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Erfahrungsbericht Anna

Bevor ihr loslegt möchte ich noch etwas voranstellen: Dieser Bericht beruht ja nur auf meinen eigenen Erfahrungen und ist deswegen wohl ziemlich subjektiv, also nehmt nichts zu ernst!

Da ich meinen Zwischenbericht schon so spät geschrieben habe, kann ich wahrscheinlich nicht mehr viel hinzufügen..

Zum Projekt kann ich sagen, dass es wohl schwer ist ein Projekt mit vergleichbar guter Arbeitsatmosphäre zu finden. Auf Lundheim kümmert sich der eine um den anderen und Probleme werden versucht durch Kontakt und Kommunikation mit den Mitmenschen zu lösen. Ich betone es wird versucht; ich glaube nicht, dass es an mir persönlich gelegen hat, aber man trifft immer und überall auf Menschen, mit denen man nicht übereinkommt. Und so traurig das klingt manchmal bleibt einem nichts anderes übrig als zu resignieren und einzusehen, dass man zu einigen Mitmenschen einfach keinen guten Kontakt haben kann. So hatte ich zu einer Arbeitskollegin gar keinen Kontakt oder wenn ja dann negativer Natur.

Auf Lundheim arbeiten viele Freiwillige, ob das gut oder schlecht ist muss jeder für sich entscheiden weil diese Freiwilligen alle zusammen in einer WG wohnen. Da kommt es natürlich auf die Kombination an die man erwischt. Wem das WG-Leben überhaupt nicht zusagt, der hat auf Lundheim schlechte Karten. Aber lasst euch nicht abschrecken es ist nicht soooo schlimm und man hat hinterher immer eine Anekdote auf Lager. Ausserdem kann man dann schon vor dem Studium entscheiden, ob man unter dem Studium in eine WG zieht oder nicht. Erfahrungen:) Erfahrungen, das ist das schöne am europäischen Freiwilligendienst.

Und sozial wird man auf Lundheim, auch tolerant und weltoffen (bzw toleranter und weltoffener:) nicht zu vergessen: freiwillig, man stellt sich ganz freiwillig in den Dienst der Einrichtung. Mit Leib und Seele.

Die Schüler lehren es einem und die Mitarbeiter; man ist nicht allein auf der Welt. In der Lundheim-Familie ist man Teil eines Ganzen und man sollte sich einfügen, sonst kommt es zu Reiberein. Es wird ziemlich eng zusammengearbeitet, aber ich kann für mich nur sagen, dass ich es wunderbar hatte auf Lundheim. Ich habe mit sehr sehr netten Leuten zusammengearbeitet die mir die Chance gegeben haben mich zu veraendern, Dinge auszuprobieren und vor allem: Fehler zu machen. Ich habe echt mal gedacht ich mache kaum Fehler, sicher habe ich nie behauptet ich sei Fehlerlos, aber auf Lundheim bin ich schnell eines besseren belehrt worden, bzw habe es selber gemerkt. Man macht viele Fehler jeden Tag aufs Neue. Aber das macht nichts. Auf Lundheim wirft es einem keiner vor.

Ausgerechnet die Lehrer mit denen ich gearbeitet habe waren da besonders geduldig. Nicht, dass ich überdurchschnittlich viel Scheisse gebaut hätte, aber die beiden haben sich richtig gut um mich gekümmert und ich glaube meinen Kollegen ging es Ähnlich. Die Arbeit ist nicht hart, aber man sollte auch nicht so eingestellt sein, dass man nach einem acht Stundentag, sieben Komma fünf, nach Hause geht und die Tür hinter sich zumacht und das Thema arbeiten ist erledigt. Die Freiwilligen-WG liegt auf dem Schulgelände direkt neben der Schule, die Schüler haben die Durchwahl zum Freiwilligentelefon und wenn man es ihnen nicht sofort abgewöhnt kommen sie Nachmittags gerne mal auf ein Schwätzchen in die unaufgräumte Freiwilligen-Küche. Die Schüler langweilen sich nämlich Nachmittags und Abends fast zu tode. Und da ist dann der Einsatz der Freiwiligen gefragt. Nicht dass ihr eure ganze Freizeit opfern sollt, ihr kriegt selbstverständlich Stunden dafür angerechnet, aber so arbeitet man dann den ganzen Tag.

Hier ein Beispiel eines sehr ungünstig gelegten Tagesablaufs: Um halb sieben aufstehen, weil man um sieben im Internat anfängt zu arbeiten (wecken, waschen, anziehen und frühstückmachen der behinderten Schüler) danach Norwegischunterricht, dann erstmal frei, mittags Teamsitzung, die für die Freiwilligen genauso Pflicht ist, wie für die Lehrkräfte, dann frei und Nachmittags ein wenig Unterricht mit den Schülern. Nach dem Mittag um ,14.20h, frei und Abends Organisation einer Abendaktivität. So hat man zwar immermal zwischendurch frei, aber man ist doch den ganzen Tag am routieren und der WG-Abwasch bleibt liegen und die Wäsche und alles was man so privat vorhatte.Das kann schön sein, aber auch anstrengend und ermüdend.

Man überarbeitet sich nicht auf Lundheim, echt nicht, so soll sich das nicht anhören, aber man hat immer gut zu tun. Ausserdem hat man, wenn man sich mit seinen Mitfreiwilligen gut versteht, auch noch einiges an Privatleben, das dann auf den Abend bzw die Nacht verschoben wird und so wird es spät und am nächsten Morgen muss man dann wieder früh raus. Aber man muss auch nicht jeden Abend arbeiten und ebenfalls nicht jeden Morgen wecken. Höchstens drei mal die Woche.

Auf Lundheim gibt es unheimlich viele Möglichkeiten sich die langen Sommer- oder kurzen Wintertage zu vertreiben, die Natur allein bietet wunderbare Trainigsmöglichkleiten (wobei ich aus eigener Erfahrung raten kann: benutzt von Anfang an richtige Laufschuhe und fangt langsam an!) Man kann auch einfach nur spazieren gehen, die Natur ist wunderschön! Ausserdem kann man in der Schule alles nutzen. Internet, Dunkelkammer, Turnhalle, Werkraum, Nähmaschinen usw. Trotzdem langweilen sich die Schüler immer.Da braucht man gar kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich so eine schöne Nachmittags- oder Abendaktivität ausgedacht hat und keiner kommt. Das liegt nicht an euch, sondern daran, dass die Schüler nie zufrieden sind.

Lundheim bemüht sich einen Status als Folkehøgskole für "schwierige" Jugendliche zu bekommen und sie sind auf dem besten Wege. Wenn man am Anfang noch denkt "mit diesen Schülern kann ich nie etwas vernünftiges auf die Beine stellen", weit gefehlt. Wenn man sie kennt und sie ein wenig aus sich herausgelockt hat, sind sie lieb, engagiert und machen so einiges mit! Sie brauchen erst ein wenig Zeit sich untereinander kennenzulernen und sich einzuleben, wie ihr sicherlich auch.

Ich glaube über das Projekt an sich habe ich auch in meinem Zwischenbericht schon genug geschrieben, also zögert nicht euch an mich zu wenden und überhaupt kann ich ja nicht schon alles im Vorraus berichten. Ein bisschen müsst ihr auch noch selber rauszufinden haben:)

Anna