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Zwischenbericht Margaret

Orbey, Elsass, Frankreich, 3.04.2004, 13.06 Uhr, ein Sonnenscheintag.
Ja und hier befinde ich mich jetzt und spreche zu euch!
Ca 8 Monate sind von meinem Dienst nun vorüber und ich sehe dem Ende schon mit weinendem Auge entgegen. Man verbringt hier einfach eine geniale Zeit! Wenn man sich jetzt rückblickend die Zeit vor dem Beginn des "Stage" in Orbey vor Augen hält und tausende von Gedanken darum kreisen, wie das denn so wird mit erwachsenen Behinderten zu arbeiten, wie das so ist ziemlich lange von Familie und Freunden entfernt zu sein ... inwieweit das mit der Sprache klappt und wie viel mir das am Ende bringen wird, oder ob ich es vielleicht an einem gewissen Zeitpunkt bereuen werde ... All dieses und noch viel mehr stapelt sich in der Gedankenwelt auf und lässt einen so schnell auch nicht mehr in Ruhe.
Aber dann passiert es doch irgendwann, ups, die Zeit ist da, auf geht's.

Was mich hier erwartete:
Orbey, ein Miniörtchen in der Nähe von Colmar, mitten in den Weinbergen, hier und da mal ein Häuschen und Kühe. Zunächst Schock! Angst vor Langeweile, Abgeschiedenheit, Alleinsein. Nunja, dies stellte sich zum Gegenteil heraus.
Nachdem ich einen aüßerst netten Empfang genießen durfte, lernte ich am ersten Tag meine fünf weiteren Mitpraktikanten kennen, die mit mir hier das Jahr verbringen sollten. (Diese Zahl von Praktikanten beläuft sich übrigens jedes Jahr so auf sechs oder sieben, was bei vielen anderen Institutionen durchaus nicht der Fall ist. Es gibt viele, da ist man allein). Diese verteilen sich dann auf drei Häuser, aus denen sich die komplette Institution "Les Sources" zusammensetzt und die sich auf einem größeren Gelände befinden, jeweils ca 150 m entfernt voneinander. Desweiteren befinden sich auf diesem, ein Tennisplatz, ein großer Garten, wo vieles angebaut wird, und "Arbeitsateliers".
Wie aber sieht nun hier der Arbeitsalltag und die Freizeit aus?
Zunächst einmal komme ich auf die unterschiedlichen Arbeitsateliers zu sprechen, es gibt acht ihrer Art:

  1. Weberei
  2. Küche
  3. Holzatelier
  4. Reiten
  5. Kerzenzieherei
  6. Garten
  7. Atelier Mouvement (Bewegungsatelier)
  8. Atelier Entretien (Instandhaltung)
Der Arbeitstag gliedert sich in unterschiedliche Etappen, wobei hinzuzufügen ist, dass man sich diesen mit seinem Mitpraktikanten teilt. Morgens ist Lever (aufwecken und Frühstück mit den "Compagnons" (so werden die Behinderten hier genannt)), daraufhin schliesst sich ein Atelier an, worauf dann das Mittagessen folgt. Es ist dann so 13.30 Uhr, also Sieste (Pause) bis 15.00 Uhr.
Das nächste Atelier beginnt und das Abendessen schliesst sich an. 19.15 Uhr: Feierabend. Hierbei wechselt man sich mit seinem Mitpraktikanten (es sind immer zwei pro Haus) ab: Einer macht Lever und Abendessen, der andere nur Mittagessen und am nächsten Tag wechselt man. Das macht einem den Tag nicht ganz so voll.
Die meisten Probleme hab ich mir zu Beginn wohl damit gemacht, wie das wohl ist, wenn man vielleicht mal Behinderte waschen muss. Da war bei mir eine relativ große Scheu vorhanden. Diese überwand ich allerdings verdammt schnell, da das alles nicht so dramatisch ist, wie man sich das so vorstellt.
Absolut ausschlaggebend für einen Arbeitsalltag ist natürlich das Verhältnis zu den Behinderten. Ebenfalls zu Beginn eine riesen Sorge meinerseits. Wie wechselseitig kann so eine Beziehung schon sein? Wie behindert sind die wohl?
Eins kann ich euch versichern, es macht mit ihnen einfach riesig Spass! Man redet miteinander, man lacht und scherzt mit ihnen und unternimmt auch an den Wochenenden (an denen man hier übrigens arbeitet, man hat zwei Tage in der Woche frei) schöne Dinge mit ihnen, wie Spaziergänge, Kino, Museumsbesuche, Besuche von verschiedenen Veranstaltungen, etc.
Sehr angenehm und organisiert ist hier auch die Beziehung zu den Erziehern. Der Tutor ist immer da, wenn man ihn braucht oder nicht und kümmert sich um alles was um einen herum so geschieht. Man ist also wirklich gut hier aufgehoben. Was ich noch mal zwischendurch erwähnen möchte ist, dass man hier übrigens auch mal ein paar Tage Probearbeiten kann, um sich das hier genau anzuschauen, ob es einem hier gefällt oder nicht!

