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Erfahrungsbericht Franka

Stiftelsen Grobunn ist ein Projekt, dass von mehreren Leuten vor ziemlich genau fünf Jahren gegründet wurde. Ein Bauernhof, der zuvor schon als Altenpflegeheim genutzt wurde, bietet den neun hier lebenden, geistig behinderten Jugendlichen und mehreren Mitarbeitern mit ihren Familien genügend Platz und Möglichkeiten.

Aber Grobunn ist eine Schule, eine weiterführende Schule, die den Schülern das erste Mal die Möglichkeit gibt, von zu Hause auszuziehen und "erwachsen" zu werden. Nur jedes zweite Wochenende verbringen sie bei ihren Eltern.

Neben praktischem Unterricht wie Arbeiten im Stall, im Garten, auf den Feldern oder in der Schulküche, gibt es auch theoretische Einheiten, in denen beispielsweise über das Erwachsenwerden gesprochen wird oder einfach norwegisch unterrichtet wird. Meine Aufgaben als Freiwillige waren sehr vielfältig. Jeden Tag gab es Pflichtaufgaben, Dinge wie mit der jeweiligen Arbeitsgruppe, bestehend aus drei Schülern und ein bis zwei Lehrern, am Vormittag zwei Stunden entweder im Stall, in der Werkstatt oder in der Küche zu arbeiten. Beim darauffolgenden Lunch bestand Anwesenheitspflicht und auch beim Zusammensitzen danach. Die anderen Aufgaben waren je nach Tag auf die Mitarbeiter und Freiwilligen verteilt. So z.B. Wecken und Frühstück machen, Aufräumen, Spülen, Putzen, Nachtwache (die Behinderten leben in einem separatem Haus) oder Aufsicht, Beschäftigung und Kochen von 15 bis 22 Uhr. Mir hat die Arbeit sehr großen Spaß gemacht, auch wenn es zeitweise sehr viel und sehr anstrengend war, gerade die 15 bis 22 Uhr Schichten.

Im Vergleich zu anderen Projekten muss man in so einer Behinderteneinrichtung verhältnissmäßig viel arbeiten. Ein anstrengendes Leben, denn gerade Behinderte fordern erhöhte Aufmerksamkeit in allen, wirklich allen Situationen. Aber nachdem ich mir selbst etwas Norwegisch angeeignet hatte, denn das mit meinem Sprachkurs wurde von Grobunn schlecht bzw. nicht organisiert, und verstand, wenn die Schüler mit mir sprachen, war es unglaublich toll, denn sie geben einem so viel zurück und man weiß, dass die Anstrengungen sich einfach lohnen!

Außer dem Haus für die Behinderten gibt es noch ein richtiges, großes Bauernhaus, in dem sich die Schulküche, Klassenräume und einige Wohnungen befinden. Hier wohnen auch alle Freiwilligen auf einem Flur, mit großer Wohnküche und zwei Bädern. Damit konnte man wirklich sehr zufrieden sein! Getrennt durch zwei Türen wohnen auf demselben Flur Hans und Christiana Bringeland. Hans ist der Tutor der Freiwilligen. Jede Woche gab es ein Treffen, bei dem wir alles sagen konnten, was uns unter den Nägeln brannte, egal was. Und er hat sich immer Mühe gegeben, Veränderungen und Verbesserungen zu schaffen. Leider hat er aber auch oft Dinge vergessen, weil er außer Tutor noch normaler Mitarbeiter im Tagesgeschäft war und außerdem einen Grossteil der Schreibarbeit im Büro erledigt hat. Einfach zu viel! Zum Beispiel hat er es in acht Monaten nicht geschafft, mir das schon in Deutschland versprochene Eis- und Schneefahrtraining zu organisieren, obwohl ich ihn nahezu jede Woche daran erinnert habe. Oder die Sache mit dem Sprachkurs...

Mein Glück war trotzdem, dass, als ich im Dezember nach Grobunn kam, meine Mitfreiwilligen ja schon fast ein halbes Jahr dort gelebt hatten und damit schon so gut norwegisch konnten, dass ich von ihnen das Meiste gelernt habe. Das ging auch ganz gut, nur habe ich eben nie richtig Grammatik gelernt und kann somit auch nur ganz schlecht schreiben und selbst formulieren. Auch gestört hat mich, dass man manchmal, auch wenn sie es heftig abgestritten haben, gemerkt hat, dass man eben doch nur eine kostenlose, ungelernte Arbeitskraft ist. Da wurden uns eben zum Grossteil die Aufgaben zugeteilt, die keiner sonst machen wollte. Wie z.B. die Nachtwachen, das wöchentliche Putzen, Wochenendschichten im Stall wenn die anderen frei hatten, spontanes Einspringen wenn ein Mitarbeiter krank wurde oder ein Freiwilliger, ganz egal. Oder wir erfuhren ganz oft als letzte von geplanten Sachen und unserem beträchtlichen Anteil an Arbeit daran. Verschiedene Dinge eben, die einen spüren ließen, welchen Stand man bei aller Freundlichkeit und Herzlichkeit trotzdem eigentlich hatte. Aber das stellte natürlich wiederum eine Herausforderung für einen selber dar, ich habe beispielsweise dadurch gelernt, öfter auf mich zu achten und einfach "nein" zu sagen. Also bei allem Ärger trotzdem positiv.

Außerdem habe ich viele sehr nette Menschen kennen gelernt, aber alles nur Leute, die entweder auf dem Hof lebten oder arbeiteten. Nur ein paar von ihnen sind Norweger, insgesamt habe ich vielleicht 20 echte Landsleute kennen gelernt, für acht Monate ziemlich wenig, wie ich finde. Aber durch die Abgeschiedenheit des Hofes und die relativ ungeschickten Arbeitszeiten war es auch kaum möglich, sich in der nächsten Stadt um soziale Kontakte zu bemühen. Zumal meine Mitfreiwilligen fast alle zu jung waren, um beispielsweise einen Club zu besuchen, in Norwegen muss man dafür 21 sein. Manchmal kommt man auch mit 20 reinůmein Glück! Zusätzlich sind auch die Norweger gerade im Süden, wo Grobunn liegt, eher zurückhaltend und verschlossen, was das Kontaktknüpfen noch mal erschwert. Ich konnte daher wirklich glücklich sein, die meiste Zeit mit zwei Mädels zusammenzuwohnen, die ich wirklich gern mag. Das erleichterte mir schon den ein oder anderen einsamen Moment oder langweiligen Sonntagnachmittag.

Ich finde es wirklich sehr schade, dass ich zu gleichaltrigen Norwegern gar keinen näheren Kontakt hatte. Aber trotzdem habe ich meine Zeit dort sehr genossen und würde sofort wieder in dieses wunderschöne Land zurückkehren!

Franka