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Erfahrungsbericht Tatjana

Ich wollte schon immer mal ins Ausland und als dann endlich mal die Bestätigung von der EU kam, blieb mir auch gar nicht mehr viel Zeit, um die ganzen Vorbereitungen zu treffen.
Letztendlich ging alles so schnell, dass ich mir auch nicht großartig viele Gedanken machte, über das, was mir in den nächsten 6 Monaten bevorstehen würde.
Im schlimmsten Fall kann ja nur alles schief gehen, die Arbeit ist nicht das, was man eigentlich erwartet hatte und Freunde findet man auch keine. Also: Alptraum. Als ich dann orientierungslos doch endlich in meiner 3er WG stand, stellte ich schnell fest, dass ich nicht die Einzige war, die so dachte. Meine französische Wohnungskumpanin hatte sich mit über 20 Büchern ausgerüstet, falls der Extremfall wirklich eintreffen sollte.
Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das schon je jemandem passiert ist...

Jeder bemühte sich einem zu helfen. Auch wenn die Arbeit: "Office without drugs" und der dazugehörigen Beschreibung, man würde aktiv etwas mit Drogenhilfe am Hut haben, überhaupt nicht auf das zutrifft, was ich dann dort antraf, kann ich behaupten, dass mir viele Leute bei einem schnellen Zurechtfinden und guten Einleben zur Seite standen.
Also so schön ,wie sich das Projekt auch in seiner Beschreibung anhört, man sollte am besten alles locker auf sich zukommen lassen und vielleicht nicht mit zu hohen Erwartungen an die ganze Sachen `drangehen - Dann wird der Freiwilligendienst, meiner Meinung nach, auf jeden Fall ein einzigartiges Erlebnis.

Meine Arbeit umfasste an sich mehrere Etappen und war am Anfang bzw. sehr sehr lange ziemlich langweilig.
Im Dezember 2003 durfte ich anfangs ca. einen Monat in einer Parkanlage arbeiten, wo für Kinder von 4-10 Jahren mehrere Zelte mit verschiedenen Aktivitäten aufgebaut waren. Hört sich erst einmal interessant an, wars aber nicht. Wir, d.h. die Französin Manue die schon 2 Monate länger da war und ich, mussten eine Hüpfburg beaufsichtigen und nebenbei konnte man auch Straßenanimation machen. Ob es interessant ist oder nicht, ist in dem Fall für jeden unterschiedlich. Wenn man bei der Gelegenheit schon Sprachkenntnisse besitzt und auch noch geschickt in Jonglieren und all dem, was so dazugehört, ist, kann einem das ne Menge Spaß bringen. Na ja, ich konnte nichts von dem, aber ich glaube, dass alles schlechte auch was gutes hatte, denn dementsprechend stürzte ich mich noch mehr in das Erlernen dieser, mir vorher noch völlig unbekannten, Sprache: Portugiesisch.
Mit Erfolg- nach 2 Wochen fing ich an mich endlich mal - zwar noch sparsam- am "normalem Leben" zu beteiligen.

Wenn man dann erstmal in dem Land ist und dort auch länger bleibt, kriegt man auch erst so richtig mit, wie es im Inneren des Landes und auch den Menschen dort aussieht. In Portugal ist es so, dass ein Großteil der Leute keine Heizung hat. Hab mir niemals erträumt, dass es so was in Europa noch gibt, oder: dass es nachts so a****kalt werden kann. Wenn überhaupt konnte ich in den Büroräumen so Rollheizungen antreffen. Eine Zentralheizung ist mir nie untergekommen. Nach nur ein paar Tagen, musste ich um eine bitten, weil ich einfach bei der Kälte nicht schlafen konnte. Nach einem Monat bekamen wir auch eine, weils auch fürs Wäsche trocknen (sonst über ne Woche Trockenzeit) nötig war.
Dabei und auch bei mehreren anderen Situationen, musste ich feststellen, dass es nicht unbedingt schlecht ist, einen Dickkopf zu haben und hartnäckig zu bleiben.
Beim nächsten Job musste ich nämlich 3 Monate in einem Kindergarten aushalten und bei den Angestellten waren wir eher ein Dorn im Auge, weil alle (warum auch immer) um ihre Stelle fürchteten.
Aber unsere Theater- AG haben wir nach 2 Monaten (sehr schnell, aber immerhin) doch noch durchgesetzt! - mit Aufführungen am Schluss.

Auch suchten wir uns andere Möglichkeiten, die in derselben Organisation noch veranstaltet wurden, wie: Schulen bzw. Treffpunkte für schwererziehbare bzw. sozialschwache Kinder und Jugendliche.
Man sollte auf jeden Fall immer nach anderen Aufgabenbereichen suchen, wenn der Ort, an dem man z. Z. arbeitet, einem nicht gefällt. Denn die 2 Freiwilligen, die vor uns da waren, haben ganze 6 Monate in diesem Kindergarten mit beim Umziehen 2x die Woche und Kopieausmalbildern verteilen geholfen, was ich Gott sei dank nur knapp 3 Monate gemacht habe. Danach kam ein Projekt (nach meinem erholsamen Urlaub), was zwar immer noch nichts mit dem Ausgangsthema zu tun hatte, aber mir trotzdem so gefiel, dass ich mein Projekt noch um 2 Monate verlängerte. Dies kann man direkt einfach nur mit seiner Aufnahmeorganisation aushandeln und ich habe mir eine Bestätigung, über die Zeit und die gleichen Bedingungen, wie vorher (Geld, Wohnung,..) ausstellen lassen.
In einem 2stöckigen umgebauten Bus, der fest in einem afrikanischen Viertel stand, haben wir Freizeitangebote für die sozialschwachen Kinder und Jugendlichen dort organisiert. Schnell wurde ich auch vom Basketballfieber angesteckt... :-)
Ich glaube es ist relativ egal, ob man alleine oder mit mehreren Freiwilligen in einer Stadt untergebracht ist. Klar bleibt man, so wie ich, schnell in der Gruppe, wenn dann schon mal eine da ist und alleine muss man sich mehr ins Zeug legen, um sein Umfeld erstmal kennen zu lernen, aber letztendlich findet man dann einen Gesprächspartner, ohne den man einfach nicht auskommt, ob Portugiesisch oder international...
Die Freundschaften sind einzigartig, da sie die erlebte Zeit mit allem widerspiegelt!

Zusätzlich habe ich mich im Karateverein angemeldet, was ich vorher in Deutschland auch schon praktiziert habe und an solchen Orten lernt man dann auch leicht so genannte "Einheimische" kennen.
Zum Schluss lässt sich sagen, dass Portugal ein total schönes Land ist und geeignet, wenn man eine außergewöhnliche Sprache lernen will. Die Leute sind offen, aber das ist bestimmt auch ein wenig ortsabhängig...
Ich hatte Glück mit der Zeit, in der ich da war, da ich zusätzlich auch als Freiwillige bei der Europameisterschaft 2004 mithelfen durfte!

Wünsch euch viel Spaß bei eurem EVS!
Nicht abschrecken lassen und man nimmt in jedem Fall viele Eindrücke mit nach Hause, die einem bestimmt noch des Öfteren einfallen und auch weiterhelfen werden.
Man kommt einfach REICH zurück --- an Erfahrungen, Freundschaften und neuem Selbstvertrauen.

In dem Sinne: FORçA!!!

Tatjana