zurück zur Übersicht Entsendungen
Erfahrungsbericht Sabrina

Nun ist es endlich soweit, heute am 05.05.02 gehts los. 9 Stunden Zugfahrt liegen vor mir aber das ist ja ein Klacks, dachte ich jedenfalls,nach genau 3 Stunden wurde mir ganz schön langweilig aber naja.
So gegen 17 Uhr bin ich in Luxemburg/Stadt auf dem Hauptbahnhof angekommen. Ganz nervös stieg ich aus dem Zug und sah mich ganz ungläubig um.
Dann kam ein junger Mann auf mich zu und fragte mich, ob ich Sabrina aus Deutschland sei, ich bejate und er stellte sich mir als mein Tutor Laurent Thinnes vor. Dabei hatte er noch Dario aus Italien und Eva aus Spanien. Geneinsam fuhren wir in die Jugendherberge von LU/Stadt, wo ich dann noch die beiden anderen Freiwilligen, Eliza aus Polen und Maria ebenfalls aus Spanien kennenlernte.
Nachdem wir uns ein bisschen beschnuppert und kennengelernt hatten, war auch die erste Angst vorüber und wir merkten,dass wir uns eigentlich alle ganz sympatisch sind.
In der Jugendherberge erfuhr ich dann auch, das ich das nächste halbe Jahr mit Dario in Larochette zusammen arbeiten werde und wir am nächsten Tag zu unserem Einführungsseminar nach Eisenborn fahren, wo auch Eliza und Eva wohnen würden.
2 Wochen lebten wir in Eisenborn. Wir haben viel unternommen, waren auf Messen, haben Führungen durch LU/Stadt gemacht und haben mit Mark und Adrian ein anstrengendes aber erfolgreiches Seminar abgehalten. Wir sprachen über Dinge die wir erwarten, die wir nicht erwarten, die wir erreichen möchten und Dinge die von uns erwartet werden. Wir bekamen alle neue Handy-Nr.damit es nicht so teuer wird und das war echt nett.

Am 22.05.02 ging es für mich und Dario auf nach Larochette,wir nahmen auch Maria aus Spanien mit, da Laurent sie später nach Lutzhausen fahren wollte. Wir waren sehr nervös, immerhin sahen wir jetzt den Platz an dem wir die nächsten 5 Mon.bleiben und leben müssen. Ich war besonders gespannt auf mein Zimmer und auf unsere Herbergseltern Marc und Olga, wie werden sie wohl sein und werden sie nett sein ? Das wird sich ja auf jeden Fall bald herausstellen.
Wir kamen so gegen Mittag in Larochette an und sahen gleich Olga die uns sehr herzlich begrüsste. Dann gingen wir in die Küche, wo uns Marc schon erwartete. Er kochte was leckeres für uns und dann wollten wir in unsere Zimmer ziehn. Laurent sah sich die Zimmer an und meinte wir können jetzt noch nicht einziehen, die Zimmer seien noch nicht fertig. Wir liessen unser Gepäck also in Larochette, packten nur das Nötigste ein und Dario ging nach LU/Stadt, wo er viele italienische Freunde hatte und ich fuhr mit Laurent und Maria nach Lutzhausen und verbrachte dort einen schönen Tag mit viel Sonne und Schwimmen im See.
Am nächsten Tag kam ich natürlich zu spät, da die Verbindung von Lultzhausen nach Larochette echt unmöglich ist! Georg der uns an unserem ersten Tag alles zeigen sollte, wartete schon zusammen mit Dario auf mich. Die Verständigung war etwas problematisch, da Georg kein englisch sprach. Er sprach mit mir in deutsch und mit Dario in französisch! Somit musste er alles zweimal erklären aber es funktionierte trotzdem! Er erklärte uns nun was auf uns zu kommen würde und zeigte uns alles !
Wir machten uns aus,das wir uns immer Dienstags und Donnerstags um 14 Uhr treffen würden. Nun lag es an uns. Es ging darum,dass wir uns einen Kopf machen über verschiedene Instalationen die in einem Sinnesgarten aufgestellt werden können. Eine Art Garten in dem man die Natur riechen, fühlen, hören und sehen kann. Instalationen aus Naturmaterialien.
Auch mit Laurent hatten wir ein Projekt geplant. Es handelte sich dabei darum, dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen sollten um die Wanderwege von einer Jugendherberge zur anderen zu erkunden. Was man dort beobachten kann, ob der Weg für alte Menschen geeignet ist und welche Orte man dabei passiert. Und noch vieles andere auch.Wir machten uns aus, das wir uns immer Mittwochs und Freitags treffen würden.

