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Erfahrungsbericht Änne

Mit dem EVS verlebte ich sechs sehr abwechslungsreiche Monate im Süden Italiens.
Meinen Freiwilligendienst leistete ich bei der Naturschutzorganisation Legambiente, in Castel San Lorenzo, ein kleines Dorf in den Bergen, mitten in Kampanien.
Im April reiste ich zeitgleich mit noch einer französischen und einer spanischen Freiwilligen an. Zusammen wurden wir im Legambiente Sitz des Dorfes untergebracht. Sehr spartanisch eingerichtet und durchaus gewöhnungsbedürftig, aber dafür war ich ja hergekommen, um auch mal einen ganz anderen Lebenstil zu erleben. Dafür war die Umgebung umso schöner und mit den zwei andern Freiwilligen verstand ich mich auch sofort sehr gut. Auch wenn das mit der Sprache anfangs nicht so einfach war. Ohne ein Wort Italienisch war ich angekommen und Englisch half hier auch nicht viel weiter, dafür lernte ich umso schneller.
Gleich in der zweiten Woche fand ein Seminar für alle neuangereisten Legambiente-Freiwilligen (insgesamt neun) in einem alten Kloster in den Abruzzen statt. Das war wirklich gut, weil so lernte man gleich die anderen aus anderen Projekten kennen, konnte Erwartungen und erste Eindrücke austauschen, außerdem bekamen wir noch einen CrashKurs in Italienisch, wodurch sich schon erste lebhafte Konversationen mit den vielen anwesenden Italienern bei der allabendlichen feuchtfröhlichen Festa führen ließen. Auch der kulturelle Austausch kam nicht zu kurz und erwies sich als sehr interessant und durchaus aufschlussreich, zudem wurden wir in die wichtigsten Eigenheiten und speziellen Umgangsformen der Italiener eingeweiht. Alles in allem ein super Einstieg ins Freiwilligenjahr.
Zurück im Dorf mussten wir allerdings feststellen, dass die Organisation unseres Projektes einiges an Geduld erforderte und selbiges auch im Enddefekt nicht so ganz unseren wagen Vorstellungen entsprach. Wir waren die meiste Zeit auf uns alleingestellt, was gerade zu Beginn recht schwierig für uns drei war, weil wir einfach keine konkreten Aufgaben hatten und auch nicht wussten worin die Aufgaben von Legambiente in diesem Dorf eigentlich bestanden.
In der Projektbeschreibung war noch von Arbeit im Nationalpark und sauberem Dorf die Rede gewesen. Die Grünanlagen sollten von uns gepflegt werden, doch das nahm nicht viel Zeit in Anspruch. Wenn wir eigene Ideen einbrachten, um unser Aufgabenfeld zu erweitern wurden wir immerzu mit der Begründung vertröstet, dass es derzeit noch an entsprechenden Arbeitsmitteln fehlte und kein Geld da wäre. So stellten wir uns also zunächst einmal im ganzen Dorf vor. Wir gingen in die örtlichen Schulen und erzählten von unseren Heimatländern, was auf großes Interesse stieß, denn hier im Bergdorf waren wir so was wie Exoten, da die Leute hier so gut wie nie andere Länder bereisen. Bei den meisten spielt sich das ganze Leben im eigenen Dorf und nächster Umgebung ab. Was auch nicht weiter tragisch ist, da es hier auch alles gibt, was man sich wünschen kann: Sonne, Berge, Meer und fantastische Strände, ein wahres Naturparadies. Alle waren unheimlich freundlich und aufgeschlossen, kamen von selbst auf uns zu und beschenkten uns mit selbstgemachtem Wein, Pizza und vielem mehr.
Wir freundeten uns schnell mit einigen Italienern an und ließen uns die Gegend zeigen, lernten auf Festen die traditionelle Musik und Tänze kennen, halfen bei der Weinlese und lernten so das Dorfleben auf direktem Wege kennen. Das italienisch sprechen fiel mittlerweile auch schon leicht.
Im August hatten wir dann schließlich noch zwei Wochen lang ein zehnköpfiges Workcamp bei uns und damit auch jede Menge zu tun. Tagsüber arbeiteten wir alle gemeinsam an einem Wanderweg am nahegelegenen Fluß. Abends kochten wir für alle Pasta und ließen uns den Wein aus der dörflichen Kelterei schmecken.
Als es dann schließlich der Endmonat Oktober ranrückte musste ich doch mit sehr gemischten Gefühlen kämpfen, einerseits die die Vorfreude auf zu Hause Familie und Freunde wiedersehen, andererseits neugewonnene Freunde und ITALIEN, gerade erst so lieb gewonnen einfach hinter sich zu lassen ließ schon einige Tränen rollen.
Im Rückblick betrachtet hätt’ ich mir vom Projekt selbst wohl mehr Erfahrungswerte gewünscht, was alles übrige anbelangt wird mir dieses halbe Jahr immer in bester Erinnerung bleiben. Viel Spaß auch allen die nach mir kommen!

Änne