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Erfahrungsbericht Nicole

Natürlich war ich vor meiner Abreise nach Wien etwas aufgeregt! Viele Fragen gingen mir durch den Kopf.
Wie wird wohl die Arbeit bei amnesty? Werde ich mich gut mit meinen Mitbewohnern verstehen? Wie werde ich mich so weit weg von meiner Familie und meinen Freunden fühlen,...?
Aber meine Vorfreude auf den siebenmonatigen Aufenthalt war auf jeden Fall größer. Beim Seminar in Apolda hab ich zu meinem Glück noch Annett und Daniela kennen gelernt, die mit mir zusammen nach Wien gefahren sind. So konnten wir uns auf der Fahrt zusammen den Kopf darüber zerbrechen was dort alles auf uns zukommen wird!
Durch die Aufnahmeorganisation "Grenzenlos" war dann auch alles gut vorbereitet. Wir wurden von anderen Freiwilligen vom Bahnhof abgeholt und in unsere Wohnungen gebracht. Das war sehr hilfreich, da sie sich gut auskannten und schon mal die wichtigsten Fragen beantworten konnten. Am nächsten Tag hab ich mich dann bei Grenzenlos vorgestellt und weitere, vor allem praktische Informationen zu meinem Aufenthalt bekommen, z.B. bei welcher Bank ich am besten ein Konto eröffne.
Einmal im Monat gibt es den sogenannten Jour-Fix. Das ist ein durch Grenzenlos organisiertes Treffen zu dem alle Freiwilligen kommen können um Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.

Danach ging es dann zusammen mit Daniela zu amnesty international, unserem neuen Arbeitsplatz. Wir wurden dort sehr herzlich empfangen und bekamen am ersten Tag eine allgemeine Einführung über unseren Arbeitsbereich! Mein Arbeitsplatz war der Empfangsbereich. Zu meinen Aufgaben gehörte hauptsächlich die Entgegennahme von Telefonaten, das Versenden von Informationsmaterial und je nachdem wo Not am Mann war hab ich dann ab und zu auch urgent action Briefe geschrieben und auch mal Milch und Klopapier besorgt. Das hört sich jetzt vielleicht nicht unbedingt besonders aufregend an aber durch diese Tätigkeit erfährt man wirklich viel über amnesty und die Themen zu denen sie arbeiten und auch wie wichtig die Arbeit von amnesty ist.
Ich habe in diesen Monaten viel über das Elend und die Grausamkeiten auf der Welt erfahren. Aber auch über die Fortschritte und Efolge wenn es um Gleichberechtigung, Abschaffung der Todesstrafeund das Verschinden lassen von Menschen geht.
Ein wirklich sehr ergreifendes Erlebnis war der Vortrag von China Keitetsi auf der Generalversammlung von amnesty.
Sie ist eine ehemalige Kindersoldatin aus Afrika. Sie berichtete über die Grausamkeiten die ihr in ihrem Leben zugefügt wurden. Aber sie erzählte auch davon , dass sie es Mithilfe der UNO, amnesty und anderer Organisationen geschafft hat zu flüchten und ein neues Leben zu beginnen. Und wie sehr sie ihre Arbeit schätzt.
Während meiner Zeit in Wien gab es noch viele Begegnungen mit beeindruckenden Menschen. Von denen ich wirklich lernen konnte und deren Erfahrungen mich wirklich sehr beeindruckt haben.

So auch bei amnesty im Büro. Es geht zwar wirklich sehr locker zu ( z.B. wenn es um Urlaub geht) aber man merkt einfach das allen Mitarbeitern ihre Arbeit wirklich sehr wichtig ist.
Ich muss jedoch auch zugeben das es am Anfang etwas langweilig war, da ich erst nach und nach meinen Aufgabenbereich erklärt bekommen habe. Und es gab auch zwischendurch langweilige Großaktionen bei denen tagelang Briefe für einen Gruppenversand einkouvertiert werden mussten. Was auch auch etwas schade fand war der Umstand, dass wir uns nicht aktiv für etwas einsetzten konnten. Denn dafür gibt es amnesty Gruppen die ehrenamtlich zu den verschiedenen Themen wie z.B. Frauenrecht, Kinderrecht oder Todesstrafe arbeiten.

Aber wenn ich an die tolle Zeit zurückdenke, an die Menschen die ich kennen gelernt habe, die vielen Dinge die ich gelernt habe, kann ich wirklich sagen, "das war die beste Sache die ich je gemacht hab"!!!

Wenn es um Wien geht bin ich einfach sprachlos. Diese Stadt ist so wunderschön! Sieben Monate haben nicht im mindesten gereicht um alles zu sehen und zu erleben.
Mit meiner Wohnung hatte ich wirklich Glück. Auch wenn sie nicht mehr ganz neu war so war sie sehr zentral gelegen und durch das tolle Verkehrsnetz in Wien war alles super zu erreichen. Außerdem haben Annett, Daniela und ich so viel unternommen das wir oft nur zum schlafen zu Hause waren.
Ich habe mit drei anderen Freiwilligen zusammengelebt. Sie waren sehr nett und obwohl wir zwar nicht besonders viel zusammen unternommen haben war es trotzdem schön wenn man nicht ganz alleine in der Wohnung ist. Mir hat das besonders am Anfang sehr geholfen. Ich war krank und musste 1 1/2 Wochen im Bett bleiben und da haben Sie sich wirklich lieb um mich gekümmert.
Also wie schon gesagt Wien ist eine echt schöne Stadt. Ich kann sagen ich hab mich wirklich verliebt! Man kann nahezu alles erleben was man will. Durch die vielen erhaltenen alten Gebäude und die Parks überall in Wien hat die Stadt eine sehr gemütliche Atmosphäre. Meiner Meinung nach muss jeder Wien für sich selbst entdecken. Aber ich verrate euch gerne meine Lieblingsplätze. Im Sommer ist die Donauinsel echt toll. Man kann sich am Ufer sonnen und sich im kühlen Wasser erfrischen. Eine tolle Aussicht hat man bei der Gloriette im Park von Schönbrunn. Auf keinen Fall sollte man sich die Aussicht vom Kahlenberg auf Wien verpassen. ( vor allem bei Nacht -> sehr schön beleuchtet). Wenn man Brit Pop und Alternative Music mag muss man unbedingt im B72 und Chelsea gewesen sein. Einkaufen kann man sehr schön in der Neubaugasse. Dort gibt es sehr viele nette, kleine Läden. Essen gehen kann man gut und billig in vielen Studentenlokalen. (Centimeter, Tunnel, Cafe Benno und im Uni- Campus).

Du kannst dich wirklich darauf freuen nach Wien zu fahren und bei amnesty zu arbeitenů VIEL SPAß!!!!!!

Nicole