Jetzt freuten wir uns,denn wir merkten, dass wir jeden Montag frei hatten.
Zu früh gefreut! Denn jeden Montag mussten wir von nun an nach Eisenborn zum französisch Unterricht, der dort immer um 10 Uhr statt fand. Unsere Lehrerin war eine sehr nette Frau aus der Ukraine. Nur eins konnte sie absolut nicht und das war französisch unterrichten. Sie versuchte mir in einem gebrochenem englisch die französische Sprache beizubringen. Das war ja auch ganz toll aber leider verstand ich kaum ein Wort und war oft vor Verzweifelung den Tränen nah. Ich habe dann in der Zeit auch kaum etwas gelernt.
Die meisten Wochenenden verbrachten wir in Eisenborn, weil dort ja Eva und Eliza lebten. Sie hatten dort ihr eigenes Appartment und so organisierten wir viele Partys und da wir eh Montags alle nach Eisenborn mussten, blieben wir immer das ganze Wochenende da.Wir hatten alle sehr viel Spass zusammen.
Der erste Dienstag stand vor der Tür und wir trafen uns mit Georg im Park in Larochette !
Er erklärte uns, das wir uns Gedanken über Installationen aus der Natur machen sollten die wir später selbst bauen werden und die dann im Park aufgestellt werden. Das war der erste Dienstag so knapp 2 Std.! Dario und ich machten uns daran Installationen graphisch darzustellen. Darunter waren ein Schlagzeug nur aus Holz, ein Xsylophon komplett aus Holz, ein Totem (Martaphal) aus Holzblöcken usw.! Da ich allerdings das Gefühl hatte, nicht wirklich gefordert zu werden, fragte ich Marc(den Herbergsvater), ob es nicht möglich wäre ihm in der Jugendherberge zu helfen. Er bejate und von dem Zeitpunkt an habe ich ihm ab und zu geholfen!
Am Mittwoch sollten wir uns mit Laurent treffen der uns das Projekt mit den Fusswegen näher bringen wollte, doch er hatte keine Zeit und wir arbeiteten einfach nur an unseren Ideen für die Parkinstallationen ! Wir hatten wirklich gute und durchaus einfach zu realisierende Ideen! Wir legten sie vor doch immer kam nur, das sie gut aussehen aber wir sollten noch mehr machen. Irgendwann war ich es ganz ehrlich leid, ständig meine Ideen aufs Papier zubringen ohne das diese nur einen Hauch der Beachtung bekommen! Sorecht kümmerte es auch anscheinend keinen!

