränen… dann hab ich mich irgendwann von meiner Familie und Freunden losgerissen und bin ins Flugzeug gestiegen!! Es war erst das zweite Mal in meinem Leben, dass ich in ein Flugzeug einstieg und das erste mal so ganz alleine!! Aber es war toll, die Wolken sahen aus wie ein Netz aus Watte und überhaupt stieg eine fröhliche Vorfreude in mir hoch. Ich hatte zwischendurch schon ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich noch so gar kein Heimweh nach meinen Leuten verspürte.
Na ja nach der Landung war alles ziemlich chaotisch, irgendwie hab ich es aber dann doch von Standsted über London nach Taunton geschafft!! Und dann stand sie da, Janka, meine neue Mitbewohnerin holte mich pünktlich vom Bahnhof ab.
Janka war vor allem in der ersten Zeit immer für mich da, hat mir bei vielen Sachen mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Und hat es sogar geschafft, dass ich am Ende doch noch ein Bankkonto bekommen habe.

Die ersten Wochen beim Arbeiten waren komisch, unsere "Flat" war direkt gegenüber vom Halcon Haus (meiner Arbeitsstätte). Ich weiß bis heute nicht, wie man das Leben in Halcon kurz und knapp beschreiben könnte. Es war ein Haus für körperlich Behinderte, die eine Auszeit suchten oder deren pflegende Familie mal ne Auszeit brauchte. Einige kamen regelmäßig so alle drei Wochen, andere kamen nur jedes halbe Jahr. Dann gab es noch 4 Leute die immer in Halcon House gelebt haben. Diese vier sind mir in dem halben Jahr besonders ans Herz gewachsen.

Der Anfang in Halcon war für mich relativ schwierig, ich hatte zwar Englisch in der Schule gehabt, hatte aber mit dem Reden und dem Verstehen einige Probleme. Ich hab mich einfach nicht getraut auf Englisch los zu reden, denn die Engländer würden ja jeden Fehler verstehen.
Dadurch entstanden natürlich am Anfang einige Probleme für mich, ich wusste absolut nicht was ich tun sollte und so hab ich jeden Tag die Spülmaschine ein und wieder aus geräumt …ziemlich dämlich. Und weil es so unangenehm war immer nur rum zu stehen, bin ich ständig ohne jeden Grund aufs Klo gegangen und hab mich dort hingesetzt und eingeschlossen. Irgendwann wurde mir das aber echt zu blöd und ich habe angefangen mit meinem gebrochenen Englisch zu reden!! Und das war das Beste was ich je getan habe.
Auf einmal hatte ich was zu tun. Ich stand nicht immer nur noch rum!! Am Anfang war es für mich sehr komisch, dass die Mitarbeiter nicht auf mich zugegangen sind. Aber nach einiger Zeit hab ich begriffen, dass das für mich etwas ganz besonderes war, ich aber für die Leute in Halcon nur eine Freiwillige unter vielen war.
Als ich mir das endlich klar geworden war, bin ich auf die Leute zugegangen, und siehe da, die waren ja echt ganz nett und haben mir auch oft und gerne geholfen. Das wichtige war nur, dass ich gefragt habe und das die Mitarbeiter gesehen haben, dass ich interessiert war.
Auf einmal bin ich mit den Gästen in die Stadt zum Einkaufen oder ins Kino gegangen; habe ihnen morgens beim Aufstehen geholfen; Mittags konnte ich beim Kochen helfen…. Und hatte eigentlich immer etwas zu tun.
Das Leben außerhalb von Halcon gestaltete sich sehr nett. Schon in der ersten Woche lernte ich im College ein Mädchen aus Baden Baden kennen, mit der ich später noch viel unternehmen würde!!! Es lag wohl nicht daran das sie auch aus Deutschland kam, sondern viel mehr das wir in der gleichen Zeit angekommen waren, und wir beide gerne viel durch England reisen wollten!! Das haben wir dann auch getan… jedes Wochenende eine andere Gegend.. mal Städte und sehr oft die pure Natur, die in England einfach atemberaubend ist. Man findet doch sehr schnell viele gute Freunde die man wohl auch im spätern Leben nie wieder vergessen wird. Das war das tolle an dem Somerset County Caunsel, wir Freiwilligen haben uns immer in dem College getroffen und uns wurden auch viele Gelegenheiten für Partys und ähnliches gegeben.

Was ich auch super fand war, dass wir so viele verschiedene Menschen kennen lernen konnten. Ich habe Jugendliche aus aller Welt kennen gelernt; einige aus Italien, Spanien, Taiwan, Polen und aus der Slowakei.
Ich kann nur jedem sehr empfehlen mit dem Europäischen Freiwilligendienst eine Reise ins Ausland anzutreten, ich habe mich immer sehr sicher gefühlt, obwohl ich doch ganz alleine in einem fremden Land war.

Julia