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Erfahrungsbericht Mandy

Ich bin gerade auf der Fähre nach Igoumenitsa, Griechenland, wo ich meinen letzten Urlaub, mit meiner EFD-Familie, "verschwende". 14 Tage lang campen, mit den Leuten, die mich das gesamte letzte Jahr in Hartheim begleitet haben. Ein Jahr mit Leuten, die aus ganz Europa kamen: Frankreich, Griechenland, Spanien, Litauen, Ungarn, Österreich, und ein außereuropäisches Land war auch dabei: Palästina.
Wir teilten alles zusammen, auch wenn wir jeweils eine 1-Raum-Wohnung hatten, was auch gut war, um sich mal gelegentlich abzugrenzen und einen gewissen Abstand zur Arbeit zu haben, da Wohn-und Arbeitsplatz der gleiche Ort war. Wir machten regelmäßig Abende mit "International Food", wo wir uns gegenseitig mit den Nationalgerichten verköstigten, gingen gemeinsam zusammen in Linz und Umgebung fort, und haben uns an den ein oder anderen Musikgeschmack gewöhnt und nicht selten Gefallen dran gefunden, viel ausgetauscht und diskutiert über die unterschiedlichen Lebenseinstellungen, Charaktere, Schulsysteme, Religionen, Bräuche, Sitten, und ... sind viel zusammen durch "Land" getrampt. Eigentlich erst aus der Not heraus, weil in unser Dorf nach 22.00Uhr abends und bis 7.00Uhr in der früh keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren, dann sogar weit in andere Länder wie Frankreich, Italien, Tschechei, etc, weil wir es für uns als die billigste Art des Reisens entdeckt haben, bei der man noch dazu unheimlich nette und interessante Menschen kennen gelernt. Die Offenheit, die uns auf diese Weise begegnet ist, hat uns immer wieder gezeigt, dass die Welt und deren Leute noch nicht so schlecht und verdorben sind, wie viele behaupten, hat uns auch von so manchen Vorurteilen befreit, und nebenbei haben wir natürlich auch viel Werbung für den Freiwilligendienst gemacht.
Neben den sozialen Kontakten, habe ich von diesem Jahr auch für meine berufliche Zukunft profitiert. Ich wusste schon vor diesem Jahr, in groben Zügen, was ich machen wollte, und im Institut habe ich noch etwas Anderes für mich entdeckt: Zum einen die Gebärdensprache und zum Anderen die Arbeit mit Kindern. Allerdings ist zu sagen, dass ich am Anfang schon sehr orientierungslos war, durch ein Überangebot von Arbeitsideen, denn ich bin ohne große Vorstellungen und Erwartungen dort hingegangen. Hilfreich wäre es schon gewesen, um schon mal einen Einstiegspunkt zu haben. Dennoch war die Arbeit sehr abwechslungsreich für mich: Neben meiner Arbeit auf der Wohngruppe "Amigo", war ich auch noch einmal die Woche in einer Werkstätte tätig, Textilwerkstatt, jedes Wochenende in der Sportgruppe und das letzte halbe Jahr auch einmal die Woche in der Schule. So, dass ich ein recht umfangreiches Bild von ihrem Leben gekriegt habe. Die Arbeit mit den Kollegen war auch überall super angenehm, das beste Klima zum Arbeiten, was man sich nur wünschen kann. Am Anfang habe ich mich ein bisschen einsam gefühlt, weil ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte, aber mit der Zeit hat sich alles super eingespielt.
Die Arbeit auf der Wohngruppe "Amigo", mit hauptsächlich leichtbehinderten Bewohner, war relativ einfach, da alle Bewohner sehr selbstständig sind, sie brauchen nur sehr gering Hilfe bei der täglichen Pflege, außer die zwei Rollstuhlfahrer ein bisschen mehr. So das mein Hauptaufgabe darin bestand, etwas mit ihnen zu unternehmen, wie gemeinsames Kochen, einkaufen gehen, Spiele spielen, musizieren, Intensivförderung wie Lesen und Gebärden lernen, und auch zahlreiche Ausflüge ins Theater, Kino, Disko, etc. - Auch wenn ich mich am Anfang gelangweilt und dann eine Weile als überflüssige Animatorin gefühlt habe, bin ich recht froh, dass ich auf dieser Gruppe gelandet bin, denn ich habe schnell gemerkt, dass sogar die kleinsten Pflegearbeiten, wie jemanden den Hintern auswischen, für mich unmachbar waren. -