Mit den Fusswegen klappte es auch nicht so wirklich, Laurent hatte sehr wenig Zeit für uns, weil er sehr viel zutun hat ! Unseren ersten Fussweg hatten wir gemeinsam erst im September und das war auch nur eine Art Probelauf ! Wir sollten dann auch weiter machen aber leider hatten wir immer irgendwelche Termine oder der Wettergott von Luxemburg machte uns einen fetten Strich durch die Rechnung und lies es regnen, wie so oft! In der Zwischenzeit habe ich dann die Protokolle und Berichte der letzten Freiwilligen über dieses Projekt in den PC übertragen!
Da unsere Ideen für die Installationen nicht so den Anklang fanden und vom Arbeiten eh nicht so recht was zu spüren war, haben wir Dienstags und Donnerstags oben im Park mit dem CRAK zusammen gearbeitet. Das ist eine Organisation bei der die Schulkinder, nach der Schule, hier in den Park kommen um Hausaufgaben zumachen und um danach noch mit ihren Schulkameraden zu basteln und zu spielen. Ich habe ihnen beim deutsch lesen und beim Rechnen geholfen und meistens haben wir danach noch gebastelt. Das ging dann immer von um 14 Uhr bis um 17 Uhr. Hier habe ich meine ersten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kindern gemacht. Und ich habe gelernt, dass das gar nicht so schwer ist und ich das auch kann.
Eines Nachmittags hatten wir ein Treffen mit Bernd und Mett (haben ein wachsames Auge über den Park) und wir redeten tatsächlich einmal über unser Projekt! Zeit wurde es ja auch, immerhin hatten wir es ja schon Anfang August ! Und gemeinsam einigten wir uns darauf, das wir Darios Xylophon und meinen Totem in die Tat umsetzen aber erst nach der Sommerakademie. Denn es muss noch viel geplant werden und es muss noch geplant werden und eigentlich ist so recht keine Zeit da und ausserdem müssen wir das alles erst richtig durch planen und planen müssen wir das auch noch! Ganz ehrlich, wenn hier weniger geplant würd und mehr gearbeitet würd, hätten wir im Mai garantiert auch schon mit unserem Projekt anfangen können! So kompliziert wie manche tun, ist es nämlich in Wirklichkeit gar nicht. Man muss hier einfach einen Mittelweg finden zwischen überstürztem Handeln und monatelangem Planen! Aber naja, egal! Phylosophie und Planen sind halt hier im Park der Tagesordnungspunkt Nr.1!
Als in Luxemburg die grossen Sommerferien begannen, fand hier im Park die Sommerakademie statt. Verschiedene Projekte wurden angepriesen bei denen sich die Kinder, die in den Ferien nicht mit den Eltern in den Urlaub fuhren oder erst später fahren würden, eintragen konnten. Das erste Projekt handelt davon, aus Gasbeton Skulpturen heraus zuschlagen.
Dieses Projekt ging eine Woche und es waren ca.10 Kinder hier die mit sehr viel Eifer und Lust ihrer Fantasie freien Lauf lassen konnten ! Ich war wirklich sehr überrascht, wozu Kinder in dem Alter fähig sein können. Ab und zu haben wir ihnen geholfen aber den grössten Teil haben sie allein gemacht!
Jetzt steht nur die Frage offen, wohin mit den Skulpturen. Ich hoffe, man kümmert sich darum und überlässt diesen schönen Skulpturen nicht ihrem Schicksal.aber es muss ja alles erst wieder gründlich geplant werden. Jetzt ist es Ende Oktober und mit den Skulpturen wurde noch nixs gemacht. In der zweiten Woche fand ein Projekt statt, das ich persönlich sehr mochte. Es ging dabei um die Geschichte des Baumes! Wir halfen Michel und Vallerie, die dafür zuständig waren, beim arbeiten und bei der Aufsicht der Kinder. Wir haben alle zusammen in den 2 Wochen sehr viel geschafft. Wir waren auf Erkundungstour durch den Wald, untersuchten Blätter, Wurzeln und Moos. Wir sahsen gemeinsam zusammen und lauschten ganz aufmerksam den Geschichten die uns Michel erzählte und dabei merkte ich, wie schnell doch die Zeit vergangen ist und wie alt ich eigentlich schon bin! Wir bauten kleine Mini-Gärten mit richtigen Wegen und kleinen Mauern und mit Samen die dann später auch gegessen werden konnten (z.B. Senfsaat).
Doch die grösste Aufgabe in diesem Projekt lag darin, die Terrassenwand der Jugendherberge mit der Geschichte des Baumes zu versehen! Also, wir hämmerten, putzten, klebten, zerschlugen und malten wie die Wilden und das Resultat ist einfach nur zauberhaft. Mit Hilfe von Mosaiksteinen und Farben haben wir die ganze Geschichte von dem Tag an, an dem der kleine Samen vom Baum fällt bis zu dem Tag an dem er zu einem stattlichen Baum herangewachsen ist auf die wand gebracht. Wir waren wirklich sehr stolz auf die Kinder und auf deren Leistung! Zum Abschluss wurde im grossen Rahmen gegrillt und die Eltern und Grosseltern kamen und bewunderten das Kunstwerk ihrer Kinder und Enkel! Das waren wirklich zwei sehr schöne Wochen! Ich hoffe sehr, das der Rest dieser Wand im nächsten Jahr gemacht werden kann, damit sieht die Terrasse der Jugendherberge viel schöner und freundlicher aus und den Gästen gefällt es auch sehr.
Das nächste Projekt handelte vom Filmdreh! Zu der Zeit war ich allerdings für zwei Wochen zu Haus bei meinen Eltern, denn die grosse Deutschland-Flut der Elbe stand vor der Tür, im wahrsten Sinne des Wortes! Aber zum Glück und dank aller Helfer hat unser Deich gehalten ! ! ! DANKE !