Was hier so meine Freizeit anbetrifft, genieße ich voll und ganz die Natur! Herrliche Seen, Skipisten, Wanderungen und ausgedehnte Essen mit den übrigen Praktikanten stehen da so u.a. auf dem Plan. Schade find ich momentan eigentlich nur, dass alle Praktikanten dieses Jahr hier deutsche sind, man infolgedessen also nicht non-stop französisch spricht. Aber es tut dann auch mal gut, sich in der eigenen Sprache mal ausgelassen fallen zu lassen... nunja, hat alles seine Vor- und Nachteile.
Noch habe ich gar nichts zu meiner Wohnsituation erwähnt:
Ich teile mir mit noch einem Praktikanten eine schöne, große Wohnung, welche das Dachgeschoß unserer Arbeitsstelle einnimmt. So muss man morgens auch nicht wahnsinnig früh aufstehen wenn es an die Arbeit geht, man hat es halt nicht weit.
Was ich nun abschliessend nur nocheinmal erwähnen kann, ist, dass ich mich noch sehr auf meine verbleibenden vier Monate freue, und euch für euren EFD Aufenthalt ganz viel Spaß wünsche!!

Margaret

Erfahrungsbericht Margaret

SOOO! Jetzt kommt der Tag der Tage an dem sich manch ein Freiwilliger vielleicht freut und manch einem davor bangt. Mir bangt es davor. Nachdem man fast ein Jahr so intensiv mit Menschen gearbeitet, kooperiert und gelebt hat, fällt es mir sehr schwer das ganze hier als abgeschlossen zu betrachten. Zumal man ja auch oft nicht so weiß, was einen genau erwartet: Ob das nun mit dem Studienplatz oder Ausbildungsplatz klappt wie man sich das vorstellt, ob die Leute, die daheim waren, sich nicht auch ein Stück weit verändert haben, wie man selbst. Und so weiter und so fort...Nachdem ich in meinem Halbjahresbericht viel über die Institution und die Arbeit erwähnt habe, ist mir auch wichtig das zu nennen, was durch die Leute und die Arbeit mit den Behinderten mit einem passiert, hier also mit mir. Klar gibt's während dem Dienst stressige Phasen, wo man sich vielleicht für nen Moment einfach weg wünscht, überfordert ist oder einfach tierisch genervt von der Arbeit. Dann kommst du in deine Wohnung und findest keinen wirklich aufgeräumten Platz, nur die Aussicht auf: es gibt ne Menge zu spülen, waschen und oh mein Gott wie der Boden klebt.
Tja, von wegen nach gestresstem Tag in Ruhe ausspannen....Ich sag ja nur, so was kann mal vorkommen :-)

Die restliche Zeit vermiss ich jetzt schon. Im Moment versuche ich jeden Tag, jedes Essen, jeden Ausflug und jede Begegnung mit den Behinderten zu genießen (Stresssituationen sind ja schon gar keine Stresssituationen mehr :-) ).

Man verlässt diesen Platz und ist einfach ein Mensch, der dazugelernt hat: gelernt mit fremden Menschen auf engstem Raum, für ne lange Zeit gut auszukommen, zu arbeiten, zu leben und feste Freundschaften zu schließen und sich und sein Selbst zu organisieren. Und ich muss sagen Les Sources hat es mir nicht schwer gemacht. Die Zeit hier war einfach super schön und eigentlich will ich hier gar nicht wieder weg :-)
Aber ich mach jetzt Platz für einen von euch, der diese ganzen tollen Erfahrungen mal selber machen soll. Ich wünsch euch ganz, ganz viel Glück und bevor ich's vergesse:
Die vom IFAP machen das ganz wunderbar, da könnt ihr euch drauf verlassen.
Ciao, ciao Eure Margaret

Margaret