Die Arbeit mit den Behinderten "taugt ma" (oberösterreichischer Dialekt). Ich hatte viel Spaß mit ihnen und habe viel von ihnen gelernt. Am interssantesten war für mich, dass ich das Gefühl hatte, jeder Tag ist ein neuer für sie, auch wenn sie ein recht eintöniges Alltagsleben führen wie viele von uns auch: Ein mongolides Pärchen in meiner Gruppe, zum Beispiel, saß jeden Tag, wie frisch verliebt, knutschend in der Ecke und hatte immer den gleichen liebevollen Umgang miteinander, und jeden Tag konnten sie genauso herzlich über die gleichen Witze lachen. Langweilig war ihnen auch nie wirklich.
Das jeder Mensch ein Individuum ist, kommt bei den Behinderten besonders stark zum Ausdruck, da sie teilweise sehr außergewöhnliche, wenn teilweise auch nutzlose, Talente haben bzw. stark auffällige Macken oder Charakterzüge. So gab es jemand, der Kontakt mit Elfen hatte, die ihm im Kontakt mit Frauen halfen; es gab jemanden, der die Geburtsdaten aller Bewohner und Betreuten im Kopf hatte, und sich deshalb immer selbst zu Geburtstagen einlud :-) ein Anderer war immer so fröhlich drauf, dass er von morgens bis abends vor sich hin gesungen hat, ein wiederum Anderer hat die Talente eines Künstlers in sich; und ein Besucher hatte das Hobby Frauenschuhe zu sammeln, weil Teppiche seiner meiner Meinung nach sehr "sensible Wesen" sind und nur damit betreten werden dürfen, etc. Ich könnte noch zahlreiche solcher Beispiele aufzählen, aber das soll reichen um ein Bild zu geben, von dem was ich alles aus Hartheim für mich mitgenommen habe.

Über unseren Mentor "Imre Papa" kann ich auch nur positives sagen. Wir hatten regelmäßig Treffen mit ihm, wenn wir Probleme hatten, konnten wir jederzeit zu ihm kommen, und wenn er unsere Hilfe brauchte, bei der Einweisung neuer Leute oder Begleitung bei Projekten, die er organisiert hat, standen wir ihm auch zur Verfügung. Und Projekte, die er nebenbei organisiert, sind weiß Gott nicht wenige. Zu seinen Projekten gehören u.a. EU-Austauschprojekte, auch in ganz Europa, wo Behindertengruppen in Institutionen von anderen Ländern fahren und umgekehrt. Bei einem dieser Projekte war ich auch als Betreuerunterstützung dabei, und kann sagen , dass es durchaus erfolgreich war. Durch Erfahrungen wie diese, kann Institut Hartheim die Arbeit auch immer und immer verbessern.

Für mich, war mein Jahr im Institut Hartheim das Beste, was mir je passieren konnte, in jeder Hinsicht. Ich würde so einen Freiwilligendienst jederzeit wieder machen, wenn ich nur könnte und dürfte.: Dieses Jahr war für mich besonders gut als Pause, zwischen Schule und Studium. Ich kann dieses Jahr nur jedem weiterempfehlen, und auch das Institut Hartheim, wenn man dann mit Behinderten zusammen arbeiten möchte. Allerdings muss ich sagen, dass man selbst daran Schuld ist, ob es einen gut oder schlecht geht. Eigeninitiative ist überall gefragt!!!

Mandy