Als ich dann wieder aus Deutschland zurück kam (Mitte/Ende September), fingen die Arbeiten mit dem Totem an. Es wurde ein Aushang gemacht in der Schule und im Dorf. Die Kinder von Larochette wurden gefragt, ob sie nicht Lust hätten in der restlichen Ferienzeit für eine Woche in der Park der Jugendherberge zu kommen um dort zu helfen. Es kamen 8 Kinder aus Larochette und ich erklärte ihnen um was es genau ging und was ihre Aufgabe sein würde.
Ich hatte genau eine Skizze davon gemacht, wie der Totem aussehen sollte. Doch ich merkte ganz schnell, das es viel besser ist, wenn die Kinder ihre eigenen Ideen verwirklichen können, so hatten sie auch viel mehr Spass bei der Arbeit und irgendwann, wenn sie einmal mit ihren eigenen Kindern hier in den Park kommen, können sie ganz stolz sagen, das auch sie daran gearbeitet haben.
Georg half mir und den Kindern und darüber bin ich auch sehr dankbar gewesen. Wir hatten 3 sehr grosse Eichblöcke und zuerst wurden die Blöcke geschält, von ihrer Rinde befreit. Es stellte sich heraus, dass das die einfachste Aufgabe war.Danach standen Hammer, Meissel, Nägel, Schrauben, Reizzwecken, Pinsel und Farbe zur Verfügung. Einige haben Fische und Gesichter auf den Stamm gemalt und einige andere haben viele verschiedene Nägel und Schrauben in den Stamm geschlagen und haben dadurch Muster entworfen und wieder andere haben dann mit Hammer und Meissel verschiedene Symbole in den Stamm geschlagen.
Das herausschlagen der Symbole war eine grosse Herausforderung, denn das Eichenholz war sehr hart. Am Ende dieser Woche hatten wir drei sehr schön von Kinderhand bearbeitete Eichenblöcke. Ich war sehr stolz auf die 8, denn sie haben sich sehr gut miteinander vertragen und auch gut zusammen gearbeitet.
Nach der Woche war ich mir sicher, das diese 3 Blöcke nicht ausreichen würden, der Totem würde zu niedrig werden und entschied mich dafür 2 weitere Blöcke zu bearbeiten. Die Arbeiter aus dem Park stellten sie mir auch hin und ich konnte loslegen.
Jetzt merkte ich am eigenen Leib wie es ist die ganze Zeit mit dem Hammer auf " Stein " zuschlagen, das Holz war wie Stein. Ich hatte mir genau vorgestellt, was ich machen wollte. Den Kopf! Ich nahm mir also einen Block, geschält war er schon, das machten die Kinder in der Woche als sie Zeit hatten, und ich begann. Zuerst wollte ich, das die Kopfspitze wie bei einem Dreieck zusammen läuft, doch das war leichter gedacht als getan. Selbst mit der Motorsäge war es unmöglich diese Kopfspitze zu schaffen. Also musste ich mir etwas anderes überlegen. Ich schlug dann über mehrere Tage eine Art Rundum-Treppe aus dem Kopf und feilte sie damit sich keiner daran weh tut.

Auch als ich das Gesicht heraus schlug, merkte ich wieder, wie hart doch dieses Eichenholz ist.Ich zeichnete Ohren auf und malte sie auf das passende Holz und die Parkarbeiter sägten sie mir aus genau wie auch Federn die ich auf das Holz zeichnete. Ich brachte die Ohren an und machte den ganzen Kopf witterungsbeständig damit er auch draussen überlebt und nicht schimmelt.
Jetzt ist mein Projekt fast fertig ! Die einzelnden Teile des Totem müssen nur noch übereinander gesetzt werden und einen richtig guten Stehplatz, wo ihn auch jeder sehen kann braucht er auch noch ! ! ! Tja, jetzt ist meine Freiwilligenzeit hier vorbei . Es hat mir schlussendlich doch sehr, sehr gut hier gefallen.
Ich habe viele neue Freunde gefunden und ich habe mich selbst auf eine ganz andere Art kennen gelernt. Ich bin sehr froh darüber, damals diesen Schritt gemacht zu haben und ich würde auch jedem, dem diese Möglichkeit geboten wird, dazu raten, es zu tun ! ! !
Ich bedanke mich bei allen lieben Menschen die das für mich ermöglicht haben, mich verstanden haben und mir mit Rat und Tat zur Seite standen und mir geholfen haben ! ! !
Danke, für diese schöne Zeit ! ! !

Sabrina